Marc Marquez macht sich noch keine Gedanken über die perfekte Saison

MotoGP 2014

— 15.08.2014

"Wie Alberto Tomba": Marquez unterwegs zum "Perfect Game"

Livio Suppo: Marc jetzt schon eine Legende - Mick Doohan: Lässt Gegner wie Amateure aussehen - Mike Leitner: Macht etwas anders als alle anderen

Ein "Perfect Game" bezeichnet im Baseball ein Spiel eines Pitchers, der keinen einzigen Gegenspieler die erste Base erreichen lässt. Im Bowling findet dieser Begriff Verwendung, wenn in einem Spiel zwölf Strikes in Folge erzielt werden werden. Letzteres kommt jedes Jahr dutzendfach vor, und selbst in der Geschichte der Major League Baseball wurden seit 1880 schon 23 "Perfect Games" notiert. Aber eine perfekte Saison in der Motorrad-Weltmeisterschaft ist bisher nur Giacomo Agostini gelungen.

Zwischen 1968 und 1971 gewann der legendäre Italiener in der 350er- und 500er-Klasse gleich bei 58 (!) aufeinanderfolgenden Starts. Davon ist Marc Marquez noch weit entfernt, aber in Indianapolis ist er mit zehn Königsklassen-Siegen en suite immerhin schon mal mit Mick Doohan gleichgezogen. Und der hat keinen Zweifel daran, dass er seine Bestmarke bald los sein wird: "Rossi war nahe dran, aber Marquez kann in seiner derzeitigen Form wahrscheinlich noch einmal zehn Rennen gewinnen."

"Er ist der Mann der Stunde und lässt alle anderen wie Amateure aussehen", wird der fünfmalige Weltmeister von 'AAP' zitiert. "Was er momentan aufführt, ist spektakulär. Er ist auch konstant, macht keine Fehler." Daher kann sich Doohan sogar vorstellen, dass das Honda-Wunderkind 2014 tatsächlich eine perfekte Saison abliefern wird: "Ich habe keinen Zweifel daran, dass seine Chancen, alle 18 Rennen zu gewinnen, gar nicht schlecht stehen."

Suppo vergleicht Marquez mit "La Bomba"

Für Honda-Teamchef Livio Suppo ist Marquez "wie Alberto Tomba", der legendäre italienische Skifahrer, der mit seinen Slalomkünsten ein breites Publikum begeistert hat. Bei acht noch ausstehenden Grands Prix glaubt Suppo durchaus an das Wunder, auf das inzwischen immer mehr Experten spekulieren: "Für Marc ist nichts unmöglich", meint er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Wir haben schon zehn Rennen absolviert, mehr als die Hälfte der Weltmeisterschaft. Warum nicht?"

Aber: "Statistisch gesehen ist es fast unmöglich, denn er muss nur einmal einen Fehler machen oder einen schlechten Reifen erwischen. Es muss alles zusammenpassen, um ein Rennen zu gewinnen, sodass es unmöglich erscheint, das 18 Mal hintereinander zu schaffen", relativiert der Italiener. "Kann er in seiner Karriere noch acht Rennen gewinnen? Ganz klar. Aber ob es die nächsten acht sein werden? In der Theorie ist das sehr schwierig, fast unmöglich."

Zumal jeder weitere Marquez-Sieg ein Nadelstich für die Konkurrenz ist, die eine solche Niederlagenserie nicht auf sich sitzen lassen will. Immerhin sind die Herren Rossi (106 Grand-Prix-Siege), Lorenzo (52) und Pedrosa (48) auch nicht gerade Nasenbohrer. "Die werden ihr Niveau steigern", spricht Doohan aus eigener Erfahrung. "Vielleicht nicht schon beim nächsten Rennen, aber sie werden solange pushen, bis der Rückstand kleiner wird, das steht fest."

Für Marquez zählt nur der WM-Titel

Dabei spielt die perfekte Saison für Marquez selbst nur eine untergeordnete Rolle: "Natürlich bin ich stolz auf die zehn Siege. Aber ob ich jetzt elf Siege hole, ist für mich nicht so wichtig. Wichtig ist der Weltmeistertitel", schiebt er alle Rekordspielereien von sich weg. "Ich bin natürlich sehr glücklich, denn es ist klarerweise sehr schwierig, zehn Rennen hintereinander zu gewinnen. Aber wenn ich dieses Wochenende nicht gewinnen kann, dann ist es für die Weltmeisterschaft wichtig, Zweiter oder Dritter zu werden."

