Die MotoGP-Piloten müssen sich nach der Saison 2015 auf Michelin einstellen

MotoGP 2014

— 26.11.2014

Baut Michelin so extreme Vorderreifen wie Bridgestone?

Die Hersteller rätseln, welchen Weg Michelin ab 2016 einschlagen wird: Droht das Ende der extremen Schräglagen und Bremsmanöver?

Die Reifen in der MotoGP wurden über die Jahre immer spezieller, seitdem Bridgestone der exklusive Lieferant ist. Schräglagen von mehr als 60 Grad und schleifende Ellbogen sind seit einer Weile Standard. Selbst im Nassen berühren die Ellbogen mittlerweile den Asphalt. Früher war das nur auf dem ungebremsten Weg ins Kiesbett zu beobachten. Ebenfalls Standard sind mittlerweile Anbremsmanöver, bei denen sich das Hinterrad während des Einlenkens in der Luft befindet.

Diese spektakulären Manöver setzen Vorderreifen voraus, die extrem viel Haftung generieren. Bridgestone hat Reifen entwickelt, die in einem sehr kleinen Arbeitsfenster funktionieren, dann aber sehr viel Grip bieten. Weltmeister Marc Marquez ist der Fahrer, der beim Anbremsen wohl am härtesten pusht. Der 21-Jährige ist ein Fan der Bridgestone-Vorderreifen.

Beim Anbremsen befindet sich das Hinterrad der Werks-Honda meist in der Luft - selbst beim Einbiegen in die Kurve. "Das war in der Moto2 unmöglich", erinnert sich der Spanier. "Doch bereits beim ersten MotoGP-Test fühlte ich, dass man mit diesen Vorderreifen sehr stark pushen kann. Mit den Dunlop-Reifen kann man auf der Bremse nicht pushen. Damit muss man im Kurvenscheitel schnell sein. Mit den Bridgestone-Reifen ist es genau umgekehrt. Man muss am Kurveneingang pushen. Es ist schwieriger, das Tempo am Kurveneingang zu halten."

Offen ist, ob Michelin bei der Entwicklung einen ähnlich kompromisslosen Ansatz wählt wie Bridgestone. "Es ist schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt etwas zu sagen", bemerkt HRC-Manager Livio Suppo. "Michelin hat eine lange Geschichte in der MotoGP. Deswegen erwarte ich keine großen Überraschungen. Die Vorderreifen von Bridgestone waren schon immer sehr gut."

"Für die Fahrer war es einfacher, sich daran zu gewöhnen. Die Frage wird sein, ob es Fahrer gibt, die Schwierigkeiten haben, ein Gefühl für die Front zu entwickeln. Das wird das größte Problem sein", grübelt Suppo, der sich aber keine Sorgen macht: "Michelin ist erfahren genug, um gute Reifen bereitzustellen."

Honda, Yamaha und Ducati haben mit ihren Testfahrern bereits erste Prototypen-Reifen von Michelin getestet. Für aussagekräftige Analysen ist es noch zu zeitig: "Die Tests mit Michelin haben eben erst begonnen. Es sind noch 14 Monate, bis die Saison 2016 startet", erklärt Yamaha-Rennleiter Lin Jarvis, der die zusätzlichen Reifentests als zusätzliche Belastung einstuft.

"Es ist eine logistische Herausforderung für die Teams, weil wir viele Tests einplanen müssen - nicht nur mit den Testfahrern sondern auch mit den Stammpiloten. Das kreiert ziemlich viele Kopfschmerzen. Wir müssen den Kalender der MotoGP beachten und entscheiden, wo wir unsere Mitarbeiter hinschicken und ob wir zusätzliche Leute benötigen, oder ob wir das Rennteam einsetzen", schildert Jarvis.

Bei Ducati schaut man gelassen auf das Michelin-Comeback, obwohl man eher als Honda und Yamaha von Michelin zu Bridgestone wechselte. Ende 2004 trafen die Verantwortlichen die Entscheidung, ab der Saison 2005 zu Bridgestone zu wechseln. Beim Gewinn der Meisterschaft in der Saison 2007 hatte Bridgestone einen wesentlichen Anteil am Erfolg. Um für 2016 gerüstet zu sein, wurden erste Tests absolviert: "Wir hatten bereits einen Test mit Michele Pirro. Die ersten Feedbacks waren positiv", so MotoGP-Projektleiter Paolo Ciabatti.

Fotoquelle: Ducati

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