Idiotentest: Tipps für die MPU

MPU: Kosten & Vorbereitung des Idiotentests

Sicher durch die MPU

Führerschein entzogen, jetzt folgt oft die medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU. Das Gerücht, sie sei kaum zu schaffen, macht vielen Angst vor der Prüfung. Doch mit der richtigen Vorbereitung ist der "Idiotentest" zu bestehen.

Promillefahrten: mit Abstand die häufigste Ursache (56 Prozent) für eine MPU.

Führerscheinentzug – das ist für die meisten Autofahrer, die aus beruflichen oder privaten Gründen auf das Auto angewiesen sind, schon eine harte Strafe. Doch um die Fahrerlaubnis zurückzubekommen, ist in einigen Fällen zudem die Teilnahme an einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (kurz: MPU) Vorschrift. Vielen Autofahrern graut es vor der umgangssprachlich Idiotentest genannten Prüfung – hängt von Bestehen oder Nicht-Bestehen doch oft eine Existenz ab. Über 90.000 Autofahrer wurden im Jahr 2016 zur MPU gebeten. Aber die Durchfall-Quote ist hoch: Von ihnen wurden rund 35 Prozent von den Psychologen als "ungeeignet" eingestuft. Etwa sechs Prozent der Teilnehmer mussten nach der MPU zur Nachschulung. Da ist es nicht überraschend, dass unter den Autofahrern Gerüchte kursieren, die MPU sei fast nicht zu schaffen. Dass mit dem Besuch beim Psychologen teils hohe Kosten verbunden sind, erhöht zusätzlich den Druck. Doch ohne die richtige Vorbereitung kann die MPU schnell zum Alptraum werden. Deswegen ist es ratsam, sich vor dem Absolvieren des Idiotentests zu informieren und gegebenenfalls Vorbereitungs-Kurse in Anspruch zu nehmen. Aber: Vorsicht vor reißerischen Angeboten im Internet, die den Erfolg bei der MPU "garantieren". Hier wird oft nur die Angst der Prüflinge ausgenutzt. Woran seriöse Vorbereitungsangebote zu erkennen sind, wie hoch die Kosten für die MPU sind und weitere wichtige Fragen zum Idiotentest, klären wir hier.

Richtige Vorbereitung auf die MPU ist das A und O

Vorab sollte klar sein: Die eine, mustergültige Anleitung zum Bestehen der MPU gibt es nicht. Deswegen ist es wichtig, sich im Vorfeld der Untersuchung mit der Ursache für den Führerscheinentzug auseinanderzusetzen. Zur Vorbereitung auf die Fragen bei der MPU gibt es spezielle Institutionen und Verkehrspsychologen, die seriöse Trainings für den Idiotentest anbieten. Die meisten Begutachtungsstellen bieten kostenlose Informationsveranstaltungen an, in denen auch über die Möglichkeiten zur Vorbereitung aufgeklärt wird. Die Begutachtungsstellen selbst dürfen keine Vorbereitungsmaßnahmen anbieten, oft haben sie jedoch Tochtergesellschaften, in denen Kurse wahrgenommen werden können. So hat die Dekra zum Beispiel die "Dekra-Akademie" oder der TÜV Nord die Gesellschaft "Nord-Kurs". Es empfielt sich zum Beispiel, ein individuelles Beratungsgespräch beim Verkehrspsychologen zu vereinbaren, dieses ist jedoch kostenpflichtig. Meist liegen die Preise zwischen 70 und 100 Euro pro Stunde. Wer sich noch nicht sicher fühlt, kann auch an Vorbereitungskursen teilnehmen, einzeln oder in Gruppen. Hier liegen die Preise je nach Organisation und Veranstaltungsform zwischen 500 und 1000 Euro für einen Kurs mit mehreren Sitzungen. Dabei ist ein seriöses Angebot zur Vorbereitung auf die MPU daran zu erkennen, dass zuvor transparent über alle Kosten und Leistungen aufgeklärt wird und alles in einem Vertrag festgehalten wird. Zudem sollten die Kurse von entsprechend qualifiziertem Personal (z.B. Diplom-Psychologe oder andere Therapeuten mit entsprechender verkehrspsychologischer Fortbildung) durchgeführt werden.

