Seit Stoners Sieg in Australien 2010 wartet Ducati auf einen weiteren MotoGP-Sieg

MotoGP 2013

— 28.08.2013

Ducati und die Gründe für die Misere

Tech-3-Yamaha-Pilot Bradley Smith und Superbike-Größe Carlos Checa über die Gründe, warum die MotoGP-Bikes von Ducati seit Jahren schwächeln

Seit Casey Stoners Sieg beim Grand Prix von Australien 2010 wartet Ducati auf den nächsten MotoGP-Triumph. Seit jenem Oktober-Tag vor knapp drei Jahren auf Phillip Island sind mittlerweile 48 Rennen vergangenen, bei denen die Honda- und Yamaha-Piloten die Siege unter sich ausgemacht haben.

Während die Ducati-Piloten bei wechselhaften oder komplett nassen Bedingungen durchaus konkurrenzfähig sind, haben sie auf trockener Strecke seit Jahren arg zu kämpfen. Nach Stoners letztem Ducati-Sieg durfte man sich italienischen Werksteam nur noch über fünf weitere Podestplätze freuen. Von diesen fünf kamen allerdings nur drei bei komplett trockenen Verhältnissen zustande: Stoners zweiter Platz in Valencia 2010, Valentino Rossis dritter Platz in Le Mans 2011 und der zweite Platz des "Doktors" in Misano 2012.

Wo liegen die Schwachstellen der Desmosedici? "Aus den Kurven heraus sind sie sehr stark. Auch der Motor ist richtig gut", ist Tech-3-Yamaha-Pilot Bradley Smith beim Studium vor ihm fahrender Ducati-Piloten in diesem Jahr aufgefallen. So verbrachte der Brite beim Grand Prix von Indianapolis die komplette zweite Rennhälfte hinter den beiden Ducati-Werksfahrern Nicky Hayden und Andrea Dovizoso, kam aber erst durch deren Kollision in der letzten Kurve vorbei.

Smith ortet Stärken und Schwächen

"Ich kann sie einfach nicht überholen. Das war in Indy mein größtes Problem. Speziell Nicky ist auf der Bremse sehr stark", hält Smith fest. Das Ducati-Problem sieht der Tech-3-Pilot an einer anderen Stelle. "Sie können beim Lösen der Bremse einfach nicht so viel Geschwindigkeit in die Kurven mitnehmen. Ganz offensichtlich haben sie ein Problem mit dem Gefühl fürs Vorderrad", bestätigt Smith die Aussagen, die man von den Ducati-Piloten - ganz gleich ob Hayden, Dovizioso oder dessen Vorgänger Rossi - schon seit Jahren kennt.

Die Tendenz zum Untersteuern am Kurveneingang bezeichnet Smith als "die offenkundig größte Schwäche" der Ducati Desmosedici. "Sie können einfach nicht diese letzten fünf bis sieben km/h in die Kurve hineinretten. Das ist natürlich ein Schlüsselaspekt in Bezug auf die Rundenzeiten, gerade auf schnellen und flüssigen Strecken", leidet Smith mit den Ducati-Fahrern.

Checa sieht den Schwachpunkt in der Balance

Carlos Checa, der in der MotoGP-Saison 2005 selbst auf einer Desmosedici saß und inzwischen in der Superbike-WM für den italienischen Hersteller fährt, rätselt. "Als ich auf diesem Motorrad saß (auf der GP5; Anm. d. Red.), kam ich gut klar. Ich fuhr ein paar Mal aufs Podium und mochte das Bike", spricht der Spanier gegenüber 'Crash.net' seine dritten Plätze in Malaysia und Australien 2005 an.

Fünf Jahre später bestritt Checa die letzten beiden Saisonrennen für das Ducati-Kundenteam Pramac. Im Unterschied zur GP5 wies die GP10 des Jahrgangs 2010 reglementbedingt nur noch 800 statt 990 Kubikzentimeter Hubraum auf. Prompt hatte auch Checa seine Mühe. "Die 800er-Maschine gefiel mir nicht so gut. Sie war viel steifer, hatte aber auch andere Reifen", erinnert der Spanier. Zwar war sowohl 2005 als auch 2010 Bridgestone der Ausrüster, die Mischungen wiesen aber große Unterschiede auf.

Zur Saison 2012 wurde der Hubraum der MotoGP-Bikes wieder auf 1.000 Kubikzentimeter angehoben. Ducati-Siege blieben seither aber aus. Im Vergleich zu den Konkurrenz-Motorrädern von Honda und Yamaha hält Checa fest: "Ich glaube nicht, dass es einen bestimmten Aspekt gibt, der die Ducati schlechter macht. Sie hat zwei Räder, einen Motor und einen Lenker. Mir kommt es einfach so vor, als würde es im Moment an der richtigen Balance dieser Komponenten untereinander fehlen."

Stoner fuhr um die Probleme herum

In der Saison 2007 freilich fuhr Stoner mit einer Ducati Desmosedici zum WM-Titel. Die GP7 jenes Jahres könne man laut Checa aber nicht mit den jüngsten Maschinen aus Bologna vergleichen. "Das Bike, mit dem Casey gewonnen hat, war komplett anders als das von heute. Es hatte andere Reifen und war 20 km/h schneller. Als sie das Motorrad veränderten, mochte auch er es nicht mehr", hält Checa fest.

Ducati-Pressesprecherin Heather Watson stimmt Checa zu, merkt jedoch an: "Auch ich kann mich erinnern, dass sich Casey über das Bike beschwert hat. Doch wenn Ducati keine Lösung für die Probleme fand, dann umfuhr er sie einfach." So habe Stoner "nie behauptet, dass es ein perfektes Motorrad wäre. Er sagte immer nur, dass er es am Limit fahren müsse. Doch bei Beschwerden hat ihm niemand zugehört", erläutert Watson erstaunlich offen.

Zum Ende der Saison 2010 hatte Stoner genug von der roten Diva und wechselte ins Honda-Werksteam, wo er auf Anhieb seinen zweiten MotoGP-Titel sicherstellte. In der laufenden Saison bleibt den Ducati-Werksfahrern Dovizioso und Hayden nichts anderes übrig, als auf Regen zu hoffen...

Fotoquelle: Ducati

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