Bridgestone wird sich Ende 2015 aus der MotoGP zurückziehen

MotoGP 2014

— 01.05.2014

Fahrerstimmen: Bridgestone-Ausstieg bereitet Sorgen

Die Fahrer sind wenig begeistert über den Ausstieg von Bridgestone Ende 2015 - Auf den neuen Reifenpartner wartet eine große Herausforderung

Die Dorna muss einen neuen Reifenpartner für die MotoGP finden. Bridgestone beendet das Engagement Ende 2015. Obwohl die Fahrer oft öffentlich Kritik an den Reifen üben, hinterlässt die Rückzugsankündigung ein mulmiges Gefühl. Der Tenor war eindeutig: Bridgestone hat sich in den vergangenen Jahren auf ein Level gearbeitet, das für einen anderen Hersteller schwierig zu erreichen werden wird. Deshalb könnte sich die MotoGP im Jahr 2016 mit einem neuen Reifenpartner komplett verändern.

"Eine große Überraschung", sagt Valentino Rossi über die Ankündigung von Bridgestone. "Ich persönlich bin traurig, für mich sind es schlechte Nachrichten. Jeder versucht immer die besten Reifen herzustellen, aber die Qualität der Bridgestone-Reifen ist sehr hoch, und ich bin mir nicht sicher, ob ein anderer Hersteller das gleiche Level erreichen kann", sagt der erfahrene Superstar klar. Als Rossi im Jahr 2000 in die 500er-WM aufgestiegen ist, war Michelin der Reifenpartner.

2008 machte der Italiener Druck für einen Wechsel zu Bridgestone. Sein Teamkollege Jorge Lorenzo fuhr damals noch mit Michelin, weshalb die berühmte Trennwand in der Yamaha-Box aufgestellt wurde. Sollte Rossi seinen Vertrag um zwei Jahre verlängern, müsste er in seinem letzten WM-Jahr mit neuen Reifen fahren. Es wäre zum Abschluss seiner langen Karriere eine große Veränderung.

"Wenn sich die Reifen ändern, dann wird sich unser Sport 2016 ziemlich verändern, denn wenn man die Reifen wechselt, dann bedeutete das, dass sich das Motorrad ziemlich verändert, und dass man vor allem seinen Fahrstil anpassen muss", sagt Rossi klar und deutlich. "Ich denke es steht noch nicht fest, ob es dann nur einen Hersteller geben wird oder mehrere. Zu Beginn war ich mit der Einheitslösung sehr zufrieden, aber die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ein Hersteller Vor- und Nachteile mit sich bringt. Es wird interessant sein."

Ob es 2016 wieder zu einem Reifenkrieg kommen wird, oder die Dorna nur einen Hersteller bevorzugt, ist offen. Die Dorna hat im Moment einen Aufruf an Reifenhersteller gemacht, die sich bei Interesse melden sollen. "Ich mache mir etwas Sorgen, denn das letzte Mal, dass ich ein MotoGP-Motorrad ohne Bridgestone-Reifen verwendet habe, war 2007", blickt Rossi zurück. "Als wir danach zu Bridgestone wechselten, war das ein großer Schritt nach vorne."

"Aus diesem Grund denke ich, dass es für andere Hersteller schwierig werden wird, das gleiche Level wie Bridgestone zu erreichen. Es ist kaum möglich, dass ein Reifen mit allen Motorrädern gut funktioniert. Ein Reifen bietet einem Motorrad einen Vorteil und einem anderen dafür einen Nachteil. Ich denke, dass die Rundenzeiten und der Rhythmus, den wir momentan sehen, mit anderen Reifen schwierig zu erreichen sein werden."

Fahrer loben Bridgestone

Als 2009 schließlich auch Lorenzo zu Bridgestone wechselte, nahm seine Sturzzahl deutlich ab. "Vor allem der Vorderreifen von Bridgestone hat eine sehr gute Performance", lobt der Spanier. "Nach dem Wechsel von Michelin zu Bridgestone habe ich gleich gemerkt, dass der Vorderreifen unglaublich war. Wir hatten zu Beginn Probleme die Reifen aufzuwärmen, aber Bridgestone hat gute Arbeit geleistet. Damit war ich sehr zufrieden. Wenn sie jetzt aufhören, dann müssen wir mit einem anderen Reifen fahren. Ich hoffe, dass der neue Hersteller auf die Fahrer hören wird, und dass wir die Reifen bekommen, die wir haben wollen."

Auch Honda zog damals nach und wechselte von Michelin zu Bridgestone. Dani Pedrosa wechselte im Laufe der Saison 2008 den Reifenpartner, was ein ungewöhnlicher Schritt war, aber auf Druck von Honda passierte. "Wir können die Reifen gut aufwärmen, die Performance ist gut, sie halten lange und sind sicher", lobt Pedrosa die aktuellen Bridgestone-Reifen. "Wir haben gesehen, dass es Zeit braucht, bevor der Reifen eine gute Performance liefert und sicher und schnell ist."

"Natürlich wird es zu Beginn für Fahrer und Teams eine große Umstellung sein. Das Wichtigste ist, dass der Reifen sicher wird, denn die Geschwindigkeit ist sehr hoch, und manche Strecken haben einen sehr aggressiven Asphalt." Sein Honda-Teamkollege Marc Marquez ist in der MotoGP bisher nur mit Bridgestone gefahren. Auch der Weltmeister sieht den Umstieg auf einen neuen Reifenpartner problematisch.

