In der MotoGP geht es trotz hoher Geschwindigkeiten oft eng zu

MotoGP 2014

— 09.10.2014

Nach Bianchi-Unfall: Sicherheit auch in der MotoGP ein Thema

Vor dem Grand Prix von Japan sprechen die MotoGP-Stars über die tragischen Ereignisse in Suzuka und debattieren über das Thema Sicherheit

Die Motorsport-Welt steht seit dem vergangenen Sonntag unter Schock. Beim Formel-1-Grand-Prix in Suzuka kam es zu einem der schwersten Unfälle der vergangenen Jahre. Marussia-Pilot Jules Bianchi verlor bei schwierigen Bedingungen die Kontrolle über sein Auto und rutschte in der Auslaufzone unter ein Bergungsfahrzeug. Dabei zog sich der talentierte Franzose schwere Kopfverletzungen zu. Der Zustand des 25-Jährigen ist kritisch.

"Solche Situationen sind immer schwierig", bemerkt Marc Marquez vor dem Rennwochenende in Motegi. "Sicher war es kein MotoGP-Rennen, aber es traf einen Fahrer. Unterm Strich ist es ein Sport. Ich habe das Rennen geschaut. Zu Beginn war es schwierig, die Geschehnisse richtig zu verstehen. Ich denke, niemand war sich bewusst, was passiert ist. Ich sah ein Video und erkannte, dass es ein sehr schlimmer Unfall war."

"Ich wünsche ihm und der Formel-1-Welt das Beste. Wenn so etwas passiert, realisieren wir die Grenzen und Risiken, die wir eingehen, wenn wir auf die Strecke gehen", erklärt Marquez, der hofft, dass man aus dem Unfall lernt: "Wichtig ist jetzt, dass man den Vorfall aufklärt und die Fehler ausfindig macht. Dann muss man versuchen, für die Zukunft Verbesserungen vorzunehmen. Wir können nichts ausrichten und Jules und seiner Familie nur das Beste wünschen."

Rossi kritisiert Rennleitung in Suzuka

"Es macht sich ein sehr schlechtes Gefühl breit", hält Valentino Rossi fest, der Bianchi vor zwei Jahren bei einem PR-Event kennenlernte. "Es scheint, die Situation um Jules nicht besonders gut aussieht. Ich kenne ihn. Ich kenne ihn nicht besonders gut, aber wir haben bereits in Madonna di Campiglio zusammen an einem Rennen teilgenommen und es sehr genossen, gegeneinander anzutreten. Er ist ziemlich jung und ein netter Kerl, der sehr talentiert ist."

Rossi gehört zu den wenigen Fahrern, die noch in Suzuka fuhren. Der Italiener weiß, dass der Kurs gefährlich ist, fuhr aber sehr gern auf der Traditionsstrecke, die seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zum MotoGP-Kalender gehört. "Suzuka ist ein gefährlicher Kurs. Seit 2003, nach dem Sturz von Kato, gastiert die MotoGP nicht mehr auf dieser Strecke, was sehr schade ist. Es ist einer der besten Kurse der Welt. Ich liebe Suzuka, doch der Kurs ist gefährlich."

Die Formel 1 fährt nach wie vor in Suzuka. "Das Pech spielte beim Unfall eine entscheidende Rolle", betont Rossi, der das Verhalten der Rennleitung kritisch sieht: "Sie hätten das Rennen mit dem Safety-Car unterbrechen sollen, damit ein großes Bergungsfahrzeug in die Auslaufzone fahren kann. Jules hatte sehr viel Pech, doch ich bin überzeugt, dass ein Fehler gemacht wurde, als in der Auslaufzone Bergungsarbeiten stattfanden."

Lorenzo: "Trauriger Moment für den Motorsport"

Teamkollege Jorge Lorenzo zählt zu den Fahrern, die immer wieder das Thema Sicherheit ansprechen. Der Spanier ist nach den Ereignissen am vergangenen Wochenende sehr gefasst: "Es ist ein trauriger Moment für den Motorsport. Ich habe das Rennen nicht gesehen, doch Suzuka ist gefährlich. Das konnten wir besonders bei den Motorrädern, aber auch bei der Formel 1 sehen."

