MTM Audi RS4 gegen Porsche 911 von Techart

MTM Audi RS4 gegen Porsche 911 von Techart MTM Audi RS4 gegen Porsche 911 von Techart

MTM Audi RS4 gegen Porsche 911 von Techart

— 30.08.2002

Willkommen im Club der 300er

AUTOTUNING wagte den Schritt in den Geschwindigkeitsrausch. Mit den Turbo-Geschossen von MTM und Techart bewegten wir uns jenseits der 300-km/h-Marke. Ein Erlebnisbericht.

"Zwo solche Schlidde ware no nie bei mir"

Dem altgedienten Tankwart der Raststätte Feucht an der Autobahn A9 gingen die Nerven durch. Er hatte Mühe, den Zapfhahn geordnet auf den Weg zu bringen. Der Mann war ganz einfach von den Socken. Seine Rührung fasste er in fränkische Wortlaute: "Zwo solche Schlidde ware no nie bei mir auf'm Hof."

Umso schneller lernte er die sportlichen Güter schätzen. Schließlich hatte er im Nu 140 Liter feinstes Super Plus verkauft. Nun ist es zwar vermessen, einen MTM Audi RS4 und einen Techart Porsche 911 Turbo als "Schlitten"zu bezeichnen, doch dort, wo das Automobil eigentlich erfunden wurde, gilt diese Einstufung als Ausdruck höchster Anerkennung.

Und das im Falle des exklusiven Duos zu Recht. Sowohl der RS4 als auch der 911er Turbo sind echte Lustobjekte. Kein Wunder, bei den schon von Haus aus gigantischen Vorgaben an Leistung und Fahreigenschaften.

Das Duell: 602 PS gegen 530 PS

MTM gegen Techart – mal etwas anderes. Die Eckdaten passen erstaunlich gut zusammen. Für den Kombi aus Bayern müssen 100.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Für das Sportcoupé aus dem Schwabenland 70.000 Euro mehr. Motorisch sorgt beim Audi ein mit speziellen Turboladern ausgerüsteter V6-Biturbo für einen guten Ton, wie man ihn aus alten Gruppe-B-Rallye-Videos kennt. Der Porsche dagegen vertraut ebenfalls auf verfeinerte Turbos im Boxermotor-Triebwerk, deren Ladedruck angehoben wurde. Dazu kredenzt Techart eine modifizierte Airbox, veränderte Ansaugrohre und eine markerschütternde Sportauspuffanlage.

602 gegen 530 PS. 1,6 Tonnen Leergewicht im Form eines Transporters gegen 1,4 Tonnen im modisch umgestylten Kleid eines 911er. Die Frage stellt sich: Wie sieht ein Racer-Typ wie der Porsche gegen einen Familien-Kombi aus?

Die schwierigste Übung mit beiden: ein Stück freie asphaltierte Welt zu finden, auf dem man einen Kilometer in weniger als zwölf Sekunden durchfahren kann. Endlich gefunden, wurde einmal mehr deutlich, wie eng vorgegebene Fahrspuren werden können, wenn die Tachonadel sich in Richtung 300 bewegt.

Mit zunehmendem Speed immer steifer

Bäume und Schilder fliegen vorbei. Die Lastwagen scheinen zu parken. 290, 300, 310, der RS4 von MTM schaffte schließlich 320 km/h. Und beide Hände sollten tunlichst fest ins Volant greifen. Der Grund: Der getunte Audi ist ein Vollgas-Tier. So wird die ohnehin knochige Lenkung mit zunehmendem Speed immer steifer.

Auch in den 911er von Techart steigt man mit mulmigen Gefühlen. Schließlich ist bekannt: Der Elfer ab Werk sägt bei hohen Tempi in der Lenkung wie ein Holzfäller, und sein Vorderwagen vermittelt das Gefühl, als wollte er demnächst zu ersten Flugstunden aufbrechen.

