Motorinstandsetzung: Preise und Ablauf

Motoreninstandsetzung: Preise und Ablauf

OP am offenen Herzen

Was tun bei einem Motorschaden? Preiswerter als ein neuer Motor ist eine Motoreninstandsetzung. So läuft der Eingriff, und so teuer wird's!
Verläuft alles nach Plan, hält ein Verbrennungsmotor mindestens über 250.000 Kilometer oder 15 bis 20 Jahre ohne größere Zwischenfälle durch. Doch das ist leider nicht immer der Fall. Denn in einem Verbrennungsmotor gibt es etliche Teile die rotieren (Kurbelwelle, Nockenwelle und Turbolader), stampfen (Kolben im Zylinder und Ventile im Zylinderkopf) oder durchflossen werden (Kühl- und Ölkreislauf). Ob Produktionsschwankungen, Materialermüdung, schlechte Pflege, eine defekte Zylinderkopfdichtung, der gerissene Zahnriemen, oder ein Turboladerschaden – all das kann einen Motorschaden verursachen und in der Folge eine Motoreninstandsetzung notwendig machen.

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Erste Anlaufstelle nach dem Motorschaden

Ein Kolbenring kostet nur ein paar Euro, kann aber bei einem Defekt schwere Schäden verursachen. Viele Besitzer von Audi-TFSI-Motoren kennen das Problem.

Wenn der Motorschaden nicht erst in der Werkstatt diagnostiziert wurde, stellt sich möglicherweise die Frage, wie das Fahrzeug zur Reparatur dorthin gelangt. Ein Riss der Steuerkette beziehungsweise des Zahnriemens, oder festsitzende Kolben machen eine Fahrt zur Werkstatt auf eigener Achse unmöglich. Doch auch wenn sich der Motor noch starten lässt, sollten Autobesitzer entsprechende Warnungen des bordeigenen Diagnosesystems ernstnehmen: Meldungen wie "Öldruck zu niedrig, bitte Motor abstellen" dürfen keinesfalls ignoriert werden. So eine Warnung kann beispielsweise nach einem Turboladerschaden auftreten. Der Lader mag zwar nicht mehr zu retten sein und der Motor dabei mit verringerter Leistung trotzdem noch laufen. Allerdings können – abgesehen vom Risiko der mangelnden Ölversorgung – gebrochene Teile des Turboladers in den Brennraum gelangen und dort zu weiteren gravierenden Schäden führen. Auch bei deutlich wahrnehmbaren Geräuschen (Schleifen, lautes Klackern oder Mahlen) aus dem Motor gilt: Auto sofort abstellen und die Werkstatt oder einen Abschleppdienst konsultieren. Meist erfolgt die Motoreninstandsetzung übrigens in einer anderen Werkstatt. Nach dem Ausbau des Motors wird dieser von der Hauswerkstatt an einen Spezialisten geliefert, der sich hauptsächlich um die Instandsetzung von Motoren kümmert.

Neuer Motor, Austauschmotor oder Motoreninstandsetzung

Reinigen, zerlegen und vermessen: Erhalten die Zylinder eine neue Bohrung, sind Übermaß-Kolben notwendig.

Kann der Besitzer keinerlei Garantieansprüche nach der Feststellung eines Motorschadens beim Hersteller durchsetzen, wird er sich in den seltensten Fällen für einen fabrikneuen Motor entscheiden. Das liegt am sehr hohen Preis, den Hersteller für ein neues Aggregat aufrufen. Deutlich günstiger ist ein generalüberholter Motor, bei dem nicht nur alle defekten Komponenten, sondern vorsorglich auch eine Reihe von Verschleißteilen (Dichtungen, Riementriebe) gegen neue oder entsprechend überarbeitete Teile getauscht werden. Die Motoreninstandsetzung muss dabei nicht am eigenen Motor erfolgen. In vielen Fällen halten spezialisierte Firmen bereits instandgesetzte Austauschmotoren vor, die identisch mit dem eigenen, defekten Triebwerk sind. Kommt es bei dem Fahrzeug also nicht auf "matching Numbers" an, also der stimmigen Zugehörigkeit der Motornummer zur Fahrgestellnummer, spricht nichts gegen einen ordentlich instandgesetzten Austauschmotor. Im Gegenteil, schließlich lässt sich so die Zeit der Reparatur drastisch verkürzen. Die gründliche Instandsetzung eines Motors kann deutlich mehr als eine Woche in Anspruch nehmen, während der Aus- und Einbau eines Motors in der Regel kaum mehr als zwei Arbeitstage in Anspruch nimmt.

Motorensinstandsetzung: Kosten

Ein Austauschmotor als Rumpfmotor kostet für einen handelsüblichen Vierzylinder in der Regel zwischen 2.000 und 6.000 Euro. Dabei werden Lichtmaschine (Generator), Anlasser und viele weitere Aggregate vom alten Motor übernommen, soweit dies noch Sinn ergibt. Nicht einberechnet ist die Arbeitszeit der Werkstatt, die je nach Lage und Marke zwischen 65 und mehr als 100 Euro pro Stunde kostet. Der Motoraus- und Wiedereinbau sowie der Umbau der Nebenaggregate und das Vornehmen sämtlicher Einstellarbeiten erfordert mindestens einen weiteren Arbeitstag. Bedeutet: nochmal eine stramme Summe für die Arbeitszeit. Im Vergleich zu einem Austauschmotor liegen die Reparaturkosten eines generalüberholten Motors nach RAL-GZ 797 um ca. 20 - 40 Prozent unter dem eines AT-Motors.

