Honda hat im vergangenen Jahr alle drei WM-Titel gewonnen

MotoGP 2014

— 24.02.2014

Wie ernst ist Hondas Ausstiegsdrohung wirklich?

HRC-Vizepräsident Nakamato hat im Zuge der Regeldiskussionen schon mehrmals mit Ausstieg gedroht - Renndirektor Mike Webb glaubt nicht, dass das passieren wird

Vor allem Honda verteidigt seit Jahren die eigene Elektronik in der MotoGP. Die Entwicklung ist für den Motorradgiganten so wichtig, dass HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto mit Ausstieg droht, sollte auch die Software vorgeschrieben werden. Außerdem schimpfte der Japaner über die Hardware von Magneti Marelli, denn sie sei nicht so leistungsfähig wie die Honda-ECU und die Analysetools seien eine große Investition. Klar ist, dass in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte bei der Elektronik erzielt wurden.

Honda und Yamaha hüten ihre Erkenntnisse wie Staatsgeheimnisse. Die Softwareentwicklung ist den beiden Werken so wichtig, dass sie sich mit dem Open-Format auf einen Kompromiss einigten und Gefahr laufen von Kundenmotorrädern überholt zu werden. Doch wie ernst ist Nakamotos Drohung mit einem Ausstieg wirklich? "Ich weiß es nicht. Ich nehme aber alles ernst, was Nakamoto sagt, denn er ist ein seriöser Mann", sagt MotoGP-Renndirektor Mike Webb bei 'MotoMatters.com'.

"Vielleicht hat er die Entscheidung schon getroffen, dass sie aussteigen, wenn es (die Einheitssoftware; Anm. d. Red.) kommt." Honda unterstützt das neue Open-Format mit der RCV1000R, obwohl ein ganz anderer Ansatz gewählt wurde als bei Yamaha und Ducati. Die Forward-Yamaha entspricht praktisch einem Prototypen und für Yonny Hernandez wurde eine GP13 mit der Einheits-Elektronik ausgestattet. Das aktuelle Elektronik-Reglement ist bis 2017 gültig.

Beim Kompromiss zwischen Factory- und Open-Reglement ist für die Hersteller das Kraftstofflimit von 20 Litern für die Renndistanz und eben die Software von Bedeutung. Für die Ingenieure ist das Benzinlimit ein Anreiz, dessen technische Erkenntnisse auch in die Serienentwicklung überfließen. Deswegen bekräftigte Nakamoto bereits, dass eine Rückkehr zu 24 Litern (wie es im Open-Format erlaubt ist) für Honda aus technischer Sicht uninteressant wäre.

Es wird der beste Kompromiss gesucht

Am Verhandlungstisch wird "gefeilscht", wie Webb bekräftigt: "Die Dinge werden am Tisch verhandelt, bis man einen Kompromiss findet, mit dem jeder leben kann. Ich bin zuversichtlich, dass das auch so sein wird. Viele Leute fragen mich nach der Möglichkeit, dass Honda aussteigt. Es gibt aber die Chance, dass jeder aussteigt. Das wollen wir nicht sehen und unternehmen alles, um es zu verhindern. Es gibt also keine Konfrontationen, sondern Verhandlungen."

Welche Konsequenzen würde es für die MotoGP haben, wenn Honda tatsächlich aussteigen sollte? Könnte die MotoGP überleben? "Vor zwei Jahren hätte ich nein gesagt, aber jetzt glaube ich, dass wir es können", meint Webb bestimmt. Mit Hilfe des Open-Formats hat sich ein konkurrenzfähiges Feld entwickelt. Deshalb kann laut Webb die MotoGP im nächsten Jahr "definitiv" ohne Honda überleben. "Es gibt genug Leute, die Motorräder bauen. Es wäre aber so, wie wenn man einem ein Bein abschneidet. Man kann überleben, aber man würde nicht mehr so gut funktionieren. Man will nicht, dass das passiert."

Honda ist in der Motorrad-WM stark vertreten. Auch 2014 werden vier Werksmotorräder an den Start gehen, dazu kommen vier Production-Racer. In der Moto2 stellt Honda die Einheitsmotoren und in der Moto3 will Honda mit einem Werksengagement die KTM-Vorherrschaft brechen. Vor allem mit dem Production-Racer unterstützt Honda das neue Reglement und will kostengünstige Motorräder für Kunden anbieten, auch wenn der angepeilte Preis von einer Million Euro pro Jahr derzeit nicht gehalten werden kann.

"Ich bedanke mich bei Nakamoto und Honda für die Entwicklung dieses Motorrades", so Webb. "Ich hoffe, dass wir sie so lange wie möglich sehen werden, damit sie dieses Motorrad so wie die Werks-Bikes weiterentwickeln. Wir müssen nur ein bis zwei Details klären, damit alle glücklich sind und weiter Rennsport betreiben. In allen drei Klassen setzt sich Honda für den Rennsport ein. Wir haben nur kleine Differenzen und bin deshalb optimistisch."

Fotoquelle: Repsol

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