Kosten für die MPU variieren nach Vergehen

Drogenkonsum führt immer häufiger zum Führerscheinentzug.

Die Kosten für eine MPU sind bundesweit einheitlich geregelt. Das ist durch den § 6f im Straßenverkehrs-Gesetz (StVG) vorgegeben. Laut TÜV Nord liegen die Gebühren zwischen 350 und 750 Euro. Wie viel Geld für den Idiotentest letztendlich zu entrichten ist, hängt vom zugrundeliegenden Vergehen ab. Im Falle von Alkohol- und Drogendelikten ist die MPU meist aufwändiger und somit teurer, als wenn der Idiotentest aufgrund eines vollen Punktekontos gemacht werden muss. Doch meist bleibt es nicht bei den Kosten für die MPU. Wer an Vorbereitungskursen teilnimmt, oder Drogen- und Alkoholtests abliefern muss, befindet sich schnell im vierstelligen Bereich.

Ziel, Fragen und Ablauf bei der MPU

Die medizinisch-psychologische Untersuchung soll das Problembewusstsein des Prüfkandidaten feststellen: Erkennt er seine persönlichen Fehler, etwa unkontrollierten Alkoholkonsum oder regelmäßig wiederkehrendes Fehlverhalten im Verkehr? Und kann er glaubhaft machen, dass er sein Verhalten zum Zeitpunkt der MPU bereits gründlich geändert hat? Das Gutachten des Psychologen bietet dann die Entscheidungsgrundlage für das Straßenverkehrsamt, ob der Führerschein neu erteilt werden kann. Jede MPU ist auf den Einzelfall zugeschnitten. Einen festen Fragenkatalog, auf den man sich vorbereiten kann, gibt es deshalb nicht. Vieles ergibt sich aus dem Gespräch mit dem Psychologen. Welche Antworten auf bestimmte Fragen man sich jedoch verkneifen sollte, haben wir in der Bildergalerie unten zusammengestellt.

Idiotentest: Tipps für die MPU

Je nach Vergehen nimmt die MPU zwischen zwei und vier Stunden Zeit in Anspruch. Zu Beginn sind drei Fragebögen zu Lebenslauf, Gesundheit und Anlass des Führerscheinentzugs auszufüllen. Anschließend werden Reaktionstests durchgeführt. Zuvor gibt es dafür eine Übungsphase, damit niemand unvorbereitet ist. Wer diesen Teil der Prüfung nicht schafft, ist aber noch nicht durchgefallen. Ein Gespräch mit einem Arzt samt Untersuchung inklusive Blutentnahme schließen sich an. Den Abschluss der MPU bildet das etwa einstündige Gespräch mit einem Psychologen, der das entscheidende psychologische Gutachten ausstellt.

Durchführung der MPU in staatlich geprüften Einrichtungen

Auch wenn das Punktekonto voll ist, ist der Führerschein weg.

Angeboten wird die MPU von staatlich anerkannten Begutachtungsstellen. Diese gibt es zum Beispiel bei technischen Prüforganisationen (z.B. TÜV, DEKRA). Aber auch andere Institute (z.B. Avus, IBBK, Pima) sind staatlich geprüft und zur Durchführung einer MPU berechtigt. In allen Begutachtungsstellen wird nach den gleichen Kriterien vorgegangen, sodass es für das Ergebnis unerheblich ist, welche Organisation den Test durchführt. Bevor der Idiotentest jedoch stattfinden kann, muss bei der Führerscheinstelle die Neuerteilung des Führerscheins beantragt werden. Die Behörde teilt dann mit, ob dazu eine MPU notwendig ist. Wenn ja, muss die ausgewählte Begutachtungsstelle der Führerscheinbehörde gemeldet werden, die dann die Fahrerlaubnisakte versendet. Sobald sie bei der Begutachtungsstelle eingegangen ist, kann ein Termin vereinbart werden.

