Valentino Rossi ist so schnell wie lange nicht mehr und hat allen Grund zur Freude

MotoGP 2014

— 30.09.2014

Viel Lob für Rossi: Ist der "Doktor" besser als je zuvor?

Kann Valentino Rossi in den kommenden Jahren um weitere Siege und vielleicht sogar Titel kämpfen? Kouichi Tsuji und Carmelo Ezpeleta schließen das nicht aus

Das Wochenende in Aragon wird Valentino Rossi am liebsten schnell vergessen wollen. Der Italiener zog sich bei einem Sturz eine Gehirnerschütterung zu und musste die Heimreise mit leeren Händen antreten. Trotzdem läuft es für den neunmaligen Weltmeister in der Saison 2014 insgesamt richtig gut. Der "Doktor" hat bereits 214 WM-Zähler auf dem Konto und damit nach 14 Rennen fast schon so viele wie in der gesamten vergangenen Saison (237).

In Misano gelang Rossi Mitte September sogar sein erster Sieg nach mehr als einem Jahr. Trotz seinen mittlerweile 35 Lenzen scheint die Formkurve des Yamaha-Piloten aktuell noch einmal anzusteigen - in diesem hohen Alter extrem ungewöhnlich. Das nötigt auch den Offiziellen im MotoGP-Zirkus eine Menge Respekt ab, allen voran Yamaha-Boss Kouichi Tsuji.

"Er ist sehr motiviert und hat eine viel bessere Performance erreicht, als wir das erwartet hatten. Trotzdem glaubten wir immer daran, dass er noch gewinnen kann", erklärt der Japaner gegenüber 'MCN' und ergänzt: "Mit 35 ist es für ihn nicht einfach, seinen Stil zu ändern. Wir schätzen es sehr, dass er sich nach so vielen Jahren noch einmal verändern und sich dem modernen Stil von Marquez anpassen möchte."

Beste Saison seit fünf Jahren

Durch seinen unermüdlichen Einsatz beweist Rossi aktuell auch seinen Kritikern, dass er seinen Vertrag bei Yamaha nicht nur des Geldes wegen bis 2016 verlängert hat. Rossi möchte gewinnen - und er kann es noch. So ist es bezeichnend, dass in Misano nicht etwa Jorge Lorenzo den ersten Yamaha-Sieg der Saison 2014 holte, sondern eben sein italienischer Teamkollege.

"Es ist unfassbar schwierig, sich noch einmal anzupassen, wenn man immer nur auf eine Art und Weise gefahren ist. Allerdings hat er verstanden, dass es der einzige Weg war, um seine Rivalen einzuholen", berichtet Tsuji weiter. Für ihn steht daher fest: "Es besteht kein Zweifel daran, dass er ein besserer Fahrer als je zuvor ist. Die Konkurrenz ist jetzt einfach viel stärker."

Neunmal stand Rossi in dieser Saison bereits auf dem Podium - und damit genau sooft wie in den vergangenen drei Saisons zusammen. Noch beeindruckender stellt sich seine aktuelle Punkteausbeute dar. Holt er in den verbleibenden vier Rennen noch mindestens 24 Zähler und übertrifft damit die 237 Punkte aus dem vergangenen Jahr, hätte er 2014 so viele Punkte geholt wie seit 2009 nicht mehr, als er mit 306 Zählern seinen neunten und bis heute letzten Titel einfuhr.

Ezpeleta glaubt an Rossi

"Ich habe nie verborgen, dass Valentino für uns eine ganz spezielle Person ist", erklärt Dorna-Geschäftsführer Carmelo Ezpeleta gegenüber 'Movistar TV'. Für ihn ist Rossi "ein Eckpfeiler der Meisterschaft". Ezpeleta weiß ganz genau, dass der Italiener bei den Fans noch immer gut ankommt. Das beweisen nicht zuletzt die beeindruckenden Bilder von Rossis Heimsieg in Misano.

"Es ist 35 Jahre alt, aber ich denke nicht, dass man durch sein Alter definiert wird", erklärt Ezpeleta weiter und ergänzt: "Es geht um die Leidenschaft, die man hat. Physisch ist er meiner Meinung nach fast noch auf dem gleichen Stand wie mit 25. In seinem Fall denke ich, dass sogar das Gegenteil der Fall ist: Er ist fitter als je zuvor."

So konnte Rossi zu Saisonbeginn immerhin ansatzweise mit Weltmeister Marc Marquez mithalten, während sich Teamkollege Lorenzo mit Fitnessproblemen herumplagte und teilweise im Niemandsland herumfuhr. In der Weltmeisterschaft liegt Rossi noch immer 15 Punkte vor dem Spanier. Kann er diesen Vorsprung über die Runden bringen, wäre es das erste Mal seit 2009, dass Rossi die WM vor Lorenzo beenden würde.

Wie lange macht Rossi noch weiter?

"Er ist eine Ikone und vor allem ein großartiger Fahrer", legt Ezpeleta nach und fügt hinzu: "Er liebt seinen Job. Mit seinen Qualitäten ist er jemand, der sich selbst neu erfinden kann. Er kann ein Motorrad verwenden, das seinem Fahrstil nicht entgegenkommt. Er ist ein perfektes Beispiel dafür, was einen Fahrer unserer Meinung nach ausmachen sollte."

Dass Rossi auch mit seinen 35 Jahren noch immer auf diesem hohen Niveau fahren kann, ist nicht selbstverständlich. Viele große Piloten - auch in anderen Rennserien - sind bereit an der Aufgabe gescheitert, sich im fortgeschrittenen Alter noch einmal an eine neue Situation anzupassen. Trotzdem stellt sich auch beim neunmaligen Weltmeister die Frage, wie lange sein Körper diese Höchstleistungen noch zulassen wird.

Bis 2016 will Rossi mindestens noch weitermachen. Am Ende des Jahres und seiner dann bereits 21. Saison in der Motorrad-Weltmeisterschaft wäre er 37. Der älteste Pilot der Königsklasse ist er nach dem Rücktritt von Colin Edwards bereits jetzt. Trotzdem wird sich der "Doktor" wohl auch weiterhin nicht davon abhalten lassen, seine deutlich jüngeren Rivalen um den amtierenden Weltmeister Marc Marquez zu ärgern.

Fotoquelle: Yamaha Motor Racing Srl

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