Motorzone Seebruck: Reportage

Motorzone Seebruck: Reportage

— 25.09.2015

Goodwood in Bayern

Supersportler, Exoten, Oldtimer und reinrassige Rennwagen aus nächster Nähe, das bot die Motorzone Seebruck am Chiemsee. Wir waren bei der Premiere dabei.

Video: Goodwood in Bayern

McLaren, Lambo, Ferrari & Co geben Gas

Mit dem Mercedes-AMG GT vor der Tür und dem Autoschlüssel auf dem Nachttisch stehe ich an diesem Samstagmorgen um 5:30 Uhr auf. Freiwillig. An dieser Stelle ein dickes Sorry an die übrigen Hotelgäste – wer schon mal live den Kaltstart des V8-Biturbo erlebt hat weiß, wovon ich spreche. Soundtechnisch steht er dem 6,2-Liter-V8-Sauger aus dem SLS AMG zwar nach, nichtsdestotrotz haben die Sound-Spezialisten bei AMG ihren Job bravourös erledigt. Auf meiner morgendlichen Fahrt begegne ich mehreren Einheimischen, die mir allesamt winken oder den Daumen zeigen. Und das trotz, oder vielleicht gerade wegen offener Klappen am Auspuff. Neidgesellschaft Deutschland? Nicht am Chiemsee. Ich bin auf dem Weg zur Motorzone in Seebruck.

Eine Art Festival of Speed in sehr kleinem Stil

Initiator Wolfgang Fousek (Mitte) mit Bürgermeister Bernd Ruth (rechts) und Landrat Siegfried Walch (links).

Die Motorzone ist ein Event für Auto-Liebhaber am Chiemsee, dessen Premiere von einem enthusiastischen Bayer namens Wolfgang Fousek initiiert und veranstaltet wird. Den Vorabinformationen zufolge handelt es sich um eine Art Festival of Speed in sehr kleinem Stil. Rennwagen, Oldtimer, Supersportler und Motorräder sind willkommen. Wie in Goodwood gibt es auch in Seebruck eine eigens abgesperrte Piste für die Boliden. Hier allerdings auf örtlichen Landstraßen. Dafür hat Wolfgang Fousek den Segen des Bürgermeisters eingeholt.

Bereits bei der Anreise über die A94 hatte mein AMG GT für reichlich Aufsehen gesorgt. Zwei Männer stiegen im Stau aus einem VW Transporter und machten Fotos vom hyazinthroten Supersportler, in dem ich saß. Im strömenden Regen. Ich konnte sie gut verstehen. 
 
Auf dem Weg zur Motorzone Seebruck treffe ich meine Kollegen im "Tarocco-Orange"-farbenen McLaren 650S Spider und Lamborghini Aventador LP700-4. Im Übrigen ein überaus schönes Exemplar in "Arancio Atlas" mit matt-titangrauem Dach und Außenspiegeln und den "Dione"-Felgen ebenfalls in Titangrau. Der 462 PS starke AMG GT schiebt gewaltig. So gewaltig, dass ich zugeben muss, das Leistungsdefizit von 48 PS zum AMG GT S kaum zu bemerken.

Mit dem Sportwagen-Trio zur Motorzone

Wenig später fahren wir mit unserem farbenfrohen Sportwagen-Trio am Hafen von Seebruck vor. Vor toller Kulisse am örtlichen Yachthafen versammeln sich an die 30 automobilen Schätze zur ersten Etappe der Motorzone. Darunter ein Gumpert Apollo mit 850 PS, ein Mercedes-Benz 280 SE Cabriolet, das einst dem Herrscher des Kongo gehörte, und ein radikaler KTM X-Bow in der Challenge-Version. Hier gilt das Motto Qualität statt Quantität. Die Leute bestaunen die Fahrzeuge, machen Fotos und dürfen auch probesitzen.
 

Die BMW-M1-Procar-Serie wurde in den Jahren 1979 und 1980 im Rahmen der Formel 1 ausgetragen. Drei M1 Procar waren in Seebruck.

Am Nachmittag zieht der Auto-Tross weiter in Richtung Fahrerlager, irgendwo zwischen Stöffling, Castrum und Logging. Wie sich herausstellt, ist das Fahrerlager nicht viel mehr als eine Wiese. Macht nix: Zum zweiten Teil der Motorzone wird noch mal ordentlich aufgefahren. Originaler Opel Vectra GTS V8 aus der DTM-Saison 2005, zeitgenössischer Audi Sport quattro, ein zweiter – in dieser Version 900 PS starker – Gumpert Apollo und gleich drei BMW M1 Procar – alles da. Von jetzt an geht es Schlag auf Schlag. Die Autos werden in Gruppen eingeteilt und dürfen in zehnminütigen Stints auf die Rennstrecke, die aus Landstraßen und Forstwegen besteht. Das Safety Car, ein Porsche 997 GT3, fährt vorweg. Natürlich standesgemäß mit einem gewaltigen Burnout. Jede Runde aufs Neue. Hier haben eben alle Benzin im Blut.

Die Streckensicherung muss verbessert werden

Die Strecke ist schmal und gesäumt von Bäumen. Die Zuschauer stehen teilweise keine zehn Meter von der Strecke entfernt. Einzig ein Absperrband hält sie von der Straße, während die extrem schnellen und mit gemessenen 134 Dezibel aberwitzig lauten BMW M1 Procar vorbeirasen. Auch wenn Fahrer und Maschinen teilweise älteren Kalibers sind, lassen die Piloten ihre Boliden richtig fliegen. Den Zuschauern wird eine tolle Show geboten, doch der Sicherheitsaspekt wird entscheidend vernachlässigt. Natürlich ist es faszinierend, so nah an diese Geschosse zu kommen, aber eben auch sehr gefährlich. Streckensicherung durch Strohballen wäre meiner Meinung nach das Mindeste.

Der 462 PS starke 4-Liter-V8-Biturbo beschleunigt den Mercedes-AMG GT in 4,0 Sekunden auf Tempo 100.

Beim Vorbild Festival of Speed in Goodwood ist das Publikum besser abgesichert. Bis zum kommenden Jahr bitte nachbessern.
 
Gegen 16 Uhr erwecke ich den 4-Liter-V8-Biturbo des AMG GT per Startknopf zum Leben. Ein letztes Mal. Zweiter Knopf von oben, linke Seite. Die Mittelkonsole trägt eine V-Form mit acht Schaltern und ist eine Hommage an den V8-Motor unter der endlos langen Haube. Den AMG-typisch winzigen Schalthebel auf "D" und schon beginnt die letzte Etappe im GT. Der Blick durch die schmale Windschutzscheibe auf die lange Motorhaube und die davor fahrenden McLaren 650S Spider und Lamborghini Aventador ist einfach unvergesslich. Ein Moment für die Ewigkeit.

Autor: Jan Götze

Stichworte:

Oldtimer Rennwagen

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