Jorge Lorenzos magere Bilanz: 45 Punkte, ein Podium und lediglich WM-Fünfter

MotoGP 2014

— 19.05.2014

Lorenzo: Was sind die Gründe für die Formkrise?

Erst ein Podestplatz in fünf Rennen und 80 Punkte Rückstand: Die Konkurrenten analysieren das Formtief von WM-Herausforderer Jorge Lorenzo

Yamaha-Werkspilot Jorge Lorenzo zählte nach dem starken finalen Saisondrittel im Vorjahr zu den großen Favoriten für den Titel in der Saison 2014. Doch der Weltmeister von 2010 und 2012 erlebte aber keinen guten Start in die neue Saison. Die beim zweiten Wintertest eingeführten Pneus von Bridgestone harmonierten überhaupt nicht mit dem Fahrstil des Spaniers. Teamkollege Valentino Rossi kam viel besser mit den 2014er-Reifen zurecht. Der Druck war bereits vor dem Saisonstart hoch.

Und Lorenzo machte Fehler: Beim Saisonauftakt in Katar schoss der Yamaha-Pilot an die Spitze und versuchte, durch eine starke Startphase dem Feld zu entkommen. Doch bereits in der ersten Runde verlor der Vizeweltmeister das Vorderrad seiner Yamaha M1 und stürzte. Konkurrent Marc Marquez sicherte sich hingegen 25 Punkte für den Sieg. Und auch beim zweiten Rennen zeigte Lorenzo Nerven: In Austin startete der Spanier viel zu früh und ruinierte sich sein Rennen bereits vor der ersten Kurve.

In Argentinien folgte der erste Podestplatz der Saison. Doch der Rückstand auf WM-Leader Marquez wuchs weiter an. Es folgte Jerez - ein Kurs, auf dem Marquez bisher Probleme hatte. Doch das änderte sich bei der diesjährigen Auflage: Marquez fuhr den vierten Sieg in Folge ein, Lorenzo wurde von Dani Pedrosa und Teamkollege Rossi geschlagen und verpasste das Podium vor den heimischen Fans deutlich.

Und auch beim Rennwochenende in Le Mans blieb Lorenzo blass: Startplatz sechs und Platz sechs im Rennen - viel zu wenig für den ambitionierten Ex-Champion. Auch wenn es lediglich sieben Sekunden waren, die Lorenzo im Rennen verlor, war es die Art und Weise, wie der Perfektionist vergangener Tage im Rennen unterging. Weder in der Startphase noch im weiteren Rennverlauf konnte der Yamaha-Werkspilot Impulse setzen.

Lorenzo: Viele Probleme in Le Mans

Laut Lorenzo gab es mehrere Ursachen für das schwache Abschneiden in Frankreich. So trauert er in erster Linie einem Startplatz in der ersten Reihe nach. Aus der zweiten Reihe war es für Lorenzo schwierig, zu Beginn sein Tempo umzusetzen. Aus der ersten Reihe wäre es einfacher gewesen. Zudem waren die Setup-Änderungen, die Lorenzo im Warmup erarbeitete, nicht optimal. Und auch mit seiner eigenen Leistung ist er unzufrieden.

"Ich fuhr schlechter als im Training. Deswegen war ein besseres Ergebnis nicht möglich", bemerkt Lorenzo nüchtern. "Ich hatte mit hier vom Qualifying und vom Rennen mehr erwartet, weil mein Tempo in den Trainings sehr gut war. Mein Start war nicht so schlecht, aber ich konnte in den ersten Runden niemanden überholen. Ich fuhr auch nicht so ein hohes Tempo. Ich versuchte es, hatte aber kein Glück."

"Die Reifen sind unser größtes Problem. Ich versuche, meinen Fahrstil umzustellen und bekomm das allmählich in den Griff. In den Trainings sind wir näher dran, doch bei den vergangenen Rennen konnten wir unser Potenzial nicht in den Rennen zeigen", analysiert der Yamaha-Werkspilot. "Ich beendete die vergangenen Rennen, ohne Fehler zu machen. Doch ich war nicht schnell genug, um aufs Podium zu fahren, was mir in Argentinien gelang."

Den immer größer werdenden Druck macht Lorenzo nicht verantwortlich: "Da ich die WM bereits gewinnen konnte, spüre ich keinen Druck", stellt der Spanier klar, der hofft, beim anstehenden Rennwochenende in Italien weiter vorne zu landen. Im Vorjahr gewann Lorenzo das Rennen auf dem flüssigen Kurs in Mugello. "Ich hatte für Jerez große Hoffnungen. Und auch für Le Mans war ich optimistisch. Nun hoffe ich, dass es in Mugello besser läuft", so der 31-malige MotoGP-Sieger.

Durcheinander bei Yamaha: Rossi deutlich vor Lorenzo

Teamkollege Rossi gibt bei Yamaha momentan klar den Ton an, auch wenn er in der laufenden Saison ebenfalls Höhen und Tiefen erlebte. Ohne das Reifenproblem hätte der Italiener in Austin auf dem Podium gestanden. In Argentinien verhinderte ein etwas optimistischer Stefan Bradl einen möglichen Podestplatz. Dem stehen drei Podestplätze gegenüber. Momentan liegt Rossi auf Position drei der Fahrerwertung und hat nur noch zwei Punkte Rückstand auf Honda-Werkspilot Pedrosa.

"Ich verstehe Jorge ein bisschen, weil ich mich persönlich in einer anderen Situation befinde", grübelt Rossi und analysiert, warum Teamkollege Lorenzo hinter den Erwartungen bleibt: "Für mich ist es in Ordnung, wenn ich aufs Podium fahre und hinter Marc ins Ziel komme. Ich kann versuchen, mit ihm zu kämpfen, bin dabei aber sehr entspannt. Bei Jorge sieht es anders aus, weil er gewinnen möchte."

"Lorenzo zeigte im vergangenen Jahr Rennen, die beeindruckend waren - die besten seiner Karriere -, auch wenn er nicht die Meisterschaft gewann", blickt Rossi zurück. "Marc hat in diesem Jahr mehr Erfahrung und fährt entsprechend. Die Honda ist momentan ein bisschen besser als die Yamaha. Für Jorge ist es ein bisschen frustrierend, weil er weiß, dass es nahezu unmöglich ist. Er möchte nicht Zweiter werden. Er ist nicht zufrieden. Vielleicht hat er deshalb einige Probleme."

Marquez: Lorenzo genießt das Fahren nicht

WM-Leader Marquez reist mit der Maximalpunktzahl von 125 Zählern nach Mugello, wo er im Vorjahr stürzte. Bisher konnte der amtierende Weltmeister nicht gestoppt werden. Lorenzo konnte die Siege des Spaniers bisher nicht gefährden. Für Marquez ist klar, was das Problem ist: "Wenn man schnell sein möchte, muss man Spaß haben beim Fahren. Valentino genießt das Fahren momentan sehr. Wenn man es genießt, dann ist man schneller", erklärt der Honda-Pilot.

"Es scheint, als ob Lorenzo ein bisschen zu kämpfen hat. Ich erwarte aber, dass er einen Weg findet und das Fahren wieder genießen wird. Dann wird er schnell sein. Doch solange er das Fahren nicht genießt, ist das unmöglich", betont Marquez, der nach den ersten fünf Saisonrennen 80 Punkte vor Lorenzo liegt.

Fotoquelle: FGlaenzel

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