Bedienkonzepte im Test

Multimedia-Bedienkonzepte: Test

— 23.09.2013

Gefährliche neue Autowelt

Telefonieren, Navigationsziele eingeben, im Internet surfen: Immer öfter sind Autofahrer im Blindflug unterwegs. Ein Test des Auto Club Europa (ACE) gemeinsam mit der Uni Salzburg zeigt den Grad der Ablenkung.

Morgens um neun auf der A1 bei Bremen. Ein sonniger Tag, es herrscht starker Verkehr. Wegen einer Baustelle ist das Tempo auf 80 km/h gedrosselt. Dort, wo die Fahrbahn auf eine Spur verengt wird, passiert es: Nahezu ungebremst fährt ein Toyota in einen Lkw der Straßenarbeiter. Der Avensis ist ein Totalschaden, sein 26-jähriger Fahrer schwer verletzt. Die Polizei gibt "unangepasste Geschwindigkeit" als Unfallursache an. Tatsächlich aber ist der Toyota-Fahrer verunglückt, weil er eine SMS geschrieben hat.

Ablenkung im Auto: Marineflieger testet für AUTO BILD

Knopfdruck mit Blindfluggarantie? Bedienkonzepte im Auto erfordern oft zu viel Aufmerksamkeit.

Die Autohersteller bringen immer mehr Funktionen in unsere Neuwagen. Kaum ein Thema beschäftigt die Automobilindustrie aktuell so sehr wie die Vernetzung von Fahrzeugen mit dem Internet. Prinzipiell lobenswert – wenn sich die Systeme mit möglichst wenig Ablenkung vom Straßenverkehr bedienen lassen. Wie gut aber sind die aktuellen Bedienkonzepte wirklich? Um diese Frage objektiv beantworten zu können, hat die Universität Salzburg jetzt einen großen Bedientest mit drei voll vernetzten Kompaktwagen durchgeführt – nach strengen wissenschaftlichen Bedingungen.

Hauptsache bequem: neun Autos im Komfort-Check

Testkandidaten: Wie stark lenken Audi A3, BMW 1er und Mercedes A-Klasse ihren Fahrer ab?

Das wichtigste Ergebnis: Keines der Systeme konnte komplett überzeugen, die gemessene Ablenkung war bei den drei Testkandidaten von Audi, BMW und Mercedes zum Teil gefährlich hoch. Kein Wunder: Reichten einst bei einem VW Käfer vier Schalter und zwei Radio-Drehknöpfe zur Bedienung, sind es in heutigen Autos mehr als zehnmal so viele Schalter, darunter etliche mit Mehrfachfunktionen. Da den Überblick zu behalten ist nahezu unmöglich. So gaben 80 Prozent aller Autofahrer bei einer Umfrage der Sachverständigenorganisation DEKRA an, Schwierigkeiten mit der komplexen Bedienung ihrer Autos zu haben. Keine Frage, unsere Autohersteller müssen sich dringend neue Konzepte einfallen lassen. Wie gefährlich die Ablenkung ist, zeigt ein kleines Rechenbeispiel. Nur zwei Sekunden von der Fahrbahn wegzuschauen bedeutet bei Stadtgeschwindigkeit einen Blindflug von 30 Metern. Das entspricht der Länge von sechs geparkten Autos, zwischen denen jederzeit ein Kind auf die Straße laufen kann.

Der Test des Auto Club Europa (ACE) gemeinsam mit der Uni Salzburg, der zeigt, wie sehr die einzelnen Bedienkonzepte ablenken, umfasste folgende Aufgaben: • Navigation: Ziele während der Fahrt mit Tasten oder über Sprache eingeben • Telefon: Anruf einer Nummer aus dem Telefonbuch per Tasten oder Sprache • Internet: Vorlesenlassen einer Nachricht und Abrufen des aktuellen Wetterberichts.

Wer am besten abgeschnitten hat, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Schöne neue Welt - ganz schön gefährlich

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Telefonieren, Navigationsziele eingeben, im Internet surfen: Immer häufiger sind Autofahrer im Blindflug unterwegs. Wie gefährlich die Ablenkung während der Fahrt ist, hat die Uni Salzburg jetzt mit einem großen Test nachgewiesen:

Veröffentlicht:

17.09.2013

Preis:

2,00 €

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Im Versuch des ACE und der Uni Salzburg schneidet der BMW 1er am besten ab. Die Bedienung seines Multimediasystems lenkt weniger stark vom Straßenverkehr ab als bei Audi und Mercedes. Zweite Erkenntnis: Bei allen drei Testkandidaten bringt die Sprachbedienung deutliche Vorteile gegenüber der manuellen Eingabe. Das kann aber nur ein Zwischenschritt sein und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hersteller sich dringend Gedanken darüber machen müssen, wie Internet, E-Mail und andere Dienste künftig weniger komplex zu handhaben sind. Denn trotz aller Kritik: Missen wollen wir die neuen Funktionen unserer Autos nicht mehr.

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