"Wie Valentino meinte, war es ein Fehler, das Bergungsfahrzeug in die Auslaufzone zu lassen, ohne das Rennen durch ein Safety-Car zu entschärfen. Das war eine sehr schlechte Idee. Das muss für die Zukunft verbessert werden. Doch jetzt ist zu spät, um den Unfall zu verhindern. Alle hoffen, dass Jules wieder gesund wird. Wir unterstützen ihn dabei", so der Yamaha-Werkspilot.

Fahrer sind sich beim Thema Kunstrasen einig

Die Sicherheit ist auch im Motorradsport ein wichtiges Thema. Beim vergangenen MotoGP-Rennen in Aragon wurde viel über die Verwendung von Kunstrasen debattiert. Rossi und Landsmann Andrea Iannone kamen auf nassem Kunstrasen zu Sturz. "Wir haben sehr intensiv in der Sicherheits-Kommission darüber gesprochen und werden es auch am Freitag noch einmal machen", bemerkt Weltmeister Marquez.

Der 21-Jährige betont, dass die Verwendung von Kunstrasen wohl überlegt sein muss: "Der Kunstrasen ist etwas, das wir an einigen Stellen entfernen könnten. Wir haben oft darüber gesprochen, es am Kurveneingang an den Bremspunkten zu entfernen. Am Kurvenausgang ist es schwierig. Ich denke, wir sollten hinter dem Randstein Kunstrasen haben, weil man dadurch ein echte Abgrenzung hat. Wenn dahinter Asphalt ist, versucht man ständig, immer weiter zu pushen."

"Doch am Bremspunkt und im Kurvenscheitel benötigen wir den Kunstrasen nicht. Im Vorjahr sahen wir bei Stefan Bradl in Malaysia und in diesem Jahr in Aragon bei Valentino, dass es nicht so gut ist. Das könnten wir entfernen. Das wäre sicher für alle Fahrer okay", erklärt Marquez. Rossi vertritt den gleichen Standpunkt: "Ich denke, dem stimmt mehr oder weniger jeder Fahrer zu."

"In den vergangenen Jahren haben wir versucht, es an einigen Stellen zu entfernen. Doch man muss den Kunstrasen an einigen anderen Stellen erhalten", bestätigt Rossi, der sich bei seinem Sturz eine Gehirnerschütterung zuzog. "An einigen Stellen ist der Kunstrasen aber ziemlich gefährlich und gleichzeitig nutzlos. Am Kurveneingang braucht man keinen Kunstrasen."

Flag-to-Flag-Rennen zu gefährlich?

Lorenzo legt kein Veto ein: "Wie Marc bereits sagte, ist es schwierig, den Kunstrasen am Kurvenausgang zu entfernen. Am Kurveneingang ist er aber nicht nötig. Aus Sicherheitsgründen sollte er entfernt werden", berichtet der Yamaha-Werkspilot, der sich dafür einsetzt, den Kunstrasen am Kurvenausgang zu erhalten: "Die Fahrer versuchen, immer schneller zu fahren und benötigen dafür mehr Platz. Die Rennleitung hätte ohne den Kunstrasen mehr Arbeit, weil viele Fahrer die Strecke verlassen würden."

"Ich bin überzeugt, dass Lösungen gefunden werden. Man könnte die Randsteine höher machen. Dann würde man Zeit verlieren, wenn man die Strecke verlässt. Das wäre eine Idee, die man besprechen kann", schildert Lorenzo. Doch nicht nur der Kunstrasen ist in der MotoGP ein Thema. Regenrennen wie das in Aragon stellen immer wieder die Flag-to-Flag-Regel in Frage.

"Dieses System birgt Risiken. Das ist Dani und Marc in Aragon passiert", bemerkt Rossi. "Man muss auf dem Motorrad die Entscheidung treffen und man kann einen Fehler machen. Wenn man mit einem MotoGP-Motorrad mit Slicks im Regen fährt, dann ist es sehr gefährlich. Man wollte vor allem für das Fernsehen erreichen, dass ein Rennen nicht gestoppt wird, falls es zu regnen beginnt. Diesbezüglich ist es die beste Lösung, aber es ist riskanter, als wenn man das Rennen unterbricht."

Fotoquelle: Yamaha Motor Racing Srl

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