Marc Marquez verblüfft in seiner ersten MotoGP-Saison die Fachwelt

MotoGP 2013

— 01.08.2013

Marquez Weltmeister? "Ich habe die Chance"

Marc Marquez blickt zurück auf seinen Einstieg in die MotoGP und spricht über die Unterschiede zu den kleineren Klassen - Bruder Alex rückt ihm auf die Pelle

Marc Marquez mischt in dieser Saison die MotoGP gehörig auf. Dem amtierenden Moto2-Weltmeister gelang ein traumhafter Einstand in die Königsklasse. Gleich sein zweites Rennen in der MotoGP gewann der 20-Jährige, nach zwei weiteren Siegen führt der Spanier nach neun von 18 Rennen die Gesamtwertung an. Im Interview zeiht Marquez ein Resümee der ersten Saisonhälfte und spricht über seinen ersten Sieg und die Umstellung im Vergleich zur Moto2. Außerdem erklärt der Honda-Pilot, was er von den Stars der Szene lernen kann und blickt auf die Entwicklung seines Bruders Alex, der in der Moto3 antritt.

Frage: "Marc, welches Rennen in dieser Saison hat dir am besten gefallen?"
Marc Marquez: "Da gibt es einige, aber Austin war für mich etwas ganz besonderes - es war mein erster Sieg. Ich mochte auch Laguna Seca. Es war eine völlig neue Strecke für mich, auf der ich noch nie gefahren war und darüber hinaus ein spezieller Kurs. Das Rennen in Jerez hat mir auch viel Spaß gemacht, denn dort habe ich 100 Prozent gepusht. Es gab aber auch einige Rennen, die schlechter waren, in denen ich es hätte besser machen können. Ich bin aber insgesamt glücklich, mit Ausnahme von Mugello. Das war ein Wochenende mit vielen Unfällen und einem Sturz zwei Runden vor Ende des Rennens, bei dem ich wertvolle Punkte verloren habe."

Frage: "Wie fühlt es sich an, ein MotoGP-Rennen zu gewinnen?"
Marquez: "Nach dem Test in Austin sah ich, dass es dort eine gute Möglichkeit für den ersten Sieg gibt, aber man hat immer Zweifel, denn ein Test ist etwas anderes als ein Grand-Prix-Wochenende. Im Rennen sind die Dinge völlig anders. Nachdem ich das Rennen gewonnen hatte, fühlte es sich zunächst einfach wie ein weiterer Sieg an. Aber als ich nach Hause kam spürte ich, dass ein Sieg in der MotoGP nicht einfach ein weiterer Sieg, sondern etwas besonderes ist. Ich war aufgeregt und dachte an all die Menschen, die mir dabei geholfen hatten, das zu erreichen."

Frage: "Denkst du, dass es normal ist, gleich das zweite Rennen zu gewinnen?"
Marquez: "Nein, aber das hängt sehr von den Umständen ab. Zu gewinnen zeigte, dass wir etwas richtig gemacht haben. Der Kurs von Austin hat mir von Anfang an gelegen, aber wenn dieser Grand Prix am Ende der Saison stattgefunden hätte, würde ich vielleicht erst dann gewonnen haben - man kann nie wissen. Es war für alle eine neue Strecken, und der Test hat mir sehr geholfen."

Moto2 eine gute Schule

Frage: "Man sagt, dass die 125er und 250er die beste Vorbereitung für die MotoGP waren. Was hast du in deiner Zeit in der Moto2 gelernt?"
Marquez: "Ehrlich gesagt kann ich die 250er nicht mit der Moto2 vergleichen, da ich nie ein 250ccm-Motorrad gefahren bin. Beim Wechsel von den 125ern in die Moto2 hatte ich mehr zu kämpfen als beim Aufstieg in die MotoGP. Der Schritt von der Moto2 in die MotoGP ist nicht so groß, denn in der Moto2 war bereits ich mit einem Viertakt-Motor gefahren, und das Gewicht des Motorrad ist auch ähnlich dem der MotoGP-Maschine."

"Man muss sich auf die ganze Elektronik einstellen, aber der Rest ist recht ähnlich, auch das Profil der Reifen. Es gibt Positives und vielleicht auch Negatives. In der Moto2 habe ich viele Dinge gelernt. In der 125ccm-Klasse ist das anderes, da kannst du gleich loslegen, aber in der Moto2 musst du lernen, die Reifen einzuteilen und musst dich auf einen vollen oder leeren Tank einstellen. Diesen Aspekt spürst du bei den kleineren Motorrädern kaum. Es ist auch eine hart umkämpfte Kategorie, in der du und dein Team den Unterschied ausmachen können. Ich habe eine Menge gelernt, und diese Erfahrung hilft mir jetzt in der MotoGP.

