Chaos beim Start: Die Karbonbremsen waren nicht auf Temperatur

MotoGP 2014

— 15.07.2014

Sachsenring-Chaos: Fahrer fordern geänderte Startprozedur

Beim Grand Prix von Deutschland reihten sich am Ende der Boxengasse 14 Fahrer auf: Valentino Rossi und Co. wünschen sich einen geänderten Ablauf

Die Startsituation beim Grand Prix von Deutschland am Sachsenring wirkte für die Zuschauer bizarr: Nach der Einführungsrunde entschieden sich mit Ausnahme von Stefan Bradl alle Spitzenpiloten, die Motorräder zu wechseln und bogen in die Box. Insgesamt 14 Fahrer reihten sich am Ende der Boxengasse ein und warteten, bis die Ampel umschaltet. Zu diesem Zeitpunkt war die Strecke nach wie vor nass. Die Fahrer standen mit Slicks und kalten Bremsen am Start. Wie durch ein Wunder ging der Start ohne ernste Zwischenfälle über die Bühne.

Die Fahrer waren nach dem chaotischen Start einer Meinung: An der Startprozedur muss sich in Zukunft etwas ändern. "Es war durch mehrere Dinge zu gefährlich", bemerkt Yamaha-Werkspilot Jorge Lorenzo. "Die Karbonbremsen sind ein Grund, weil man sie vor dem Start nicht aufwärmen konnte. Zudem hat man frische Reifen. Der Ausgang der Boxengasse ist sehr eng. Es gab viele Fahrer, die versuchten, zu überholen. Vielleicht wäre es besser, das anders zu regeln, um solche gefährlichen Momente zu verhindern."

Teamkollege Valentino Rossi teilt Lorenzos Meinung: "Es war zu gefährlich. Darüber müssen wir sprechen. Wenn keiner der Fahrer in der Startaufstellung steht, dann ist das zudem nicht besonders schön für die TV-Übertragungen und die Fans", gibt der Italiener zu bedenken. "Der Start aus der Boxengasse ist zu gefährlich. Es ist die MotoGP und wenn dann 14 Fahrer aus der Box starten und auf einem drei oder vier Meter breiten Streifen hart kämpfen, dann ist das sehr gefährlich."

Rossi: "Hatten nicht genug Platz"

Routinier Rossi war einer der ersten Fahrer, die sich am Ende der Boxengasse aufreihten. Doch ganz reibungslos verliefen die ersten Meter für den Publikumsliebling dennoch nicht. "Ich war Erster am Boxenausgang", berichtet Rossi, der sich etwas verbremste und eine weite Linie wählen musste. "Wir hatten nicht genug Platz. Ich berührte Aleix (Espargaro; Anm. d. Red.). Es ist nicht fair. Der Fahrer, der die Pole-Position holte, hatte keinen Vorteil."

Landsmann Andrea Dovizioso teilt die Meinung ebenfalls. Der Ducati-Werkspilot stand beim Start neben Rossi, vergaß aber, seinen Pit-Limiter auszuschalten. Als die Desmosedici 60 km/h erreichte, wurde die Beschleunigung unterbrochen. Tech-3-Pilot Pol Espargaro konnte gerade so bremsen und einen Auffahrunfall vermeiden. "Der Start war der gefährlichste Teil des Rennens", hält "Dovi" fest.

"Ich befand mich vorher noch nie in solch einer Situation. Ich machte mir Sorgen vor dem Start. Wir hatten alle Slicks montiert und es gab nasse Stellen. Die Slicks waren unbenutzt und die Bremsen nicht auf Temperatur. Es waren zu viele Fahrer und zu viele Ungewissheiten. Darüber sollten wir in der Sicherheits-Kommission sprechen. Ich erwarte Änderungen. Doch solange es nicht zu solchen Situationen kommt, macht man sich darüber keine Gedanken", grübelt Dovizioso, der keine Patentlösung für solche Situationen hat: "Es war zu gefährlich. Aber ich weiß nicht, wie wir diese Situation in Zukunft verhindern können."

Pol Espargaro kann Kollision gerade so vermeiden

"Beim Start stand ich hinter Dovi. Ich weiß nicht, was ihm passierte. Ich denke, er hatte vergessen, den Limiter auszuschalten", berichtet Pol Espargaro, der eine Schrecksekunde erlebte: "Ich war hinter ihm und startete gut. Dann kam er in den Limiter und ich musste bremsen. Dadurch verlor ich viele Positionen. Ich war Letzter. Dovi konnte wieder einige Fahrer überholen. Mir fiel das besonders auf dieser Strecke schwer."

Weltmeister Marc Marquez wünscht sich ebenfalls eine Änderung im Reglement, auch wenn solche Situationen wie am Sachsenring höchst selten vorkommen: "Es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Situation wiederholen wird, doch es kann eines Tages passieren. Wir werden uns mit der Rennleitung unterhalten und am Ausgang der Boxengasse eine Änderung anstreben", schildert der 21-Jährige, der um den Vorteil der Pole-Position beraubt wurde.

"Momentan spielt es keine Rolle, wer auf der Pole-Position steht, wenn es zu solch einer Situation kommt. Es geht nur darum, einen Platz zu finden und sich gegen die anderen durchzusetzen", ärgert sich der Seriensieger. "Es war wie beim Motocross, so eng und alle fuhren die Ellenbogen aus. Das war ganz nett, aber am ersten Bremspunkt auch etwas gefährlich, denn wir bremsten hatten, aber keine Bremswirkung. Das war etwas gefährlich, aber es war auch interessant und sah am Fernseher sicherlich merkwürdig aus."

Smith ärgert sich über Lorenzo

Teamkollege Dani Pedrosa startete bereits beim Valencia-Grand-Prix vor zwei Jahren aus der Box. Damals herrschten ähnliche Bedingungen. Doch dieses Mal waren es deutlich mehr Fahrer, die sich für den Start aus der Boxengasse entschieden. "Ich stand in der ersten Reihe, doch weil ich nicht als Erster in die Boxengasse abbog, um das Motorrad zu wechseln, stand ich am Ausgang der Boxengasse in der zweiten Reihe", schimpft der Spanier. "Normalerweise kommt es nur sehr selten zu solch einer Situation. Ich erinnere mich an ein Rennen vor zwei Jahren. Damals standen neben mir aber nur zwei oder drei andere Fahrer."

Tech-3-Pilot Bradley Smith ärgert sich, dass einige Kollegen zu zeitig starteten und andere die Begrenzungen ignorierten: "Ich denke nicht, dass es eine gute Idee war, dass so viele Fahrer aus der Boxengasse starteten. Wir hätten vielleicht eine Art Startaufstellung einnehmen sollen. Einige Fahrer überquerten vor dem Erlöschen der Ampel die weiße Linie. Es gibt für solche Situationen keinen genauen Ablauf", kritisiert der Brite.

"Ich hoffe, dass es in Zukunft einen genauen Ablauf für solche Situationen gibt. Mein Vorschlag wäre, die Fahrer in einer Reihe aufzustellen und bis zum Ende der Boxenausfahrt Überholverbot herrscht. Sobald man auf der Strecke ist, beginnt das Rennen. Andernfalls gibt es einen Kampf bis zur ersten Kurve", analysiert Smith, der Markenkollege Lorenzo vorwirft, über die Begrenzung gefahren zu sein: "Jorge überfuhr die weiße Linie und wählte die Innenbahn. Es ist verrückt, ein Rennen so zu starten."

Fotoquelle: FGlaenzel

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.