Am Freitag blieb Jorge Lorenzos Box leer, doch ein Start im Rennen ist möglich

MotoGP 2013

— 28.06.2013

Lorenzo zurück in Assen

Etwa 28 Stunden nach seinem Sturz kehrt Jorge Lorenzo zum Kurs in Assen zurück - Fahrerkollegen sprechen über den möglichen Start im Rennen bei der Dutch TT

Die MotoGP-Gemeinde hielt am Donnerstag in Assen kurz den Atem an, als Weltmeister Jorge Lorenzo im Nassen bei mehr als 200 km/h von seiner Werks-Yamaha katapultiert wurde. Beim Aufschlag brach sich der Spanier das linke Schlüsselbein. Ursprünglich sollte er bis Freitag in Assen stabilisiert werden und dann nach Barcelona fliegen, um operiert zu werden. Doch Yamaha charterte ein Flugzeug und flog den Weltmeister von 2010 und 2012 noch in der Nacht nach Barcelona.

Um vier Uhr war die zweistündige Operation beendet. Lorenzo überstand den Eingriff gut und twitterte bereits am Vormittag ein Foto. Im Fahrerlager kursierte das Gerücht, der Yamaha-Pilot würde noch am Freitag zurückfliegen, um die Chance zu wahren, am Rennen teilzunehmen. Yamaha dementierte diese Gerüchte. Doch dann die Überraschung: 15 Uhr stieg Lorenzo in eine Maschine. 18:15 Uhr kehrte er ins Fahrerlager zurück.

"Ich kümmere mich nicht so richtig darum, doch wenn er fährt, dann ist er mein Held", erklärt Cal Crutchlow, der in Lorenzos Abwesenheit die Pole-Position holte. Der Brite brach sich vor zwei Jahren ebenfalls das Schlüsselbein: "Ich fuhr 2011 in Silverstone, nachdem ich mir das Schlüsselbein brach. Ich musste einen Fitness-Test absolvieren. Wenn er den schafft, dann ist er auch stark genug. Wenn er den Test besteht, dann kann er auch fahren. Der Test ist schwieriger als das Fahren."

Besteht Lorenzo den Fitness-Test?

Noch ist unklar, ob Lorenzo tatsächlich fahren wird. Bisher äußerte er sich nicht zum weiteren Wochenend-Verlauf. "Wenn man eine Werks-Maschine fährt und vom Team in der einen Nacht nach Hause geflogen wird und nach der Operation wieder zurückfliegen kann, dann ist das etwas, das ich auch gemacht hätte", bestätigt Crutchlow. "Sicher ist es nicht einfach. Das muss logistisch alles passen. Doch wenn er die Chance hat, dann wird er fahren. Da bin ich mir sicher. Man muss sich bewusst sein, dass man sehr viel Risiko eingeht. Wenn noch etwas passiert, dann kann es viel schlimmer werden."

"Man muss tun, was man tun muss, wenn man eine Weltmeisterschaft gewinnen möchte", betont Markenkollege Bradley Smith. "Wenn er denkt, dass er bereits ist und einige Punkte holen möchte, dann bin ich nicht derjenige, der ihn vom Gegenteil überzeugen will. Er kennt seinen Gesundheitszustand am besten. Die Leute im Medical Centre werden ihn nur Fahren lassen, wenn er fit genug ist."

"Er hat bisher alles ihm Mögliche getan, um dort zu sein, wo er in der Meisterschaft ist. Man muss sich nur ansehen, wie viel er bei den Wintertests in Sepang unternommen hat. Wenn ich er wäre, würde ich vermutlich das gleiche tun", prognostiziert Smith. "Wenn ich um die Meisterschaft kämpfen würde, wären mir die Meinungen der anderen Leute egal. Es ist ein bisschen verrückt, doch so ist das in einer Meisterschaft. Er zeigt, wie sehr er einen weiteren Titel will."

Möglicher Start aus der Boxengasse

Durch die Bestzeit im trockenen ersten Freien Training konnte Lorenzo direkt ins Q2 einziehen, an dem er nicht teilnahm. Deshalb müsste er das Rennen von Startplatz zwölf in Angriff nehmen. Das Risiko, mitten im Feld zu starten, ist sehr groß. Durch die Motoren-Probleme bietet sich auch ein Start aus der Boxengasse an. Dadurch könnte das Yamaha-Team einen weiteren Motor nominieren. Doch das sind momentan nur Spekulationen. Zuerst einmal muss Lorenzo den Check bestehen. Bei seiner Ankunft im Paddock war die linke Schulter verbunden und der Arm fixiert.

"Ich weiß nicht. Die Leute im Medical Centre sind sehr professionell. Jorge hat viel Erfahrung", grübelt Konkurrent Marc Marquez. "Wenn er sich gut fühlt, dann ist es eine gute Nachricht. Für alle anderen Fahrer ist es eine Überraschung, ihn hier zu haben." Doch selbst Marquez sieht ein hohes Risiko: "Wenn er sich gut fühlt, dann besteht die Chance. Doch man weiß nie, was in der Zukunft passiert."

"Das ist sehr mutig, aber nur er kann wissen, wie er sich fühlt und wie es ihm nach der Operation geht. Jede Verletzung ist anders", bemerkt WM-Gegner Dani Pedrosa, der im Qualifying stürzte. Der Spanier hat Erfahrung, mit einem gebrochenen Schlüsselbein zu fahren und erinnert sich an das Gefühl: "Sehr schmerzvoll", bemerkt er. "Als ich das letzte Mal mein Schlüsselbein gebrochen hatte, bin ich erst einige Wochen später wieder gefahren. In Mugello konnte ich kaum bremsen. Nach all den Operationen fühlte ich mich damals nicht wohl, weil ich viele Medikamente nehmen musste. Manchmal wacht man auf und man fühlt sich gut."

Lorenzo überrascht seine Kollegen

"Ich war überrascht, als ich hörte, er wolle morgen fahren", erklärt LCR-Pilot Stefan Bradl. "Als Rennfahrer muss man verstehen, dass er um die Weltmeisterschaft kämpft und versucht, wenigstens ein paar Punkte zu holen. Das wird er versuchen. Die Leute im Medical Centre werden seinen Gesundheitszustand überprüfen und dann eine Entscheidung treffen. Er ist schlau genug, um die Situation zu verstehen."

Auch Teamkollege Valentino Rossi tut sich schwer, Lorenzos Entscheidung zu bewerten. "Für mich ist es schwierig, über die Entscheidung eines anderen Fahrers zu sprechen. Wenn sich Jorge gut fühlt, dann ist es eine gute Entscheidung. Sollte er Schmerzen haben und nicht fahren, dann ist es auch eine gute Entscheidung", urteilt der Italiener. "Er kämpft um die WM. Wenn er es versucht, ist es sicher eine gute Entscheidung."

Für Crutchlow, der von der Pole-Position starten wird, ist Lorenzo selbst von Startplatz zwölf aus eine Gefahr. Der Brite traut seinem Markenkollegen durchaus einen Podestplatz zu. "Er hat bereits einen sehr runden Fahrstil. Als ich mir das Schlüsselbein brach, fuhr ich danach runder. Wenn er noch runder fährt, dann wird er vermutlich noch schneller. Dann stecken wir richtig in der Scheiße", scherzt Crutchlow.

Fotoquelle: Yamaha

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