Unterschiedliche Fahrstile: Pol Espargaro und Valentino Rossi am Kurvenausgang

MotoGP 2014

— 24.06.2014

Quer beim Anbremsen: Der wilde Moto2-Stil wird salonfähig

Marc Marquez und Pol Espargaro etablieren den spektakulären Moto2-Stil auch in der Königsklasse: Hat der sanfte und runde Jorge-Lorenzo-Stil ausgedient?

Nach anfänglicher Skepsis hat sich die Moto2 als gute Ausbildungsstätte für die MotoGP erwiesen. Marc Marquez, Stefan Bradl aber auch Pol Espargaro konnten sich in der Königsklasse gut zurechtfinden. Zudem haben die MotoGP-Aufsteiger teilweise ihren spektakulären Fahrstil beibehalten. Marquez und Espargaro sind gute Beispiele, dass der Moto2-Stil auch in der MotoGP schnell sein kann.

Dabei hatte vor allem Tech-3-Pilot Espargaro nach den ersten Rennen der Saison seine Zweifel: "Die Verantwortlichen von Yamaha haben mir beim Test in Jerez gesagt, dass es nicht die ideale Art und Weise ist, die Yamaha zu bewegen. Ich kommentierte, dass es mein Fahrstil sei. Vielleicht ist es aber nicht ideal für die Yamaha. Wir haben nach einem Kompromiss gesucht und uns darauf geeinigt, dieses Thema bis zur Sommerpause zu beobachten. Ich wollte meinen Stil beibehalten. Doch wenn es nicht funktioniert, würde ich zum Yamaha-Stil wechseln. Damit waren die Verantwortlichen zufrieden."

"Es scheint, als ob es nicht die perfekte Art und Weise ist, doch es ist ziemlich effektiv", analysiert der Yamaha-Pilot, der seine M1 am Kurveneingang gern im Moto2-Stil quer anstellt. "Ich denke, dass ich dadurch in Le Mans Vorteile hatte. Es hilft beim Bremsen und Einlenken. Für mich ist es so einfacher als mit dem Fahrstil, den Jorge (Lorenzo; Anm. d. Red.) anwendet. Er fährt sensationelle Kurvengeschwindigkeiten, doch auf der Bremse machen wir Zeit auf ihn gut."

Der MotoGP-Stil ändert sich

Die Yamaha-Werkspiloten haben sich in den vergangenen Jahren perfekt auf die Charakteristik der M1 eingestellt. Valentino Rossi galt immer als sehr sanfter Pilot. Doch auch der Italiener hat seinen Fahrstil inzwischen angepasst. Im Winter arbeitete der "Doktor" an seiner Körperhaltung. So wild wie Espargaro fährt Rossi aber nicht. "Wenn man viel Motorbremse verwendet, sind die Kurvengeschwindigkeiten niedriger als bei Jorge und Vale. Wir machen am Kurveneingang Zeit gut, verlieren aber momentan im Scheitel und am Ausgang", vergleicht der amtierende Moto2-Weltmeister, der seinen Fahrstil noch perfektionieren möchte.

Die Moto2 hat die MotoGP zweifellos verändert. "Man kann das so sagen", bestätigt Espargaro. "Dazu braucht man sich nur Marc ansehen, wenn er fährt. Er fährt die Honda wie eine Moto2-Maschine. Es scheint, als ob der Moto2-Stil in der MotoGP funktioniert. Doch das ist nicht bei allen Motorrädern der Fall. Bei der Honda ist es einfacher, so aggressiv zu fahren. Bei der Yamaha ist es schwieriger. Mit der M1 muss man sanfter umgehen, doch ich denke, man kann auch schnell sein, wenn das Motorrad etwas unruhig ist."

"In der Moto2 steuern alle Fahrer die Kurven quer an, weil es in dieser Klasse einfacher ist. In der MotoGP ist es schwieriger", erklärt Marquez, der inzwischen einen guten Kompromiss gefunden hat. "Wenn man sich am Kurveneingang Fehler erlaubt, stürzt man. Wenn man zu sehr rutscht oder die Hinterradbremse zu sehr betätigt, kann man Stürze nicht mehr vermeiden. In der Moto2 ist es einfacher. Aber es scheint, als ob die Fahrer, die aus der Moto2 kommen, diesen Stil intensiver anwenden."

Smith wurde gezwungen, seinen Stil anzupassen

Dass die Moto2 eine gute Klasse ist, um sich für die MotoGP vorzubereiten, kann Marquez bestätigen: "Ich denke schon. Der Umstieg von der 125er zur Moto2 war schwieriger. Von der Moto2 zur MotoGP ist der Schritt nicht so groß, weil das Gewicht ähnlich ist. Es sind nur 20 Kilogramm weniger als in der MotoGP. Die Moto2 ist eine gute Kategorie, um sich auf die MotoGP vorzubereiten", berichtet der Honda-Werkspilot, der 2011 und 2012 in der Moto2 an den Start ging.

Tech-3-Pilot Bradley Smith wechselte 2013 in die MotoGP. Der Brite stellte seinen Fahrstil im Gegensatz zu Teamkollege Espargaro zeitig um und verzichtete auf zu wilde Rutscher. Den Fahrstil-Wechsel hatte Smith aber nicht selbst veranlasst: "Man hat mich davon weggelotst. Pols Chefmechaniker scheint aber keine Angst zu haben, diesen Weg zu gehen - wenn Pol glücklich ist, wenn das Motorrad seitwärts steht, und wenn es für ihn funktioniert, dann großartig", schildert der Brite. "Aber im Moment gewinnt er damit keine Zeit auf mich. Insofern mache ich mir keine Sorgen."

Fotoquelle: Tech 3

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