MTM Audi S8 Talladega: Test

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MTM Audi S8 Talladega im Test

— 02.10.2015

Die schnellste Limousine am Sachsenring

Mit einem Audi S8 auf die Rennstrecke – wer kommt denn auf so eine Idee? MTM! Nicht zu Unrecht, wie der Test des 802 PS starken Talladega zeigt.

Als 2011 der extrem erleichterte Hirsch C 63 AMG Tracksport eine Zeit von 1:36,11 Minuten in den sächsischen Asphalt brannte, dachte niemand, dass dieser Wert jemals zu toppen wäre. Porsche Panamera, Mercedes und wie sie alle heißen, sie waren viel zu weit weg von dieser Zeit. Auch als MTM-Chef Roland Mayer eines Tages anrief und mit breiter Brust verkündete, er könne diesen Rekord mit seinem S8 brechen, winkten unsere Redakteure nur ab. Wie bitte soll ein Zweitonner einen C 63-Fast-Rennwagen mit 1600 Kilo auf dieser Rennstrecke schlagen? Dabei helfen auch keine 800, 900 oder 1000 PS. Dennoch, Mayer ließ sich nicht beirren, hielt an seiner Meinung fest – und wir ließen die Probe aufs Exempel zu.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS



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3,1 Sekunden auf 100 km/h und 9,9 Sekunden auf 200 km/h

Statt 520 PS leistet der Vierliter-V8 jetzt monströse 802 PS. Damit erreicht der Zweitonner 325 km/h.

MTM S8 Talladega, der Namenszusatz verweist auf die Nascar-Rennstrecke Talladega-Superspeedway. Der Kurs ist der schnellste im Rennkalender, die bunten Nascars heizen dort mit 340 km/h über die Piste. Ganz so schnell ist Mayers S8 nicht; er regelt bei 325 km/h elektronisch ab – eine reine Vorsichtsmaßnahme für die Reifen. Ohne diese Fessel würde die blaue Limo wohl die 350 locker knacken – und bis dahin noch nicht mal eine Minute brauchen. Schließlich erledigt sie die Standardsprints auf 100 und 200 km/h in nur 3,1 und 9,9 Sekunden.  Ja, Sie haben richtig gelesen und wir uns nicht verschrieben. Ein aktueller Porsche 911 Turbo S schafft das nicht viel schneller (2,8 und 9,6 s). Wie hat er's gemacht, der Roland Mayer? Er spendierte dem 520 PS starken Vierliter-V8 optimierte Turbolader, schraubte eine XXL-Sportauspuffanlage unters Auto und passte die Motorelektronik an. Macht zusammen heftige 802 PS und 945 Newtonmeter. Die beiden neuen Turbolader sprechen im Vergleich zur Serie viel früher an, ein Turboloch ist nicht auszumachen.
Technische Daten
Motorbauart: V8, Biturbo vorn längs
Einbaulage: vorn längs
Ventile / Nockenwellen: 4 pro Zylinder / 4
Hubraum: 3993 cm³
Bohrung x Hub: 84,5 x 89,0 mm
Verdichtung: 9,3 : 1
Leistung kW (PS) b. 1/min: 590 (802) / 6000
Literleistung: 201 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min: 945 / 1750-5500
Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Stufen-Automatik
Bremsen vorn: 400 mm / innenbel. / gelocht
Bremsen hinten: 370 mm / innenbel. / gelocht
Radgröße: 10,5 x 21
Reifengröße: 295/30 R 21
Reifentyp: Michelin Pilot Sport Cup 2
Länge / Breite / Höhe: 5147 / 1949 / 1428 mm
Radstand: 2994 mm
Tankvolumen: 82 l
Kofferraumvolumen: 520 l
Preise: (Euro inkl. MwSt.)
Grundpreis: 116.900 Euro
Extras
Leistungssteigerung: 47.478 Euro
Fahrwerk: 2168 Euro
Radsatz: 6323 Euro
Anbauteile: 22.163 Euro
Interieur: 16.132 Euro
Motorabdeckung Carbon: 2380 Euro
Gesamtpreis: 213.544 Euro