Bridgestone-Reifen bieten Sicherheit

"Es wird natürlich schwierig werden, denn Bridgestone hat viele Jahre gebraucht, um dieses Level zu erreichen. Wenn ein neuer Hersteller kommt, dann wird es schwierig werden, denn wir wissen noch, welche Probleme Bridgestone zu Beginn 2008 oder 2009 hatte", unterstreicht Marquez die lange Entwicklungszeit. "Damals sahen wir viele Stürze und jetzt ist es viel besser."

"Natürlich ist es niemals perfekt für einen Fahrer, aber es wird für die Hersteller ein großes Problem sein, die Motorräder an die neuen Reifen anzupassen." Wenn der neue Reifenpartner kommt, steht den Teams auch viel Arbeit ins Haus. Das Motorrad muss nicht nur auf die neuen Reifen angepasst werden, es müssen die neuen Reifen auch getestet werden. Die Fahrer müssen sich zusätzlich umstellen und einem neuen Produkt vertrauen.

"Wenn sich die Reifen verändern, dann ändert sich alles", betont Andrea Dovizioso diesen entscheidenden Schritt. "Man muss wieder die Reifen testen, denn die Reifen haben einen größeren Effekt auf die Motorräder. Der Hersteller muss die Reifen für die Motorräder anpassen, damit wird man schneller. Es ist aber für alle gleich. Es ist sehr wichtig, dass sich der Reifen an das Motorrad anpasst. Deshalb ist es egal, was man sich vom Reifen wünscht. Wenn der Reifen mit deinem Motorrad nicht funktioniert, ist es egal wie er hergestellt ist."

Crutchlow relativiert die Kritik der Fahrer

Ein neuer Hersteller würde vor großen Herausforderungen stehen. Seit 2009 sind die MotoGP-Motorräder nicht mit anderen Reifen als von Bridgestone gefahren. Die Japaner hüten ihre Reifen wie Staatsgeheimnisse. Alte Reifen werden nicht einmal als Ausstellungsstücke hergegeben. Es geht dabei nicht so sehr um die Mischungen selbst, sondern um den Aufbau der Reifen. Darin liegt das große Geheimnis.

"Ich bin in dieser Meisterschaft nur die Bridgestone-Reifen gefahren, also habe ich keinen Vergleich", meint Cal Crutchlow. "Als Fahrer will man immer mehr. Das ist das Problem. Wir sagen immer, dass es hier ein Problem gibt, oder dass man sich da noch verbessern muss. Aber wir sagen nie, dass es perfekt ist. Also wird es für den neuen Hersteller sehr schwierig sein. Wenn es eine Sache gibt, die meiner Meinung nach helfen könnte, dann wäre das ein Intermediate-Reifen für Bedingungen, bei denen es keinen Sinn macht, mit den Regenreifen rauszugehen."

"Unsere Motorräder haben so viel Leistung, dass wir diese Reifen nehmen müssen, obwohl die Strecke zur Hälfte trocken ist. Aber andererseits ist es zu gefährlich mit den Slicks rauszugehen, wenn die Hälfte der Strecke nass ist. Das wäre eine Sache. Aber ich denke, dass Bridgestone einen guten Job gemacht hat." Im Fahrerlager wurden Michelin, Pirelli und Dunlop als mögliche Alternativen genannt.

Wer wird 2016 Nachfolger?

Dunlop rüstet die Klassen Moto2 und Moto3 aus. Pirelli ist in der Superbike-WM aktiv. Michelin ist in der Langstrecken-WM vertreten und in der Spanischen Moto2-Meisterschaft. Crutchlow fuhr im Jahr 2010 in der Superbike-WM Pirelli und ist der Meinung, dass diese Reifen nicht für die MotoGP geeignet sind. "Diese Reifen haben keine Konstanz. Pirelli wäre für alle Fahrer die letzte Wahl. Sie könnten mit ihren Reifen nicht mit der MotoGP umgehen", stellt Crutchlow den Italienern ein vernichtendes Zeugnis aus.

"Ihre Reifen würden auf der Geraden auseinanderbrechen und am Kurvenausgang delaminieren. Ihre Karkassen kann man mit der Hand eindrücken. Ich glaube nicht, dass Pirelli die Reifen von der Superbike-WM für uns anpassen würde. Wir brauchen konstante Reifen. Es müssen auch alle mit dem gleichen Reifen fahren. Ansonsten würde jeder im ersten Jahr sagen, dass der Gegner mit anderen Reifen fährt."

"Wir schimpfen zwar immer über Bridgestone und ich musste in Austin im Rennen sogar den Reifen wechseln, aber das passiert nicht immer. In der Superbike-WM gewinnt man ein Rennen und am nächsten Wochenende wird man 14. Das ist nicht fair. Hier ist das nicht der Fall." Nun beginnt die Suche nach einem neuen Reifenhersteller. Bis zum 22. Mai können interessierte Hersteller ein erstes Angebot an die Dorna schicken.

Fotoquelle: Bridgestone

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