Die spanischen Motorrad-Fans können über viele Erfolge jubeln

MotoGP 2014

— 01.09.2014

"Nationencup": Warum dominieren Spanier & Italiener?

In Silverstone gingen die Siege in allen drei Klassen an Spanier - Die konsequente Nachwuchsförderung zahlt sich aus - 2015 wieder Moto3-Meiterschaft in Deutschland

Der Grand Prix von Großbritannien untermauerte einmal mehr, welcher Nationalität die derzeit besten Motorradfahrer angehören. Im MotoGP-Rennen duellierten sich mit Marc Marquez und Jorge Lorenzo zwei Spanier um den Sieg. Ein weiterer Spanier (Dani Pedrosa) und zwei Italiener (Valentino Rossi & Andrea Dovizioso) kämpften um Platz drei. In den Top 10 waren mit dem Deutschen Stefan Bradl und dem Briten Scott Redding überhaupt nur zwei Fahrer zu finden, die keinen spanischen oder italienischen Pass haben.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in den kleinen Klassen. In der Moto2 gewann ein Spanier (Rabat) vor einem Finnen (Kallio) und einem weiteren Spanier (Vinales). Auch in der Moto3 gingen die ersten beiden Plätze an zwei Spanier (Rins & Alex Marquez). Dritter wurde der Italiener Enea Bastianini. Spanier dominieren seit einigen Jahren das Geschehen. Aber vor allem in der Moto3 zeigt sich, dass in Italien reagiert wurde und wieder vermehrt Talente in die WM kommen und eines Tages in die Fußstapfen des großen Rossi treten wollen.

Obwohl in Silverstone fünf Briten in der MotoGP an den Start gingen, sind die ganz großen Erfolgszeiten vorbei. In der ersten Grand-Prix-Saison 1949 wurde der Brite Leslie Graham mit einem britischen AJS-Motorrad erster 500er-Weltmeister. Ihm folgen die Legenden Geoff Duke, John Surtees, Mike Hailwood, Phil Read und Barry Sheene. Ganz ähnlich sieht die Situation für die US-Fans aus. Nach dem Rücktritt von Colin Edwards und der durch die Handoperation bedingten Pause von Nicky Hayden ist derzeit kein US-Amerikaner in der Königsklasse am Start.

Lediglich Josh Herrin müht sich erfolglos in der Moto2-Klasse ab. "Es hängt von Phasen ab", meint Valentino Rossi zur aktuellen Nationensituation. "Vor 20 Jahren gab es viele Fahrer von England und den USA, die in der MotoGP gewonnen haben. Es ist nicht die Leidenschaft, aber in Spanien und Italien scheinen junge Fahrer größere Chancen für einen Karrierestart zu haben."

"In England und Amerika sieht es so aus, dass Superbikes mit 600 Kubikzentimetern Hubraum wichtiger sind", glaubt Rossi den entscheidenden Unterschied gefunden zu haben. "Die jungen Fahrer wachsen mit diesen Motorrädern auf und fahren dann in der British Superbike-Meisterschaft oder in der Superbike-WM. Wenn man nicht mit Grand-Prix-Bikes aufwächst, ist es später sehr schwierig, sich anzupassen. Das kann man nur machen, wenn man sehr jung ist."

In erster Linie geht es um den Nachwuchs. Nachdem aus Italien kaum noch große Talente hervorkamen, wurde einiges verändert. Gresini hat mit Bastianini eine große Entdeckung gemacht. Rossi fördert in seinem eigenen Moto3-Team die Talente Romano Fenati und Francesco Bagnaia. In Spanien ist der Motorradsport sehr populär, obwohl erst drei Spanier in der Königsklasse Weltmeister wurden. Alex Criville war 1999 der erste Champion. Es folgten Lorenzo und Marquez.

Nachwuchsförderung in Spanien optimal

Die Nachwuchsstrukturen in Spanien sind optimal. Alleine in Silverstone standen in allen drei Klassen insgesamt 23 Spanier in der Startaufstellung. "Schwierig zu erklären", findet Marc Marquez diese Zahl. "In Spanien werden junge Fahrer unterstützt und es wird in die Basis investiert. Junge Fahrer haben die Möglichkeit, ihr Talent zu zeigen. Meine Familie konnte mir zum Beispiel kein Motorrad finanzieren."

"Ich fuhr in einem Promotion-Cup und versuchte, dort mein Talent zu zeigen. Ein Team kam dann auf mich zu. Das war das Wichtigste in meinem Leben. Diese Situation ist bei vielen Kindern der Fall. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Wenn andere Länder gute Fahrer haben wollen, dann müssen sie sich ansehen, wie das in Spanien und Italien funktioniert."

Neben Speerspitze Stefan Bradl in der MotoGP sind in der Moto2 drei Deutsche am Start. Dazu kommen vier Schweizer. Philipp Öttl und Luca Grünwald sind in der Moto3 nicht im Spitzenfeld vertreten. Talente wie Toni Finsterbusch, Luca Amato oder Daniel Kartheininger konnten sich nicht in der WM etablieren. Aus Österreich schaffte es seit Michi Ranseder kein talentierter Nachwuchsfahrer in die Grand-Prix-Szene.

2015 wieder Moto3-Klasse in der IDM

Viel hängt mit der Nachwuchsarbeit zusammen. Die spanische Meisterschaft hat sich praktisch zu einer Europameisterschaft entwickelt. Wer in die WM will, emfpiehlt sich am besten in der CEV-Serie. In Deutschland gibt es in diesem Jahr in der IDM keine Moto3-Meisterschaft. Um den Nachwuchs zu fördern, wird es in der Saison 2015 in Deutschland wieder eine Moto3-Serie geben. Diese wird von IDM-Promoter Motor Events, dem DMSB und vom ADAC wieder eingeführt.

Die neue Moto3 teilt sich in Moto3 GP und Moto3 Standard auf. Die Moto3 GP fährt nach Grand-Prix-Reglement und ist für alle Moto3-Motorräder zugelassen, während alle Fahrer in der Moto3 Standard Kategorie auf einheitlichen Honda NSF250 Maschinen an den Start gehen und wie die Fahrer der Moto3 GP um den deutschen Meistertitel kämpfen.

"Wenn wir den Talenten den Weg an die Spitze im Straßenrennsport ebnen wollen, ist eine funktionierende Moto3 Klasse unverzichtbar", sagt DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck zur neuen Moto3. Stuck betont die Bedeutung einer Nachwuchskategorie nach Grand-Prix-Reglement: "Sie ist ab der Saison 2015 ein zentraler Schritt für die Verzahnung von nationaler Basis und Motorrad-Weltmeisterschaft." Außerdem unterstützt auch die Dorna den deutschen Moto3-Ableger. Die Verantwortlichen wollen langfristig eine starke Nachwuchsbasis für Mittel- und Nordeuropa schaffen.

Fotoquelle: Repsol

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