Frage: "Hat das mehr Spaß gemacht als die MotoGP?"
Marquez: "Es kommt auf das Rennen an. Die MotoGP macht mir mehr Spaß, denn in der Moto2 gab es immer Chattering oder etwas anderes, das Motorrad war nie perfekt. Wir waren alle gleich und der Fahrer musste den Unterschied ausmachen. Die MotoGP ist die Klasse, die ich am meisten genieße, aber die unterhaltsamsten Rennen gab es vielleicht in der Moto2. Jetzt leide ich zwar auch noch auf jeder Strecke unter Chattering, aber im Vergleich zur Moto2 ist das fast gar nichts."

Frage: "Wie überholt man mit diesen schweren Motorrädern?"
Marquez: "In der MotoGP ist das Überholen schwierig, denn das Motorrad wiegt sehr viel, daher muss man sehr viel Vertrauen haben, wenn man überholt. Vor allem beim bremsen, denn mit den Kohlefaser-Bremsscheiben verzögert man in letzter Sekunde. Der Reifen erlaubt dir, sehr hart zu bremsen, daher sehen wir nur wenige Überholmanöver. Wir fahren auch sehr schnell, daher muss man seine Überholmanöver sorgfältig planen. Wenn ein Rivale dann in Reichweite ist, kann man seinen Plan ein wenig anpassen."

Marquez will nicht an WM denken - eigentlich...

Frage: "Marc Marquez wird Weltmeister 2013 wenn..."
Marquez: "Wenn er Glück hat! Darüber möchte ich gar nicht nachdenken. Wir haben in den vergangenen beiden Rennen gesehen, was in der Meisterschaft alles passieren kann. Die Hälfte der Saison ist noch zu fahren, und auch wenn die vergangenen beiden Rennen gut gelaufen sind, müssen wir abwarten, wie sich die Dinge unter normalen Umständen darstellen, wenn Pedrosa und Lorenz vollständig genesen sind. Bis dahin nehmen wir diese Ergebnisse mit, und da ich an der Spitze bin, habe ich die Chance."

Frage: "Bei allen Rennen, die du beendet hast, standest du auf dem Podium. Wie erklärst du dir das?"
Marquez: "Das ist eine große Überraschung und eine gute Nachricht. Mit Ausnahme von Mugello habe ich jedes Rennen auf dem Podium beendet. Konstanz zählt sehr viel. Das ist möglicherweise noch beeindruckender als die Siege. Aber die Tatsache, dass ich in jedem Rennen um das Podium kämpfen kann, ist erfreulich."

Frage: "Wie ist es, mit Dani Pedrosa, Jorge Lorenz und Valentino Rossi zu kämpfen?"
Marquez: "Du lernst eine Menge. Diese Fahrer werfen nie das Handtuch. Man lernt eine Menge, wenn man hinter oder neben ihnen fährt, sieht, wie sie die Rennen angehen und welche Strategie sie verfolgen - was auch ein wichtiger Aspekt ist. Man nimmt viele kleine Dinge auf und versucht sie für sich zu nutzen."

Frage: "Wie schlägt sich dein Bruder in dieser Saison?"
Marquez: "Er überrascht alle! Im Winter sah ich schon beim Motocross, dass er sehr stark war. Ich war davon überzeugt, dass er schnell ist, denn ich musste darum kämpfen, vor ihm zu bleiben. Das Training im Vorfeld der Saison hat sich ausgezahlt. Wir treiben uns gegenseitig ans Limit, das hilft uns dabei, in guter Form zu bleiben, da wir uns im Training gegenseitig helfen."

Frage: "Schlägt er dich schon einmal im Training?"
Marquez: "Die drei Jahre machen den Unterschied, aber er ist wirklich schnell. Ich kann ihn immer noch hinter mir halten, aber es wird der Tag kommen, an dem mir das nicht mehr gelingt. Dann ich war in seinem Alter körperlich noch nicht so stark wie er."

Frage: "Wie sieht dein idealer Urlaub aus? Hast du schon Pläne für den Sommer?"
Marquez: "Ich habe einiges vor: Sonne, Strand und Freunde. Ich werde keine lange Pause haben, aber für eine Woche möchte ich abschalten und dann wieder ins Training einsteigen."

Frage: "Wirst du uns darüber auf Twitter auf dem laufenden halten? Magst du soziale Netzwerke?"
Marquez: "Ich denke darüber nach, aber es ist auch mal gut, eine Woche ohne Twitter und Facebook zu verbringen."

Fotoquelle: Repsol

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