Hiroshi Yamada blickt zufrieden auf die MotoGP-Saison 2013 zurück

MotoGP 2013

— 12.12.2013

Bridgestone-Mann Yamada: "Eine der besten Saisons"

Birdgestone-Motorsport-Manager Hiroshi Yamada blickt auf die MotoGP-Saison 2013 zurück, die für den Japaner eine der besten aller Zeiten war

Die MotoGP-Saison 2013, die vom Zweikampf der beiden Spanier Marc Marquez und Jorge Lorenzo um den WM-Titel geprägt war, ließ sportlich betrachtet kaum zu Wünschen übrig. Für Birdgestone-Motorsport-Manager Hiroshi Yamada war es sogar eine der besten Saisons aller Zeiten, die außer der spanischen Dominanz an der Spitze für ihn noch viele weitere Highlights bereithielt. Im Interview zieht der Japaner eine positive Saisonbilanz, die nur vom Reifendebakel auf Phillip Island getrübt wird. Außerdem wirft Yamada einen Blick voraus auf 2014 und betont, wie sehr auch Straßenreifen von der Entwicklung im Motorsport profitieren.

Frage: "Hiroshi, wie würden sie die MotoGP-Saison 2013 zusammenfassen?"
Hiroshi Yamada: "Insgesamt war es eine fantastische Saison - eine der besten aller Zeiten. Alle Fahrer haben Leistungen auf sehr hohem Niveau gezeigt, und wir wurden Augenzeugen, wie Marc Rekord nach Rekord gebrochen und Jorge seinen Titel leidenschaftlich verteidigt hat. Ich denke, dadurch hat die MotoGP viele neue Fans gewonnen."

"Persönlich freue ich mich darüber, dass obwohl wir unser Hauptaugenmerk auf die Herstellung sicherer und nutzerfreundlicher Reifen gelegt haben, elf Mal Qualifying-Bestzeiten und zehn Rundenrekorde verbessert wurden. Das zeigt, welches Potenzial unsere Reifen haben. Das Jahr mit 24 Fahrern zu beginnen - das größte Feld, seit Bridgestone in die MotoGP gekommen ist - zeigt, dass die Serie wächst. Und als ich hörte, dass die Zuschauerzahl bei den Rennen in diesem Jahr die höchste aller Zeiten war, bestätigte das meine Meinung, dass die Saison 2013 eine der besten aller Zeiten war."

Frage: "Mit Blick auf die Fahrer: Welche Leistung ragte für Sie in diesem Jahr heraus?"
Yamada: "Ehrlich gesagt gab es zu viele Höhepunkte, als dass man nur einige wenige herausgreifen konnte. Marcs Dominanz beim Americas-Grand-Prix (in Austin, Anm. d. Red.) zeigte, was für ein Talent hier in die Serie gekommen ist. Jorges tapfere Leistung in Assen war eines wahren Champions würdig, und sein Rennen in Motegi war die beeindruckendste Demonstration von kontrolliertem Fahren, die ich je gesehen habe."

"Marc und Jorges Duell in Silverstone war für die Fans eine faszinierende Show. Valentinos Sieg in Assen - ich könnte noch lang so weitermachen. Dann gab es Leistungen wie die von Aleix (Espargaro), der sich in Deutschland auf Startplatz fünf qualifiziert hat, was für eine CRT-Maschine einfach beeindruckend war. Die Tatsache, dass man nicht nur wenige Höhepunkte herausgreifen kann zeigt, wie breit die Talente in der MotoGP verteilt sind. Die Zukunft des Sports sieht glänzend aus."

"Extreme Situation" auf Phillip Island

Frage: "Es gab viele Höhepunkte, aber der Grand Prix von Australien auf Phillip Island muss für Sie ein Schock gewesen sein."
Yamada: "Ja, Phillip Island war eine extreme Situation, die wir so vorher noch nie erlebt hatten. Wir wussten, dass Phillip Island für die Reifen eine fordernde Strecke ist, daher haben wir uns mit umfangreichen Simulationen auf das Rennen vorbereitet. Als wir mit der Situation konfrontiert wurden, mussten wir zwei Dinge tun. Zum einen mussten wir das beste aus den Umständen machen und sicherstellen, dass alles so reibungslos wie möglich läuft."

"Zum anderen mussten wir daraus lernen, damit sich so etwas in der Zukunft nicht wiederholt. In Anbetracht der Reifenzuweisung für Phillip Island war ich froh, dass wir mir der Rennleitung und der Dorna zusammengearbeitet haben, um die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten und den Fans eine gute Show zu präsentieren. Jetzt müssen wir eine Reifenmischung finden, die zum neuen Belag von Phillip Island passt. Den Hauptteil dieser Arbeit werden wir nach einem Test erledigen, der Anfang nächsten Jahres dort stattfindet."

