MotoGP-Weltmeister Marc Marquez hat seine Jugend im Fahrerlager verbracht

MotoGP 2014

— 03.01.2014

Leben für die MotoGP: Wenn die Jugend auf der Strecke bleibt

Um im Grand-Prix-Sport erfolgreich zu sein, müssen die Nachwuchstalente ihre Jugend opfern: Experten, Fahrer und Teamchefs sprechen über das Problem

Das Alter hat im Spitzensport schon immer eine entscheidende Rolle gespielt. In der abgelaufenen MotoGP-Saison war Weltmeister Marc Marquez gerade einmal 20 Jahre alt. Bereits im Kindesalter sitzen die jungen Nachwuchstalente heutzutage auf Minibikes und werden in der Regel von hochmotivierten Vätern zum Hobby überredet, bei dem der Zwang schnell den Spaß übersteigt.

Während Klassenkameraden ihre ersten Erfahrungen mit Partys, Mädchen und Alkohol sammeln, reisen die jungen Motorradpiloten um die Welt und leben aus dem Koffer. Ein wichtiges Kapitel des Erwachsenwerdens wird einfach übersprungen. "Man hat keine normale Jugend und kann sich natürlich nicht erlauben, in Diskotheken zu gehen und ziellos vor sich hin zu wandern", bestätigt Ex-Racer Alex Hofmann im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

"Darüber muss man sich im Klaren sein. Doch die Reiserei und die Erlebnisse, die dieser Sport mit sich bringt, gleichen das aus. Die 16-Jährigen werden in diesem Umfeld sehr schnell erwachsen. Aber man muss auch auf viele Dinge verzichten", erklärt Hofmann, der das Leben im MotoGP-Fahrerlager dennoch als schönes Erlebnis einstuft: "Geil' wäre das richtige Wort, um es zu beschreiben."

Moto3-Piloten sind keine Engel

"Sie können sich nicht wie manche Gleichaltrige betrinken, sondern müssen sich auf das Geschehen auf der Rennstrecke konzentrieren", betont der Sport1-Experte. "Man kann ja trotzdem das machen, was Gleichaltrige machen. Man muss nur auf den richtigen Zeitpunkt warten. Am Freitag- und Samstagabend geht das natürlich nicht. Da ist man an der Rennstrecke, geht zeitig ins Bett und trinkt keinen Alkohol. Da hat man andere Sorgen."

"Aber es ist ja nicht so, dass alle Rennfahrer brave Engel sind", hält Hofmann fest, der seit vielen Jahren beobachtet, wie es die "jungen Wilden" nach einem erfolgreichen Rennwochenende krachen lassen "Sonntagnacht wird das kompensiert, auch wenn es sehr auf diesen einen Abend konzentriert ist", klärt der ehemalige Europameister auf. Dass es für die Teamchefs teilweise schwierig ist, die Nachwuchstalente zu kontrollieren, bestätigen Stefan Kiefer und Dirk Heidolf.

Es geht um viel Geld

"Dass es zu einer Überschneidung der Interessen kommt, ist normal. Damit müssen die Jungs umgehen", bemerkt Kiefer, der bereits mit vielen jungen Talenten zusammenarbeitete. "Letztendlich müssen sie auf ihre Arbeit fokussiert sein. Sie fahren in einer Weltmeisterschaft. Hier geht es um sehr viel - auch sehr viel Geld. Hier geht es darum, an die Spitze zu fahren. Da muss man seine persönlichen Bedürfnisse etwas zurückschrauben. Das muss man dann mit 30 vermutlich nachholen."

"Wir arbeiten jetzt schon seit 16 oder 17 Jahren mit jungen Fahrern zusammen. Da gab es einige Situationen, in denen man einen Ratschlag geben konnte. Das wurde auch angenommen. Egal ob bei Stefan Bradl oder Christian Gemmel, es gab diverse Punkte, bei denen wir helfen konnten", berichtet Kiefer, der in der Saison 2011 mit Bradl die Moto2-Weltmeisterschaft gewann.

In der abgelaufenen Saison setzte Kiefer auf Florian Alt und Toni Finsterbusch. Unterm Strich war es eine enttäuschende Saison für das Team. In der neuen Saison werden Luca Grünwald und Gabriel Ramos auf den Moto3-Maschinen des ehemaligen Weltmeister-Teams sitzen. "Es sind zwar junge Rennfahrer, aber sie sind 19 Jahre alt und haben die ganzen Nachwuchsschulen im Motorrad-Rennsport durchlaufen", analysiert der Teamchef.

"So gesehen sind sie relativ fertig. Nichtsdestotrotz muss man gemeinsam ruhig miteinander arbeiten. Man sollte am Anfang nicht zu viel erwarten, aber trotzdem mit einer gewissen Portion Druck mit den Leuten arbeiten, damit sie auch damit umgehen können", erläutert der Deutsche. Landsmann Heidolf schickt in der neuen Saison mit Efren Vazquez und John McPhee einen Routinier und einen Nachwuchspiloten ins Rennen.

Heidolf setzt auf familiäres Umfeld

Heidolf sammelte in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen mit jungen Piloten und bereitete einige erfolgreiche Piloten aus. Der Ex-Racer stuft die Arbeit mit pubertierenden Teenagern als nicht so schwer ein. "Ich würde nicht sagen, dass es schwer ist, denn wenn man sich an die Strecke rausstellt, dann sieht man wer ein Talent ist und wer keines ist. Das machen wir", bemerkt er nüchtern.

"Wir schauen einfach, ob jemand Talent hat und ob man ihn aufbauen und helfen kann. Dann setzt man sich zusammen und schaut sich den Background an. Wichtig ist auch, dass man auf freundschaftlicher Basis mit ihnen zusammenarbeitet. Man muss oftmals eine Familie hinstellen, damit sie sich wohlfühlen", erklärt der Teamchef des Racing Team Germany, der bis zur WM-Saison 2007 noch selbst auf dem Motorrad saß.

Wenn ein Fahrer einen ausgeprägten Siegeswillen hat, wird es für alle am Projekt beteiligten Personen einfacher. Scott Redding ist einer derjenigen, die ihr Leben zu 100 Prozent dem Motorradsport gewidmet haben: "Es ist der Wille, unbedingt zu gewinnen. Deswegen gehe ich an den Start", erklärt er den Kollegen von 'Bike Social'. "Es dreht sich alles ums Gewinnen."

"Egal ob man schläft, isst oder nachdenkt - alles dreht sich um den Rennsport und ums Gewinnen. Man denkt immer an das nächste Rennen und an die Vorbereitung", schildert der Brite, der bereits im Alter von 15 Jahren einen Grand Prix gewinnen konnte. "Die Vorbereitung am wichtigsten, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Beim Essen muss ich immer an meine Diät denken. Ich muss immer an mein Gewicht denken. Ich trainiere, um ein Sieger und Champion zu sein. So ist das Leben."

Fotoquelle: Repsol

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