Ganz gelingt es ihm freilich nicht, die Schlagzeilen über seine Siegesserie auszublenden: "Ich habe keine Angst vor Niederlagen, denn ich weiß, dass es passieren wird. Ich spüre aber den Druck", gibt der erst 21-Jährige zu. "Es sieht nämlich so aus, dass es ein Desaster wäre, wenn ich in Brünn nicht gewinne. So ist es aber nicht! Der Sonntag, an dem ich nicht gewinnen kann, wird kommen. Dann muss ich halt Zweiter oder Dritter werden, um für die Weltmeisterschaft zu punkten."

Pedrosa: Marquez wird immer stärker

Doch in Wahrheit würde man alles andere als einen Marquez-Sieg momentan als Enttäuschung wahrnehmen. "Jedes Mal, wenn du gewinnst, gewinnst du an Selbstvertrauen. Er wird immer stärker", befürchtet Teamkollege Dani Pedrosa. Er selbst setze aber alles daran, das Niveau seines Landsmannes zumindest zu egalisieren: "Meine Herangehensweise verändert sich. Man muss mit jedem Mal noch entschlossener werden, um Marc zu schlagen."

"Marc macht momentan etwas anders als alle anderen Fahrer", erklärt Pedrosas Crewchief Mike Leitner im Interview mit 'Motorsport-Total.com', "besonders am Kurveneingang und wie er das Motorrad in die Kurven wirft. Man kann das natürlich in den Daten sehen, aber letztendlich macht der Mensch den Unterschied." Die Art und Weise, wie Marquez mit der Honda umgeht, ist einzigartig - und für den kleinen Spanier maßgeschneidert: "Marc hat diesen Fahrstil schon seit seiner Jugend", analysiert Leitner.

Vergleiche zu den Allergrößten in der MotoGP-Geschichte erscheinen nicht mehr weit hergeholt. "Sie alle sind etwas Besonderes, aber jeder entwickelt sich anders", findet Pedrosa, der in seiner Karriere schon gegen viele starke Gegner angetreten ist. "Valentino war zu seiner Zeit sehr beeindruckend. Lorenzo auch. Ich finde nicht, dass man sagen kann, dass Marc schwieriger zu schlagen ist als die Jungs damals. Aber momentan ist sicher Marcs Zeit."

Schon jetzt größer als Max Biaggi?

Für Suppo zählt Marquez ohnehin jetzt schon zu den größten Motorradfahrern aller Zeiten: "Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann ja. Er erreicht die Statistiken von großen Champions wie Max Biaggi - und Max ist einer der größeren Fahrer in diesem Sport. Auch wenn er noch sehr jung ist, gehört er schon zu den ganz Großen. Selbst wenn er morgen sehr jung zurücktreten sollte, würde er in der Geschichte dieses Sports verewigt bleiben", sagt er gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

"Erstens ist er ein Riesentalent. Zweitens ist er ein sehr positiver Charakter", ergänzt Suppo. "Ein Beispiel: Obwohl er diesen Winter bei den Tests verletzt war und nicht viel fahren konnte, kam er sehr positiv gestimmt zum ersten Rennen. Das ist auf diesem Niveau sehr wichtig. Und je mehr er gewinnt, desto größer wird sein Selbstvertrauen und desto leichter geht ihm alles von der Hand. Für die anderen hingegen wird es immer schwieriger."

"Für die ist es nicht einfach, zu sehen, wie Marc mit einem Lächeln im Gesicht scheinbar locker gewinnt. Er hat Spaß, genießt seinen Job und übt ihn mit großer Leidenschaft aus. Valentino hat auch diese Einstellung, obwohl er 35 Jahre alt ist und seit 20 Jahren Motorrad fährt", so Suppo. Aber: "Marc hat sich auch schon anstrengen müssen, zum Beispiel in Barcelona oder Indianapolis. Jedes einzelne Rennen ist sehr schwierig, das Niveau ist sehr hoch. Er vollbringt momentan Wunder, die es noch nie gegeben hat."

Fotoquelle: Repsol

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