Aleix Espargaro fuhr in den ersten Runden im Spitzenfeld mit

MotoGP 2013

— 16.07.2013

Espargaro mischt die MotoGP-Elite auf

Aleix Espargaro griff auf dem Sachsenring in der Anfangsphase die Topstars an - Die Konkurrenz zeigt sich vom derzeit besten CRT-Fahrer beeindruckt

Einer der stärksten Fahrer dieser Saison ist Aleix Espargaro. Auf jeder Strecke fordert der Spanier die Prototypen heraus. Seine Aprilia nach CRT-Reglement hat rund 230 PS Leistung, während die reinrassigen Prototypen von Yamaha, Honda und Ducati rund 260 PS haben. Dafür dürfen die CRT-Bikes zwölf Motoren pro Jahr verwenden und sie bekommen einen weicheren Hinterreifen von Bridgestone. Außerdem stehen ihnen für die Renndistanz zusätzliche zwei Liter Kraftstoff zur Verfügung. Aprilia hat ein rundes Paket geschnürt und Espargaro setzt es auf der Strecke perfekt um. Der "CRT-Meister" des Vorjahres stürzt kaum und ist schnell unterwegs.

Auch auf dem Sachsenring, dessen Streckencharakteristik schwächeren Motorrädern entgegenkommt, untermauerte Espargaro seine derzeitige Form. Im dritten Freien Training fuhr der 23-Jährige die zweitschnellste Zeit und im Rennen brannte er zu Beginn ein Feuerwerk ab. In der zweiten Kurve drückte er sich am späteren Sieger Marc Marquez (Honda) frech vorbei und war hinter Valentino Rossi (Yamaha) und Stefan Bradl (LCR-Honda) Dritter. Die nachfolgenden Prototypen taten sich zunächst schwer, einen Weg vorbei zu finden.

Schließlich überholten die Topfavoriten und Espargaro lieferte sich bis zum Zielstrich ein Duell mit Ducati-Werkspilot Andrea Dovizioso um Platz sieben, das er hauchdünn im Zielsprint verlor. Trotzdem hatte sich Espargaro wieder stark in Szene gesetzt und war mit Abstand der beste CRT-Vertreter. Über die Renndistanz verlor er genau eine Sekunde pro Runde auf Marquez. "Mit dem Start des Rennens bin ich sehr zufrieden. Ich wusste, dass ich in den ersten Runden mit den weichen Reifen schnell sein werde."

"Ich tat, was ich konnte, um vorne zu bleiben. Ich pushte hart, aber langsam verlor ich den Anschluss an die Spitze. Es war der heißeste Tag des Wochenendes und die hohen Temperaturen beeinträchtigten meine Situation etwas", meint Espargaro. "Ich finde, dass es ein tolles Rennen war. Noch nie in diesem Jahr war mein Rückstand auf die Spitze so gering. Bis zum Ende habe ich gegen Dovizioso gekämpft. Ich habe ihn auch einige Male überholt, aber er kam beim 'Wasserfall' immer wieder vorbei."

Trotz Platz acht ist der Spanier sehr zufrieden mit seiner Leistung: "Ich habe wieder viele Punkte gesammelt und ich habe gegen die Prototypen gekämpft. In der WM bin ich in einer guten Position. Ich freue mich über diesen achten Platz." In der WM ist Espargaro weiterhin Zehnter. Dovizioso musste sich strecken, um die Aprilia in Schach zu halten. Das Chassis des RSV4-Ablegers besticht durch extrem gutes Handling, was auch gleichzeitig die Nachteile des Ducati-Prototypen aufzeigt.

Dovizioso erkennt die Vorteile der Aprilia

"Er kann später bremsen und einfacher einlenken. In der Mitte der Strecke, in den Kurven sechs bis zehn, war er schneller als ich. Ich konnte die Kurven nicht mit der gleichen Geschwindigkeit fahren", stellt Dovizioso einen Vergleich an. "In anderen Kurven und auf der Gegengerade im sechsten Gang holte ich auf." Der Italiener konnte dafür mit der Motorleistung kontern. Defizite sieht Dovizioso bei der Aprilia nur bei der Endgeschwindigkeit.

