Mutprobe des Jahres 2007

Mutprobe des Jahres 2007 Mutprobe des Jahres 2007

Mutprobe des Jahres 2007

— 27.12.2007

Was bringt das Herz zum Rasen?

Eine Fahrt in Europas aufreibendster Achterbahn, vom Hochhaus abseilen oder den BMW M3 über die Nordschleife prügeln – was kickt am meisten? AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko stürzte sich ins Abenteuer.

Berlin liegt mir zu Füßen. Mein Herz rast, 165 Schläge die Minute, so schnell wie bei einem 100-Meter-Sprint. Kein Wunder, denn ich stehe im 39. Stock des Park-Inn-Hotels an der Kante zum Abgrund. Gesichert nur von einem schwarzen Seil im Rücken. Oh Gott, was mache ich hier eigentlich? Meine Arbeit, ja, arbeiten. Freiwillig hätten mich keine zehn Pferde zu dieser Hochseilnummer bewegt. Aber als Autotesterin gehört es zum Job, sich im Grenzbereich zu bewegen. Dass der heute 153 Meter über dem Meeresspiegel liegt, das verdanke ich meinen Chefs. Danke, Chefs. Der Auftrag: Herauszufinden, welches Abenteuer am meisten kickt. Abseilen, Achterbahnfahren oder BMWs Businessbeschleuniger M3 im Grenzbereich zu balancieren. Diesen höllenscharfen Sportwagen mit 420 PS, bei dem selbst Werbemenschen die Worte ausgehen.

Aus dem 39. Stockwerk wird Berlin zum Legoland

Auch mir fehlen die Worte. Trotzdem frage ich Guido, der hinter mir steht wie ein in Beton gegossener Zaunpfahl: "Sind alle Karabinerhaken fest verschraubt?" Guido knapp: "Ich möchte nicht in der Zeitung stehen." Gegen den ersten Schritt über die Kante sträubt sich alles. Der Kopf, der Bauch, das Herz. Bis der Kopf sagt: "Du musst." Der Bauch: "Wird schon gut gehen." Das Herz: "Die Anspannung pump ich weg." Meine Hände greifen ein weißes Seil, der Blick geht in die Tiefe. Aus der Vogelperspektive sieht die Hauptstadt aus wie Legoland. Menschen schrumpfen zu Punkten. Der Alex kommt näher. Schritt für Schritt. Höhe fünfundzwanzigste Etage blitzt ein Fotoapparat durchs Hotelfenster. Wohl ein Paparazzo oder Leserreporter, der auf meinen Absturz hofft. Ich verschnaufe ein wenig und hangel mich weiter an der Fassade entlang. Langsam entspannt sich mein Gesicht. Alex, ich komme!

Europas schärfste Achterbahn sorgt für Formel-1-Feeling

Kopfüber: Adrenalin auf Europas schärfster Achterbahn.

Szenenwechsel: Phantasialand in Brühl bei Köln, Black Mamba. Die schärfste Achterbahn Europas verspricht eine Fahrt wie im Fieberrausch. Noch vor wenigen Jahren bestand mein größtes Abenteuer darin, von Hamburg nach München Linie zu fliegen. Nun lauert im braunen Halbdunkel die Mamba. Oben an einer Schiene aufgehängt, Platz für 32 Mutige, funktioniert sie nach dem Seilbahn-Prinzip. Meinen Sitz finde ich ganz vorn. Nach dem Anlegen der Sicherheitsgurte senkt sich der Boden unter den Füßen ab. Hui, ich schwebe! Afrikanischer Trommelwirbel. Die Bahn rauscht in den ersten Looping durch Spiralen und Korkenzieher-Kurven. Fliehkräfte wie in der Formel 1 zerren am Kopf, an den Beinen, verformen mein Gesicht zu einer Fratze. Alles dreht sich. Wo ist unten? Wo ist oben? Ich schreie wie am Spieß. Kurze 45 Sekunden lang, dann endet die Fahrt. Puls: maximal 157 Schläge (BPM). Das muss der BMW M3 erst einmal toppen.

Dazu reise ich an den Nürburgring, um den Kollegen Dierk Moeller-Sonntag zu treffen. Der fährt meistens Vollgas, gern quer, oft am Limit und mal darüber hinaus. Mein Gefühl zum bevorstehenden Rennen: Freude, kaum Aufregung und grenzenloses Ur-Vertrauen in den Fahrer. Da rütteln auch 420 PS und vier Liter Hubraum nicht dran. Fordernd steht der M3 am Start der Nordschleife, muskelbepackt mit einer angeschwollenen Hutze auf der Motorhaube. Beim Einsteigen reicht der Wagen freundlich den Gurt, die Sitzheizung wärmt das edle, beige Leder. Kann so ein komfortabler Sportwagen wirklich böse sein? Er kann! Spätestens nach Drücken des Startknopfs breitet sich ein Klangteppich aus, der mich innerlich berührt wie "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin: wohlig, schaudernd. Gleichzeitig wandert der rote Bereich des Drehzahlmessers blitzartig Richtung 8400 Umdrehungen/min.

Auf dem Beifahrersitz des M3 durch die Grüne Hölle

Lachhaft: Ein M3 kann eine AUTO BILD-Redakteurin nicht schocken.

Die Strecke gehört zu den schlimmsten der Welt. Nicht umsonst heißt sie auch die "Grüne Hölle". Leitplanken gehen auf Tuchfühlung, Kurven lauern hinter Kuppen, kaum ein Streckenabschnitt, der noch keinen Unfall gesehen hat. Moeller-Sonntag am Bergwerk: "Hier liegt das Ohr von Niki Lauda." Ich hör’ wohl nicht richtig. Auf halbnasser Strecke droht das Heck des 3ers auszubrechen, Meister Moeller fängt ihn mit einer zackigen Lenkbewegung wieder ein. Puh, da geht mir doch ein wenig die Pumpe. Ohne elektronische Stabilitätshilfen bewegt er den Über-3er. Das ist nicht nur nacktes Fahrgefühl, das ist der nackte Wahnsinn! Mehr geht nicht. Zumindest, was den Spaß angeht. Der Puls bleibt mit 115 Schlägen pro Minute aber eher entspannt. Ein beruhigendes Ergebnis – oder wie heißt es so schön: einfach Freude am Fahren. Fazit: Den größten Kick habe ich beim House Running verspürt, den größten Spaß hat die Fahrt im M3 gebracht.

Autor: Margret Hucko

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