Auch das Getriebe wurde an die Power angepasst

Doch mit Power allein ist es nicht getan. Auch die Kennlinien der Achtstufenautomatik wurden angepasst. Heißt im Klartext: Mayer spielte kurzerhand das Getriebeprogramm des RS 6 auf. Dessen Schaltzeiten sind ab Werk schon kürzer als die des S8. Dazu hob er die Höchstdrehzahl von 7000 auf 7200 Umdrehungen an und senkte den Fahrzeugschwerpunkt mittels Tieferlegungsmodul für das originale Luftfahrwerk um einige Millimeter ab. Erfreuliche Nebenwirkung: Spur und Sturz stellten sich mit dieser Maßnahmen gleich rennstreckengerecht ein. Das aktive Hinterachsdifferenzial, das beim RS 6 Aufpreis kostet, hat der S8 serienmäßig. Ebenfalls ab Werk und unberührt blieben die Keramikstopper. Zusammen mit Michelin-Sport-Cup-2-Gummis auf 21-Zoll-Bimoto-Rädern steht das Schiff aus 100 km/h in beachtlichen 33,6 Metern (warm).

Der riesige Heckflügel ist ein Muss

Heckspoiler auf einer Limousine? Nicht schön, aber Pflicht für die Rennstrecke.

Aber auch um die Aerodynamik kümmerten sich die MTM-Mannen. So erhielt der S8 eine Frontschürze mit größeren Lufteinlässen, Seitenschweller, einen Heckdiffusor und dieses gewaltige Brett. Der Flügel auf dem Kofferraumdeckel mag auf den ein oder anderen polarisierend wirken, wer aber mit dem Talladega richtig schnell unterwegs sein will, der braucht das aerodynamische Hilfsleitwerk für eine ruhige Fluglage. Im Nu liegt Tempo 300 an, dabei stimmt das Auto eine herrliche Komposition aus V8, Turbopfeifen und Auspuffsound an. Aus den Endrohren donnert und böllert es gewaltig, beim Runterschalten gibt es zarte Knaller. Doch diese Limousine kann auch handzahm. Stellt man alle Parameter auf Komfort, das Getriebe auf D, dann gleitet man entspannt dahin, vergisst oft den Speed und erschrickt beim Blick auf den Tacho, weil man fast doppelt so schnell unterwegs ist, wie es Kopf und Gehör gerade suggerieren. Am Sachsenring wird nicht auf den Tacho geschaut. Hier zählt nur eines: die Rundenzeit. Das MTM-Team hat extra für den Rekordversuch einen neuen Satz Michelin Cup 2 aufgezogen. Jawohl, hier steckt ein Semislick auf einer Chauffeurslimousine. Mit 2,2 Bar rundum kalt legen wir los.

Gratulation – schnellster Viertürer auf dem Sachsenring

Der MTM S8 Talladega ist mit einer Rundenzeit von 1:35, 79 min der schnellste Viertürer auf dem Sachsenring.

Schon beim Warmfahren kommt Freude auf. Wie der schon beim Einrollen einlenkt, das erinnert eher an einen R8 als an einen S8. Kurzer Stopp, Luft-Check, von warmen 2,6 zurück auf 2,3 Bar, Feuer frei. 9,66 Sekunden für Sektor eins ist schon mal eine Ansage. Der blaue S8 schiebt an, als wöge er gerade mal die Hälfte. Die zwei Tonnen sind wie weggeblasen, auch als es hinab ins Omega-Kurvenlabyrinth geht. Hier ist der S8 bis auf eine Zehntelsekunde am Hirsch C 63 dran. Kein Untersteuern, dafür unterhaltsames Übersteuern hinunter zur schnellen Kartbahn-Links – völlig ungewohnt für solch einen Luxusliner. Bergan nach der Audi-Kurve spielt der Talladega seine 802 PS aus, an der blinden Kuppe liegen 180 km/h an. Zum finalen Sektor sind die Michelin-Reifen voll auf Touren, der MTM durcheilt die letzten Kurven sprichwörtlich wie auf Schienen und erkämpft sich so den entscheidenden Vorsprung für den Rekord. 1:35,79 Minuten – eine Marke, die so bald kein Viertürer knacken wird!

MTM Audi S8 Talladega: Test

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Autor:

Guido Naumann

Fazit

Am Anfang stand die Skepsis, am Ende steht ein neuer Rekord. Wir verbeugen uns vor MTM-Chef Roland Mayer, sein Audi S8 Talladega geht trotz des Übergewichts besser als viele waschechte Sportwagen. Geradeaus und auf der Rennstrecke überzeugt das blaue Monster mit neuen Fabelwerten. In der AUTO BILD SPORTSCARS-Hitliste ist der agile Zweitonner ab sofort das derzeit schnellste Auto mit vier Türen. 

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