Umso erstaunlicher ist es, dass das schwarze Techart-Gewächs – dank der Spoiler-Hilfen an Front, Seiten und Heck sowie des tiefer gelegten Sportfahrwerks – bis über die 250-km/h-Marke hinaus recht satt auf der Fahrbahn liegt. 323 km/h sollten letztendlich auf dem Digitaltacho zu lesen sein. Der Weg bis zum Speed-Olymp ist jedoch nicht ohne. Jedermann erwartet beim Porsche im Leerlauf ein dumpfes Grollen oder Brodeln. Weit gefehlt. Geradezu unspektakulär schnurrt der Sechszylinder vor sich hin. Der RS4 dagegen schnaubt schon kurz nach der ersten Schlüsselumdrehung weit kraftvoller aus seinen zwei Auspuffrohren.

Brachiale Beschleunigungsorgien

Doch mit welcher Elastizität geht dann dieser Porsche-Motor zu Werke! Er dreht gleichmäßig und ohne spürbares Leistungsloch bis auf 7000 Umdrehungen. In jedem der zur Verfügung stehenden sechs Gänge. Wenn knapp über 4000/min erreicht sind, holt er sich die zweite Luft, presst scheinbar mühelos noch mehr PS in die sechs Zylinderköpfe, und die Rücken der Passagiere beulen die Sportsitze noch etwas kräftiger nach hinten aus.

Wer in brachialen Beschleunigungsorgien die Erfüllung sucht, sollte ein Tänzchen mit dem MTM RS4 wagen. Und auf einen heißen Tango gefasst sein. Der Ingolstädter Kombi entwickelt im unteren Drehzahlbereich nicht ganz den Biss des Schwabenpfeils. Aber sobald der maximale Ladedruck ab etwa 3000/min erreicht ist, herrscht Gewitterstimmung. Dann sollte der Asphalt standfest und der Fahrer aufmerksam sein.

In kurzen Abständen gilt es, die abrupt hochschnellende Nadel des Drehzahlmessers im Auge und den Schaltknüppel rechtzeitig in der Hand zu behalten. Dabei kommt der Turbo-Bombe zugute, dass das serienmäßige Sechsgang-Getriebe schon von Haus aus gut abgestuft ist. In Zahlen ausgedrückt: Der RS4 von MTM beschleunigt in 13,1 Sekunden auf Tempo 200. Der Porsche erreicht mit 12,9 Sekunden exakt zwei Zehntel Sekunden eher diese magische Marke.

Fazit und Technische Daten

Am Ziel unserer 300-km/h-Tour glänzen die Augen der Fahrer, die Herzen hüpfen vor Freude, die Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit den beiden Spaßmachern ist groß – auch wenn es "nur" Autos sind. Diese hier haben aber eine eigene Seele. Es gibt keine Chance, sich ihrem Bann zu entziehen!

Das Duell am Morgengrauen

"Wir treffen uns Punkt fünf Uhr morgens im Verlag, verstanden? Denn sonst ist die Bahn voll!", predigte Guido Naumann am Vorabend der AUTOTUNING-Aktion "Duell des Jahres" den Kollegen Tonne, Alisch und Sassen. Es durfte nichts schief gehen, das Wetter musste mitspielen, die Autos sollten heil bleiben und die Lkw-Fahrer ihre Fahrweise auf der A9 am Morgen zwischen fünf und sieben Uhr zügeln.

Dann war es soweit, die Predigt hatte gefruchtet, alle waren pünktlich, sogar die Sonne. Philip Tonne meinte noch: "Ich hätte vor lauter Geilheit des MTM RS4 die ganze Nacht durchfahren können."

Autos tanken, ein Käffchen und los ging es. Gleich der erste Versuch, die beiden Turbos auf Topspeed zu treiben, klappte. Und weil's so schön war, wiederholten wir diese Momente, wie Tacho- und Drehzahlnadel am Anschlag pendelten, gleich mehrmals. Bis uns nach unglaublichen 156 Kilometern leere Tanks stoppten. Das ist neuer Redaktionsrekord.

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