Das Tech-3-Team von Herve Poncharal tritt als Factory-Team an

MotoGP 2014

— 24.02.2014

Poncharal über Open-Format: "Kontroversen sind positiv"

Tech-3-Teamchef Herve Poncharal verteidigt das Open-Format, obwohl seiner Mannschaft dadurch Nachteile entstehen könnten

Das neue Open-Format sorgt für viel Zündstoff. Beim ersten Sepang-Test fuhr zwar Weltmeister Marc Marquez mit der Werks-Honda alles in Grund und Boden, allerdings zeigte sich dahinter ein interessantes Bild: Die beiden Yamaha-Werksfahrer Valentino Rossi und Jorge Lorenzo folgten knapp dahinter, doch Aleix Espargaro war mit der Forward-Yamaha auf Augenhöhe. Das Open-Reglement bietet klare Vorteile gegenüber den Factory-Regeln. Wie würden die Yamaha-Bosse reagieren, wenn Espargaro im Rennen vor Rossi und Lorenzo wäre?

Prinzipiell verwendet Forward-Yamaha die letztjährigen Motorräder von Tech 3 und genießt die Vorteile des Open-Reglements. Das wären mehr Kraftstoff, mehr Motoren pro Saison und weichere Hinterreifen. Im Gegensatz dazu muss die Einheitssoftware von Magneti Marelli verwendet werden. Außerdem hat Forward nicht das Schnellschaltgetriebe zur Verfügung. Es steht in den Regeln aber nicht geschrieben, dass Forward dieses Getriebe nicht verwenden darf.

Zudem gibt es noch einen weiteren Unterschied: Bei den Factory-Teams ist die Motorentwicklung eingefroren, bei den Open-Teams nicht. Yamaha könnte theoretisch die Motorentwicklung im Forward-Team vorantreiben. In Malaysia fuhren Espargaro und Colin Edwards mit einem Yamaha-Rahmen. Eigentlich sollte FTR das Chassis bauen, doch die Briten wurden nicht rechtzeitig fertig. Angeblich soll im Laufe des Jahres das FTR-Material kommen.

Aber nicht nur das Yamaha-Werksteam könnte auf der Strecke in arge Bedrängnis durch die Forward-Jungs kommen. Tech 3 hatte zumindest beim Sepang-Test keine Chance gegen Espargaro. Allerdings muss Herve Poncharal deutlich mehr für seine M1 nach Factory-Reglement auf den Tisch legen, als Giuvanni Cuzari für die M1 nach Open-Format. Auf den ersten Blick steht Tech 3 mit dem Rücken zur Wand.

Poncharal sieht die Situation nicht problematisch und stellt sich hinter Yamaha und den Sport: "Ich bin sehr glücklich mit Yamaha und habe einen Vertrag für die nächsten beiden Jahre. Ich fühle mich gut. In der MotoGP gibt es jetzt viele Veränderungen", so der Franzose. Dass derzeit viel über das Open-Format diskutiert wird, sieht er nicht negativ: "Es ist aufregend, denn es hat schon viele Debatten und Kontroversen ausgelöst. Wenn es Kontroversen gibt, dann sprechen die Leute über die MotoGP. Das ist also perfekt."

"Das Konzept der Open-Klasse bringt neue Gesichter und Teams an die Spitze. Wenn man zum Beispiel Forward nimmt, dann waren sie im Vorjahr weit hinten. Sie bekamen von den Medien keine Aufmerksamkeit. Dank der Yamaha-Unterstützung haben sie einen Fahrer von Espargaros-Kaliber bekommen. Das ist eine gute Sache. Mit ihrem Paket, diesem Fahrer und Colin werden sie bessere Resultate erreichen. Das hilft ihnen bei der Sponsorensuche."

Open-Format macht das Feld konkurrenzfähiger

Deshalb sieht Poncharal, der auch Präsident der Teamvereinigung IRTA ist, das neue Reglement positiv: "Die Open-Klasse wird das Feld konkurrenzfähiger machen. Das wollen wir alle. Wir wollen mehr Leute an der Spitze. Es sollen nicht immer die gleichen drei oder fünf Fahrer vorne sein, denn das macht den Sport nicht aufregend. Aus dieser Sicht ist es eine gute Sache." Allerdings könnte das Tech-3-Team auf der Strecke nur noch die dritte Yamaha-Mannschaft sein.

Sollte auch Ducati in das Open-Format wechseln, könnte sich für Tech 3 im negativsten Fall eine schwierige Saison anbahnen. Poncharal sieht es aber entspannt: "Innerhalb der Yamaha-Familie bin ich sehr glücklich. Natürlich müssen wir die Entwicklung der Regeln bedenken. Das Werksteam und Tech 3 werden als Factory-Teams antreten. Über den Winter haben wir gut am Benzinverbrauch gearbeitet. Wenn man sich die Rundenzeiten ansieht und sieht, um wie viel weniger Sprit wir verbrauchen, dann ist es unglaublich. Das zeigt auch, dass der Motorsport für die Serienentwicklung relevant ist. Was sie bei der Elektronik, der Einspritzung und der Schmierung lernen, ist wirklich für die Zukunft."

Die Entwicklung der Forward-Yamaha wird in den kommenden Monaten spannend zu beobachten sein. Theoretisch könnte Yamaha die Motoren des Open-Bikes weiterentwickeln und das Seamless-Getriebe einsetzen. Der einzige Unterschied zur Werks-M1 bestünde dann nur noch in der Software. Yamaha könnte auf diese Art überprüfen, ob für 2015 ein Wechsel des Werksteams ins Open-Format erfolgsversprechender wäre.

"Die Ingenieure können vergleichen, wie gut oder schlecht die Einheitssoftware ist", weiß auch Poncharal. "Wenn wir einen Vergleich ziehen: Bei der Factory-Spezifikation besteht der Vorteil in der hochentwickelten Elektronik. Die Handicaps liegen bei 20 statt 24 Litern Kraftstoff, weniger Motoren und den härteren Reifen. Auf der anderen Seite besteht das Handicap nur bei der Software. Ich glaube, dass Yamaha sehen kann, wie groß oder klein das Handicap ist. Für die Zukunft werden sie in einer viel besseren Position für eine Entscheidung sein, da sie sich jetzt mit dem Open-Format beschäftigen."

Fotoquelle: Tech 3

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