Hat Ducati das komplette Elektronikwissen an Magneti Marelli weitergeleitet?

MotoGP 2014

— 06.03.2014

Darf Ducati doch nicht zum Open-Format wechseln?

Große Verwirrung: Zwei Wochen vor dem Saisonstart möchte Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta die Open-Regel für die neue Saison noch einmal anpassen

Ducatis Entscheidung, 2014 unter der neuen Open-Regel zu starten, hat bei Honda und Yamaha wenig Freude erzeugt. Besonders Honda wetterte gegen den strategisch klugen Zug der Italiener und kritisierte, dass es mit dem ursprünglichen Gedanken der Open-Idee überhaupt nichts mehr zu tun hat. Anstatt ein kostengünstiges Format zu schaffen, hat nun ein Hersteller ein Schlupfloch im Reglement zu seinem Vorteil ausgelegt und ist dadurch zu einer ernsten Gefahr geworden.

Zusätzliche Würze bringen Gerüchte über einen möglichen Datentransfer ins Spiel. Es wird behauptet, Ducati habe die Werkssoftware an Haus-und-Hof-Lieferant Magneti Marelli weitergereicht, um die Nachteile durch die Verwendung der Einheitssoftware auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Beleg für dieses Gerücht ist die Einführung der neuen Einheits-Elektronik-Spezifikation beim zweiten Sepang-Test.

Magneti Marelli präsentierte stolz eine neue Ausbaustufe, die sich in Hardware und Software deutlich von der bisherigen Version unterscheidet und viel komplexer ist. Um das Potenzial dieser neuen Elektronik zu nutzen, braucht man aber ein gut aufgestelltes Team. Ob die Privatteams die Möglichkeiten der neuen Software in eine bessere Performance umsetzen können, darf angezweifelt werden.

Ezpeleta muss handeln

Hinter den Kulissen der MotoGP herrscht momentan gereizte Stimmung. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta möchte nun reagieren und die Open-Nennung von Ducati überdenken. Auch die Verwendung der neuen Magneti-Marelli-Einheitssoftware steht auf der Kippe. Laut 'AS.com' plant der Spanier eine Factory-2-Klasse. Bis zum 11. März möchte das MotoGP-Oberhaupt entscheiden, welche Einschränkungen es in dieser Klasse geben wird.

Denkbar wäre, dass die Teams bei regelmäßigen Top-3-Platzierungen bestraft werden und bei den folgenden Rennen weniger Sprit erhalten. Auch der Vorteil der weichen Open-Reifen könnte bei "zu guten Ergebnissen" verloren gehen. Die Teamvereinigung IRTA und die Herstellervereinigung MSMA müssen sich bis Ende nächster Woche klar werden, wie das finale Reglement der neuen Saison aussehen soll.

Wie neutral Einheitselektronik-Lieferant Magneti Marelli tatsächlich ist, wird momentan in Frage gestellt. Bereits vor der neuen Saison lieferten die Italiener die Hardware für Yamaha und Ducati. "Es war aber nicht die gleiche Hardware, die nun alle verwenden müssen", stellt MotoGP-Technikdirektor Corrado Cecchinelli gegenüber 'Crash.net' klar. "Auch wenn Marelli der Lieferant und Hersteller der ECUs war, wurden die ECUs individuell für Ducati und Yamaha hergestellt. Es gab eine Vertraulichkeitsvereinbarung."

Wie neutral ist Magneti Marelli?

Doch was ist dran an den Gerüchten, Magneti Marelli hätte die Ducati-Werkssoftware verwendet, um die Open-Software zu verbessern? "Natürlich wird unsere Software mehr oder weniger eng mit der von Ducati verwandt sein", bemerkt Cecchinelli. Dass involvierte Hersteller Einfluss auf die Software haben, ist für den MotoGP-Technikdirektor nicht nur normal sondern erwünscht: "Alle Hersteller, die an der Open-Klasse teilnehmen, haben bereits Wünsche geäußert."

Die Hersteller stehen also vor einer Entscheidung, die gut überlegt sein muss: Gebe ich wertvolle Daten weiter, die teilweise extrem hohe Entwicklungskosten verschlungen haben, oder halte ich mich zurück und habe dadurch einen Performance-Nachteil? Die Dorna wünscht sich, dass alle Hersteller in Zukunft ihre Elektronikentwicklung aufgeben und auf die Einheits-Software setzen. Besonders bei Honda kommt diese Idee überhaupt nicht gut an.

Ein Transfer der wertvollen Erfahrungen kommt für die Japaner nicht in Frage. Magneti Marelli hingegen ist jederzeit offen für Vorschläge: "In diesem Fall würden sie uns die Logik ihrer Strategie erklären und wenn wir denken, dass es besser ist als unsere Idee, werden wir die Arbeitsweise anpassen. Jeder, der die Open-Software verwendet, kann das in diesem Fall verwenden."

Dass die Weitergabe dieser wertvollen Daten nicht nur Vorteile hat, ist MotoGP-Technikdirektor Cecchinelli bewusst: "Natürlich teilt man den Vorteil mit den anderen Mitstreitern, doch es sollte dennoch ein Vorteil sein, weil man nach etwas gebeten hat, mit dem man besser vertraut ist als der Rest."

Fotoquelle: Ducati

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