Frage: "Während Ihrer langen Karriere bei Bridgestone waren sie sowohl als Einheitslieferant als auch im Wettbewerb zweier Hersteller in der MotoGP aktiv. Was war für Sie interessanter?"
Yamada: "In der Ära, in der es mehrere Reifenhersteller gab, kam sicherlich das Element des Wettbewerbs dazu, was viele Fans geschätzt haben, aber es ist schwierig zu sagen, welche Ära für die besseren Rennen gesorgt hat."

"Das derzeitig Niveau ist, wie ich schon sagte, der großen Tiefe an Talenten geschuldet. Die MotoGP ist derzeit sehr gesund, was auch ein Zeichen dafür ist, dass es in den vergangenen Jahren großartige Rennen gab. Persönlich bin ich stolz darauf, dass Fahrer auf unterschiedlichen Motorrädern, mit unterschiedlichen Fahrstilen und verschiedenen Strategien Rennen gewinnen, obwohl sie alle den selben Reifen verwenden. Das ist nicht nur ein Beleg für ihre phänomenalen Fähigkeiten, sondern zeigt auch, dass unsere Bemühungen, das Arbeitsfenster der Reifen zu vergrößern und damit die Leistung einfacher abrufbar zu machen, den Fahrern auf unterschiedlichen Motorrädern erlaubt, maximale Leistung zu entfalten."

"Diese Saison ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn man sich Marc und Jorge ansieht, so haben sie vollkommen unterschiedliche Fahrstile, fahren für verschiedene Marken und haben doch 14 Siege unter sich ausgemacht und sich viele unvergessliche Kämpfe an der Spitze des Feldes geliefert. Das Zeit, dass das Potenzial unserer Reifen auf unterschiedliche Weisen abgerufen werden kann. Das ist gut für die Meisterschaft."

Leistung der Open-Klasse höher als erwartet

Frage: "Was war der größte Fortschritt in der Reifenentwicklung, seit Sie in der Branche tätig sind?"
Yamada: "Am beeindruckendsten ist für mich zu sehen, wie sehr die Entwicklung der Reifen-Technologie in den vergangenen Jahren vorangeschritten ist. Dies ist das Ergebnis mehrere Faktoren und nicht einer einzelnen Entwicklung geschuldet. Bei der Reifenentwicklung ist es wie bei jeder anderen High-Tech-Industrie."

"Wenn man sich die einzelnen Entwicklungen isoliert voneinander ansieht, ist man vielleicht nicht sonderlich beeindruckt, aber wenn man alle Entwicklungen miteinander kombiniert, erkennt man, wie erstaunlich die positiven Veränderungen der letzten 20 Jahre sind. Und das beste daran ist: Von dieser Entwicklung profitieren letztlich die Kunden. Die Leute sprechen oft darüber, dass Technologie aus dem Rennsport wie die elektronischen Kontrollsysteme auch bei Straßenmotorrädern Einzug gehalten haben."

"Aber es ist auch wichtig zu betonen, wie sehr die Reifen-Technologie für die Nutzer auf der Straße von den Entwicklungen im Motorsport profitiert hat. Ob wir nun von der Gummimischung oder der Konstruktion reden - ein moderner Reifen eines Straßenmotorrads enthält eine Menge Technologie, und im Fall von Bridgestone wurde vieles davon auf der Rennstrecke entwickelt."

Frage: "Was dürfen wir hinsichtlich der Reifen von der MotoGP-Saison 2014 erwarten?
Yamada: "Momentan analysieren wir noch die Daten, die wird beim Test in Valencia und beim Privattest in der vergangenen Woche gewonnen haben. Es zeigt sich jedoch schon, dass die Leistung der neuen Motorräder der Open-Klasse recht hoch ist. Es wird eine Herausforderung sein, für diese Maschinen weichere Hinterreifen zu liefern, aber ich hoffe im nächsten Jahr auf einige spannenden Kämpfe zwischen den Werksmaschinen und den Open-Motorrädern."

"Während des Winters werden wir die Reifen für die Vorsaison-Tests entwickeln. Dabei wollen wir die beiden Schlüssel-Charakteristiken für die Fahrer verbessern: Das Aufwärmverhalten und eine bessere Nutzbarkeit. Außerdem werden wir den eingeschlagenen Weg bei der Entwicklung der Hinterreifen weiter verfolgen und für jede Strecke zwei verschiedene Reifenoptionen liefern, damit die Reifenwahl am Renntag variabler wird."

Fotoquelle: Bridgestone

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