Mazda MX-5 gegen MG TF und Peugeot 206 CC

Drei Cabrios im Vergleich Drei Cabrios im Vergleich

MX-5 gegen MG-TF und Peugeot 206 CC

— 23.05.2002

Einsteigen zum Schnupperkurs

Mit dem Cabrio in den Sommer – ein unbezahlbarer Traum? Nicht unbedingt. Hier sind drei luftige Einsteiger, die nicht die Welt kosten.

Drei Offene für rund 20.000 Euro

Warum tun Sie’s nicht einfach mal? Das Gesicht im warmen Wind baden, den Duft von knallgelb blühendem Raps in der Nase kosten und schwungvoll die lang gestreckte Kurve nehmen – kurzum, warum schnuppern Sie nicht mal rein in die wunderbare Cabrio-Welt? Wir können es uns denken: Ein verträumter Seitenblick auf Cabrio-Anzeigen genügt, und die Vernunft haut uns auf die Finger wie eine strenge Gouvernante naschenden Kindern.

"Verrückte Idee", poltert barsch diese Stimme in uns, zwingt uns zurück zu Golf- und Astra-Preislisten. Besserwisser-Argument Nummer eins: Offene Flitzer sind teuer. Falsch: Unsere drei Einsteiger kosten alle nur rund 20.000 Euro. Klar, eine Menge Geld. Aber ein ordentlich ausgestatteter VW Golf ist nicht billiger. Argument Nummer zwei: Roadster sind eng und haben nur zwei Sitze. Okay, aber wann sind Sie das letzte Mal zu viert gefahren? Eben.

Nachdenklich geworden? Gut. Dann steigen Sie jetzt nicht gleich in den neuen MG TF. Denn der kauert tief auf der Erde und ist so eng um den Leib geschneidert, dass man den linken Arm am liebsten gleich aus dem Fenster hängen lässt. Im MG nimmt man nicht Platz, man zieht ihn sich an. Ganz klar: Der MG gehört zu der Sorte Roadster, vor der uns Eltern und Ehepartner immer gewarnt haben. Um auf den Geschmack zukommen, probieren Sie am besten erst einmal den Mazda MX-5. Er erscheint im Vergleich vernünftig und versöhnlich.

Mazda MX-5 über die Jahre gereift

Das maßgeschneiderte, bequeme Cockpit grüßt vertraut wie die elterliche Wohnung – trotz diverser Modifikationen gegenüber dem Ur-MX. Die Magie ist geblieben: Jetzt wie vor 13 Jahren zieht der daumenkurze Schalthebel die rechte Hand magisch an – wunderbar. Lange Jahre der Reife machten den Roadster so problemlos wie eine Familienkutsche vom Schlage 626. Eine beheizbare Heckscheibe aus Glas bringt heute nicht nur besseren Durchblick – man kann auch vom Fahrerplatz aus das Dach mit lässigem Schwung nach hinten werfen. Wenn der MG-Fahrer das tut, riskiert er die Unversehrtheit seiner Plastik-Scheibe.

Spätestens wenn anschließend das mühselige Gefummel mit der Persenning losgeht, schlägt die große Stunde des Peugeot 206+ CC. Der schenkt uns ein versenkbares Stahldach aus der großen, teuren Cabrio-Welt. Zwei Riegel gelöst und ein Knopf gedrückt – im Handumdrehen eröffnen Elektromotoren dem Kleinwagen neue Perspektiven. Kleinwagen? Im Vergleich wirkt der 206 vorn so geräumig wie eine offene S-Klasse. Es gibt sogar etwas Platz hinter den Vordersitzen. Den sollte man aber nur Leuten anbieten, die man sonst mit kaltem Kaffee oder trockenen Keksen abspeist.

Die vernünftige Großserien-Basis beschert uns praktische Details wie den größten Kofferraum oder ein riesiges Handschuhfach. Aber auch ein freudloses Armaturenbrett. Und eine schrecklich schwammige Schaltung – man rührt im Getriebe wie ein Maurer im Zementkübel. Andere Welt im MG: präzise die Schaltung, stramm die Kupplung. Da kommt Rennwagen-Feeling auf. Der kleine Vierzylinder mit 115 PS bremst die Fantasie wieder ein. Er brummt zwar kräftig und tritt gut an. Aber hohe Drehzahlen mag er nicht. Und den zu lang übersetzten fünften Gang auch nicht. Trotzdem kommt im MG Freude auf, jedenfalls auf kurvigen Strecken.

