Medizinisch-Psychologische Untersuchtung

MPU als Reality-TV

— 28.10.2008

Die Reifeprüfung

Um Hemmschwellen abzubauen, hat der TÜV Süd ein Filmchen über die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) gedreht, das sich potenzielle Kandidaten anschauen sollen. Motto: Ist ja alles gar nicht so schlimm.

Herr Schaller trägt eine schwarze Trainingsjacke mit der Aufschrift "Panther Peak" und hat seine Leberwerte dabei. Seit er im Februar 2008 seinen Führerschein verlor, trinkt er nur noch am Wochenende, aber dann höchstens zwei Bier. Sagt er. Ihm prüfend tief in die Augen sehen können wir leider nicht, denn das Gespräch findet auf dem Bildschirm statt, der vermeintlich reuige Sünder zeigt uns stets nur den Hinterkopf. Herr Schaller – oder vielmehr der Schauspieler, der ihn mimt – stellt einen der etwa 100.000 Autofahrer dar, die jährlich in Deutschland mit Drogen am Steuer erwischt werden und nun ihren Lappen los sind. Wollen sie ihn wiederhaben, müssen sie die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) absolvieren. Ihren Weg durch die auch als "Idiotentest" bekannte Begutachtung hat der TÜV Süd nun aufgezeichnet – auf Video.

Wohlfühl-Atmosphäre beim Tüv

Was passiert wohl bei der MPU? Wer es noch nicht selbst erlebt hat, aber brennend gern darüber etwas wüsste (womöglich weil der eigene Termin näher rückt), kann ab sofort reinschauen: Die Kurzfilme sind zum Download im Internet abrufbereit. Wer allerdings einen unterhaltsam-spannenden Film à la "Der 7. Sinn" erwartet hat, sollte lieber nicht einschalten: Allein die Information steht im Vordergrund, Stunts und Action sind Mangelware. Ein freundlicher Herr mit rot-weiß gestreifter Krawatte führt durch die Geschäftsräume (Motto: "Hier sollen Sie sich wohl fühlen"), der Kandidat wird empfangen, alles geht seeeeehr laaaaangsam und gemütlich zu. Eher unfreiwillig darf geschmunzelt werden; zum Beispiel als die Sekretärin Herrn Schaller darauf hinweist, dass im Warteraum Getränke bereitstehen.

Weder Tribunal noch Weihnachtsmann

Nein, die Filme sind wirklich um die Zielgruppe bemüht: Verunsicherte Ex-Alkoholiker, die eine Sch...-Angst vor dem Gespräch haben. Ob denen geholfen ist? Die insgesamt neun Videobeiträge sind jeweils um die fünf Minuten lang und zeigen die unterschiedlichen Bestandteile einer MPU. Natürlich wird insbesondere das Gespräch, vor dem sich immer noch viele fürchten, sehr verkürzt dargestellt. Dennoch bekommt der Zuschauer einen Eindruck davon, worum es hier geht. Und: Dass der Kandidat weder vor einem Tribunal noch vor dem Weihnachtsmann sitzt. Außerdem wird Herr Schaller beim Ausfüllen der Fragebögen, bei den verschiedenen Reaktionstests und der ärztlichen Untersuchung gezeigt. So anschaulich wie die Sendung mit der Maus, allerdings mehr Sach- als Lachgeschichte. Dafür aber mit einem Hauch Reality-TV: Bis auf Herrn Schaller sind nämlich alle Darsteller echt.

Autor: Roland Wildberg

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