Gründe für Anordnung einer MPU

Die meisten MPUs werden in Zusammenhang mit Alkohol am Steuer verordnet. Wer öfter bei Vergehen in Zusammenhang mit Alkohol im Straßenverkehr erwischt wurde, muss den Idiotentest absolvieren. Bei einem Blutalkohol-Wert ab 1,6 Promille reicht schon ein einmaliger Ausrutscher für den Besuch beim Verkehrspsychologen. Auch Drogendelikte sind ein Grund für die Anordnung einer MPU – dabei muss das Drogendelikt gar nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen. Es reicht zum Beispiel, beim Feiern bei der Einnahme von Drogen erwischt worden zu sein, um den Führerschein in Gefahr zu bringen. Neben der MPU ist bei Führerscheinentzug aufgrund von Drogen oder Alkohol zudem ein Abstinenznachweis notwendig. Durch Urin- und/oder Haarscreenings muss bewiesen werden, dass für einen zuvor festgelegten Zeitraum (z.B. sechs Monate) keine Drogen oder Alkohol konsumiert wurden. Der Abstinenznachweis ist bei Drogendelikten immer erforderlich. Bei Vergehen in Zusammenhang mit Alkohol wird er angeordnet, wenn bei der MPU ausgeschlossen werden soll, dass eine Suchtproblematik vorliegt. Ein weiterer Grund für den Idiotentest ist ein volles Punktekonto in Flensburg. Bei anderen Vergehen im Verkehr kann ebenfalls eine MPU angeordnet werden. Dies wird jedoch im Einzelfall entschieden.

MPU nicht geschafft – und jetzt?

Vorab: ein negatives MPU-Gutachten muss der Führerscheinbehörde nicht vorgelegt werden. Deswegen sollte vor der Untersuchung möglichst nicht angegeben werden, dass ein direkter Versand zur Behörde gewünscht ist. Das ist zwar bequem, kann bei negativem Ergebnis jedoch hinderlich sein. Immerhin wird der Bescheid bis zu zehn Jahre in der Führerscheinakte aufbewahrt. Wer beim Idiotentest durchfällt, kann die Untersuchung wiederholen. Es ist aber ratsam, zwischen den MPUs etwas Zeit verstreichen zu lassen und die Phase zu nutzen, um an den Gründen für das negative Ergebnis zu arbeiten. Das Gutachten geht etwa sieben bis zehn Tage nach der MPU bei den Betroffenen ein. Es gibt einen guten Einblick welche Punkte ausschlaggebend waren, ein negatives Gutachten auszustellen. Der neue MPU-Termin kann bei der gleichen oder einer anderen Begutachtungsstelle ausgemacht werden. Die Führerscheinbehörde muss jedoch zuvor darüber informiert werden. Das Ärgerliche an einer erfolglosen MPU: die Kosten werden erneut fällig.

Diese häufigen Fehler sollten bei der MPU vermieden werden

• Nach dem Verlust des Führerscheins zu lange in Schock und Selbstvorwürfen verharren, lieber früh Hilfe suchen – entscheidend für den Erfolg ist eine gute Vorbereitung auf die MPU.
• Die Schuld an der persönlichen Situation abschieben. Etwa auf das Schicksal, auf die Polizei oder auf Freunde, die einen ans Steuer gelassen haben.
• Unvorbereitet zur MPU antreten, die Chancen auf Erfolg sinken dann deutlich.
• Die MPU allein als Bestrafung ansehen und nicht als Chance auf Veränderung, um den Führerschein zurückzubekommen.
• Die mit der Untersuchung befassten Fachleute (Arzt, Psychologe) als Feinde ansehen.
• Sich bei der MPU als Verlierer darstellen, mit dem es das Leben schon immer schlecht gemeint hat, und damit auf Mitleid hoffen.
• Schauspielern, auswendig Gelerntes sowie vermeintlich Gewünschtes vortragen.
• Bei der MPU vorgeben, eigentlich gar kein Problem zu haben. Beschönigen, was zum Verlust der Fahrerlaubnis geführt hat.
• Zur MPU antreten, ohne dass bereits eine Veränderung stattgefunden hat. Bei Alkoholproblemen etwa bei den Trinkgewohnheiten.

Autoren: Roland Bunke, Lena Reuß

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