Knackiges Fahrwerk im MG TF

Spielerisch geht es im MG um die Ecken – das Mittelmotor-Auto liegt mit der spontanen Lenkung und dem kleinen Lenkrad willig in der Hand wie ein Tennisschläger – auf schnelle Returns muss der Sportler aber gefasst sein. Das Heck kommt spät, aber plötzlich. Das knackige Fahrwerk hat seinen Anteil am reaktionsschnellen Handling – und am miserablen Fahrkomfort: Der MG scannt die Fahrbahn nach Bodenunebenheiten. Alles, was dicker als eine Bandscheibe ist, knallt ruppig zum Rücken durch.

Der gute alte Mazda rollt viel geschmeidiger und sicherer über die Straßen, saust aber genauso schwerelos um die Kurven. Er ist und bleibt das wundervolle Spielzeug für den Ausritt zu zweit. Sollen Motorradfahrer ruhig unter Helm und Leder schwitzen. Im Mazda pfeift uns mehr frische Luft um die Nase als eingepackt auf zwei Rädern. Wo im MG oder Peugeot der Wind Scheitel und Seele nur behutsam streichelt, stürmt es durch den MX-5 wie im herbstlichen Friesland. Verdeck drüberziehen hilft gegen den Wind, aber nicht gegen Lärm. Der 110-PS-Motor tut brav seine Pflicht. Bei niedrigen Drehzahlen legt er munter los, fröhlich knurrend. Bei hohen faucht er, als gelte es, Ferrari und Porsche Angst einzujagen.

Der Peugeot wirkt gegen die beiden wilden Hunde handzahm. Hier kämpft man nicht mit den Elementen, sondern mit der Langeweile – meckern jedenfalls hartgesottene Roadster-Freaks. Ungerecht. Der Peugeot will schließlich kein böser Kurvenräuber sein, sondern nur Farbe in den Auto-Alltag zaubern. Sein praktisches Dach widersteht Wind wie Vandalen, nur in ihm lassen sich lange Autobahn-Etappen leise und entspannt absolvieren. Auch gibt sich das komfortable Fahrwerk alle Mühe, den Passagieren Erschütterungen vom Leib zu halten. Die Sitze sind am bequemsten und bieten den besten Seitenhalt. Der Motor mit 109 PS beschleunigt kräftig, klingt dabei weich und gedämpft. Das schmeckt Leuten, die beim Fahren lieber ein Eis in der Hand halten, keinen vibrierenden Schaltknüppel. Ergo: Der 206 ist der beste Einsteiger für Aussteiger – zumindest für die, bei denen Vernunft und Ehepartner noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden haben.

Fazit und Zeugnis

Fazit Der Peugeot macht den Umstieg in ein offenes Auto so leicht wie nie: Der günstige Preis, das stählerne Dach und die brave 206-Basis garantieren uneingeschränkte Alltagstauglichkeit. Da muss sogar der zuverlässige Klassiker Mazda MX-5 passen. Wenn es vor allem um Fahrspaß geht, gehört er aber zur ersten Wahl. Er fegt spielerisch um die Kurven und bläst so viel frischen Wind in unser Autofahrer-Dasein wie kein anderer. Der MG sieht für mich zwar am besten aus, aber mit seinem harten Fahrwerk und dem zu engen Cockpit ist er nur etwas für kompromisslose Extremisten.

Preise und Betriebskosten

Das beste Angebot ist der Peugeot: Blechdach mit elektrischem Antrieb, dazu rund 2000 Euro billiger als die Konkurrenz. Der MG hat dafür Alufelgen, der Mazda einen sehr guten Wiederverkaufswert.

Technische Daten

Beim MG kommt Rennwagen-Feeling auf (115 PS). Der Peugeot-Motor (109 PS) beschleunigt kräftig, klingt dabei weich. Der Mazda (110 PS) faucht, als gelte es, Ferrari und Porsche Angst einzujagen.

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