Qualitätsstandards bei der Motoreninstandsetzung

Die Gütegemeinschaft der Motoreninstandsetzungsbetriebe garantiert einheitliche Qualität bei der Reparatur von Verbrennungsmotoren.

Die Arbeitsschritte, die zu einem generalüberholten Motor führen, sind nicht einheitlich geregelt. Daher kann im Prinzip jeder einen Motor als generalüberholt bezeichnen, selbst wenn der vollzogene Reparaturumfang sehr gering war. Grundsätzlich ist bei einem generalüberholten Motor davon auszugehen, dass der Motor vollständig zerlegt und neu zusammengebaut wurde. Einige Standards legen allerdings auch konkrete Anforderungen an die Qualität der durchzuführenden Arbeiten fest. Ein solcher Standard ist das RAL Gütezeichen Motoreninstandsetzung (RAL-GZ 797) von der Gütegemeinschaft der Motoreninstandsetzungsbetriebe e.V. (GMI). Nur Mitgliedsunternehmen dieser Gütegemeinschaft ist es gestattet ihre instandgesetzten Motoren mit dem RAL-Gütezeichen zu versehen. Das Gütezeichen gilt übrigens für alle Verbrennungsmotoren, also neben Pkw- und Lkw-Motoren auch für Schiffsdiesel, Bau-, Forst-, Land- und Bahnmaschinen. Die Gütesicherung schreibt präzise vor, welche technischen und personellen Voraussetzungen gegeben sein müssen. Darüber hinaus sind die zu überarbeitenden und zu erneuernden Komponenten, die Montage, der Prüflauf und die Endinspektion des instandgesetzten Motors genau festgelegt. Viele Betriebe, die eine Motoreninstandsetzung nach der Richtlinie (RAL-GZ 797) durchführen, vergeben eine Gewährleistung von 24 Monaten.

Ablauf der Motoreninstandsetzung

Pflicht bei einer Motoreninstandsetzung ist der Check der Kurbelwelle. Bei Bedarf wird hier nachgearbeitet, um langfristig einen ordentlichen Lauf zu garantieren.

Die Motoreninstandsetzung beginnt mit der Demontage und Reinigung der Motorteile. Dabei werden alle Komponenten begutachtet sowie die Verschleißteile aussortiert. Anschließend geht es an die Prüfung des Zylinderblocks. Kleinste Abweichungen des Sollwerts reichen, um beispielsweise das Schleifen und Honen der Zylinder nach Herstellervorgabe zu veranlassen. Der Zylinderkopf wird auf Risse und Verzug untersucht. Ist er fehlerfrei, wird er feingemacht und für die Instandsetzung genutzt. Erneuert werden stets Ventile, Ventilsitze und Ventilführungen. Andere Bauteile wie Lagerbuchsen werden geprüft und nach Bedarf ersetzt. Hightech kommt beim Kurbelwellen-Check zum Einsatz. Mittels elektromagnetischer Rissprüfung wird die Welle beurteilt, gegebenenfalls neu gehärtet und die Lagerzapfen poliert. Die Kurbelwelle wird am Schluss neu gewuchtet, damit ein sauberes Drehen gesichert ist. Pleuellager und -schrauben werden generell ersetzt. Die Nockenwelle wird ebenfalls bei Bedarf erneuert. Zudem werden die Ölkanäle penibel gereinigt, damit nach dem Wiederzusammenbau eine dauerhafte Ölversorgung garantiert ist.

Die generalüberholten Motoren – egal, ob es sich um Komplettmotoren mit allen Nebenaggregaten oder Rumpfmotoren handelt, sind nach der Behandlung zwar nicht neu. Aber sie wurden nach exakten Kriterien zerlegt, geprüft, professionell aufgearbeitet und wieder zusammengefügt. Alle Verschleißteile werden durch Neuteile in bester Qualität, die dem Stand der Werksauslieferung entsprechen, ersetzt.
 
Begutachtet werden auch alle Nebenaggregate wie Pumpen und Kühler, die Zündanlage, sowie eventuell vorhandene Turbolader. Sind sie gebrechlich, werden sie repariert oder ersetzt. Zu erkennen sind die von einem GMI-Mitglied überholten Motoren an Aufklebern und Prägungen, die auf den einzelnen Bauteilen angebracht werden. Der generalüberholte und wieder zusammengesetzte Motor wird am Ende auf einem Motorprüfstand getestet, um zu sicherzustellen, dass Leistungs- und Abgaswerte mindestens der Serie entsprechen.

Motor-Grundinstandsetzung

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit der Motor-Revision. Bei der Motor-Grundinstandsetzung wird in der Regel mit dem Kunden besprochen, was ersetzt werden muss, was noch genutzt werden kann und wie man bei Ersatzteilen eventuell den einen oder anderen Euro sparen kann, da es sich nicht immer um Erstausrüsterqualität handeln muss. Hierbei steht die Wirtschaftlichkeit vor der Originaltreue, was nicht schlecht sein muss. Die anfallenden Arbeiten können der eines generalüberholten Motors ähneln. Und mit dieser Methode lassen sich meist ein paar hundert Euro sparen. Aber der Motor besitzt noch einen Großteil der Altteile, eine Garantie für die kommenden zwei Jahre ohne Kilometerbeschränkung gibt es dann meist nicht.

Autor: Michael Blumenstein

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