Die Fahrer und Teams mussten sich an die besonderen Bedingungen anpassen

MotoGP 2013

— 23.10.2013

Bridgestone: Was auf Phillip Island schief lief

Entwicklungschef Shinji Aoki stellt im Interview klar, was zu den Problemen in Australien führte und wie man in Zukunft darauf reagieren wird

Die Reifenlieferanten hatten beim vergangenen Rennwochenende in Australien Schwierigkeiten, mit den ausgewählten Reifenmischungen über die Runden zu kommen. Besonders in der Moto2 und in der MotoGP war schnell offensichtlich, dass die volle Renndistanz mit einem Hinterreifen nicht möglich ist. Bridgestone gewährleistete lediglich zehn Runden mit einem Hinterreifen. Durch die Flag-to-Flag-Regel konnten die Zuschauer immerhin 19 Runden sehen. Bridgestone-Entwicklungschef Shinji Aoki erklärt im Interview, was genau in Australien passierte.

Frage: "Am vergangenen Sonntag fand das erste Flag-to-Flag-Rennen im Trockenen statt. Kannst du erklären, was in Phillip Island passierte?"
Shinji Aoki: "Durch den deutlich besseren Belag auf Phillip Island in diesem Jahr erhitzten sich die von uns ausgewählten Hinterreifen stark. Das beeinflusste deren Haltbarkeit. Die sehr hohe Haftung des Asphalts führte dazu, dass bei einigen Reifen die Laufflächen aufbrachen und rissig wurden. Diese Situation erwarteten wir ganz sicher nicht."

"Als klar war, dass eine komplette Renndistanz mit einem Hinterreifen nicht möglich ist, führten wir Gespräche mit der Dorna, der FIM und der IRTA, die zusammenarbeitete, um eine Lösung für das Rennen zu finden. Bedenkt man die Reifenauswahl, dann bin ich froh, wie es am Sonntag ausging. Die Zuschauer auf Phillip Island und die Fans auf der ganzen Welt konnten ein sicheres und spannendes Rennen sehen. Die Teams und Fahrer waren sehr flexibel und professionell bei der Anpassung ihrer Programme an das Flag-to-Flag-Rennen. Man muss ihnen gratulieren."

Erneute Änderung nach dem Warmup

Frage: "Ursprünglich sollte das Flag-to-Flag-Rennen über 26 Runden gehen. Doch am Sonntag wurde die Renndistanz auf 19 Runden verkürzt. Warum wurde die Renndistanz für das Rennen geändert?"
Aoki: "Die Entscheidung der Rennleitung, ein 26-Runden-Rennen zu fahren, wurde auf Grund unserer Empfehlung nach den Analysen vom Samstag getroffen, die besagten, dass man mit dem Hinterreifen nicht mehr als 14 Runden fahren sollte. Da wir uns um die Sicherheit der Fahrer sorgten, baten wir sie, mit der härteren Mischung im Warmup am Sonntag Longruns zu fahren."

"Wir wollten die Bedingungen, die sich stets ändern können, mit denen vom Vortag vergleichen. Die Analysen der Reifen aus dem Warmup zeigten, dass am Sonntag zehn Runden sicherer waren. Bei einem Stopp war eine Distanz von 19 Runden also optimal. Es schien, als ob die verbesserten Setups der Motorräder am Sonntag zu einer besseren Performance der Fahrer führten, die dadurch die Reifen stärker belasteten als am Samstag."

Frage: "Was war das Problem des neuen Asphalts auf Phillip Island?"
Aoki: "Wir wussten, dass der Kurs neu asphaltiert wurde und der Belag rauer ist. Obwohl wir deswegen spezielle Hinterreifen mit der extraharten Mischung mitgebracht haben, hat uns die verbesserte Streckenbeschaffenheit Probleme bereitet. Auch wenn wir uns die benutzten Reifen und die Telemetriedaten von den Teams noch ansehen müssen, um alle Faktoren zu betrachten, so waren es die sehr hohen Reifen-Temperaturen, die vor dem Wochenende auf diesem Kurs nicht vorhersehbar waren. Unsere Untersuchungen ergaben, dass es nicht nur die deutlich griffigere Oberfläche war, die das Problem verursachte. Das Fehlen der Bodenwellen in den Kurven führte dazu, dass die Reifen konstanteren Kontakt zum Boden hatten."

"Das führte dazu, dass die Temperaturen anstiegen. Die beste Runde im Rennen war in diesem Jahr mehr als zwei Sekunden schneller als im Vorjahr. Das zeigt, wie viel zusätzlichen Grip und Potenzial für höhere Reifentemperaturen es gab. Wir erwarteten einen Anstieg der Reifentemperaturen an diesem Wochenende und bereiteten uns darauf vor. Doch die extremen Temperaturen, die auftraten, waren weit von unseren Erwartungen entfernt."

Extraharte Mischung funktionierte nicht

Frage: "Ein extraharter Hinterrad-Slick wurde von den zwölf Prototypen im vierten Freien Training getestet. Doch er wurde nicht um Rennen verwendet. Warum?"
Aoki: "Der im vierten Freien Training eingesetzte extraharte Slick hatte keine Vorteile im Vergleich zum harten Slick, der von den Fahrern ursprünglich ausgewählt wurde. Der extraharte Reifen führte zu den gleichen Hitze-Problemen und bot weniger Haftung als der harte. Er wurde also als Option fürs Rennen zurückgezogen. Normalerweise sind härtere Mischungen hitzeresistenter. Doch das war am vergangenen Wochenende nicht der Fall. Unsere harte Mischung verhielt sich besser als die mittlere Mischung, doch der extraharte Reifen war nicht so gut wie der harte. Das scheint eine weitere Eigenheit des neuen Belags zu sein. Unsere Ingenieure untersuchen das momentan."

Frage: "Wie möchte Bridgestone solche Probleme bei zukünfitgen Rennen vermeiden?"
Aoki: "Es ist wichtig, dass wir auf dem Kurs in Phillip Island vor dem nächsten Rennen im Oktober des kommenden Jahres testen. Da Phillip Island nicht als offizielle IRTA-Teststrecke oder bei privaten Tests genutzt wird, suchen wir nach einer Lösung, wie wir vor dem Grand Prix im Oktober mit MotoGP-Piloten testen können. Dadurch könnten wir Daten sammeln, aus denen wir dann die passenden Reifen für den neuen Asphalt entwickeln."

Frage: "Wir zuversichtlich ist Bridgestone, Reifen zu bauen, mit denen die komplette Renndistanz beim Rennen im kommenden Jahr möglich ist?"
Aoki: "Jeder bei Bridgestone ist zuversichtlich, dass wir nach einem Test mit Werkspiloten auf Phillip Island Anfang des kommenden Jahres die passenden Reifen für den Kurs entwickeln können, um die komplette Renndistanz von 27 Runden zu bewältigen. Es wird eine große Herausforderung für uns, doch diese werden wir sorgfältig angehen. Reifen zu bauen, die lange genug halten, hitzeresistent sind, die benötigten Haftungslevel und das angestrebte Aufwärmverhalten haben, genießt bei den Ingenieuren des Bridgestone-Testzentrums in Japan höchste Priorität."

Fotoquelle: Yamaha

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