"Er ist im ersten Teil der Beschleunigung schneller. Ich denke, dieses Motorrad hat eine Menge Drehmoment, deshalb verlieren sie beim Beschleunigen anfangs nichts, auch im Vergleich zur Honda und Yamaha. Aber das ist nur am Kurvenausgang so. Es hängt aber auch von der Balance des Motorrads ab. Hier befindet sich vor der Start-Ziel-Geraden beispielsweise eine Haarnadelkurve."

"Daher bekommt man schnell einen Wheelie und kann die Leistung gar nicht ausnutzen. Bis in den fünften Gang machen wir nicht viel auf sie gut. Aber ich muss ihm gratulieren, denn er fährt sehr gut. Er kann in jedem Training mit den Prototypen kämpfen." Die Leistung von Espargaro ist im Fahrerlager nicht unbeachtet geblieben. Auch Tech-3-Yamaha-Rookie Bradley Smith ist Espargaro schon oft auf der Strecke begegnet. "Es sieht wie ein MotoGP-Bike aus. Er hat etwas weniger Speed im sechsten Gang. Das ist der einzige Unterschied", meint der Rookie.

Smith: Weicher Reifen hilft Espargaro

"Die Beschleunigung ist komplett gleich wie bei einem Prototypen. Dieser Kerl verliert nur im fünften und sechsten Gang ein wenig. Ihr Motorkontingent ist nicht so stark limitiert. Dazu hat er den weicheren Hinterreifen." Und genau dieser weiche Hinterreifen ist ein Puzzle-Stück, warum Espargaro im Vergleich zum Vorjahr stärker geworden ist. "Niemand kann den harten Reifen benutzten. Deswegen könnte man sagen, dass unser weicher Reifen ohnehin zu hart ist", vergleicht Smith das Reifenkontingent für die Prototypen und die CRT-Bikes.

"Unser weiche Reifen ist ein Rennreifen und ihr noch weicherer Reifen ist auch ein Rennreifen. Sie können die Renndistanz problemlos mit dieser Mischung absolvieren. Das lässt den Schluss nahe, dass wir Prototypen mit zu harten Reifen fahren. Wenn man weiß, wie man das Potenzial des Bridgestone-Reifens nutzen muss, dann ist es kein Problem. Für mich als Rookie würde es helfen, wenn ich weichere Reifen hätte. Aprilia hat ohne Zweifel ein großartiges Motorrad gebaut, aber es ist ganz bestimmt kein CRT-Bike", merkt Smith an. Aprilia hat den Grundgedanken des CRT-Reglements stark ausgenutzt.

In den ersten Runden auf dem Sachsenring musste auch Cal Crutchlow (Tech-3-Yamaha) einen Weg an Espargaro vorbei finden. Der Brite zeigte sich im Anschluss beeindruckt: "Ich weiß nicht wie dieses Motorrad in der Superbike-WM ist. Der Motor in der Superbike-WM ist besser als Espargaros. Es war unglaublich. Und ich glaube wirklich, dass ein Topfahrer damit ein Rennen gewinnen kann, vor allem auf Strecken wie dem Sachsenring."

"Das ist nicht abwertend gegenüber Espargaro gemeint, denn er ist ein großartiger Fahrer. Außerdem hat er noch den weicheren Hinterreifen. Er war sehr schnell. Man kann sich vorstellen, wie gut das Motorrad in der Superbike-WM funktioniert. Er ist in den ersten Runden wirklich sehr gut gefahren. Er ist auch einige Risiken eingegangen, wovon ich sehr beeindruckt war", zollt Crutchlow Respekt. "In der ersten Kurve versuchte er gleich vier Fahrer zu überholen."

Außerdem fährt Espargaro allen anderen CRT-Fahrern um die Ohren und ist praktisch in seiner eigenen Liga. "Er macht de Puniet komplett fertig. An jedem Wochenende, in jedem Training, in jedem Rennen lässt er de Puniet stehen", streicht Crutchlow hervor. "Ich bin wirklich beeindruckt von ihm, er macht einen super Job. Er verdient ein MotoGP-Bike. Leider steckt er in einer ähnlichen Situation wie ich. Das Timing ist für uns beide im Moment falsch."

Fotoquelle: FGlaenzel

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