Nach dem GP von Europa 2007

Nach dem GP von Europa 2007 Nach dem GP von Europa 2007

Nach dem GP von Europa 2007

— 23.07.2007

In der Königsklasse brodelt es

Die Formel 1 ist spannend wie seit Jahren nicht mehr. Nach zehn Rennen gibt es an der Spitze der WM-Wertung nur ein kleines Gefälle.

Witzbolde machten schon vor längerer Zeit den Vorschlag, die Formel-1-Rennstrecken mit Sprinkleranlagen auszustatten, damit Wasser die Asphaltpisten umspielen und die Rennen so interessanter machen möge. "Den Vorschlag sollte man nach diesem Rennen überdenken", juxte nun auch der dreimalige Weltmeister Niki Lauda. Die kuriose Rutschpartie in der Eifel, der "verrückteste Grand Prix der Welt" ("Gazzetta dello Sport"), zementierte den Eindruck, dass die Formel 1 ihre spannendste Saison seit Jahren erlebt und laut Lewis Hamilton "die am härtesten umkämpfte Weltmeisterschaft", an die er sich erinnern kann. "Tuttosport" jubelte: "Es lebe die Formel 1, die nicht länger ein Synonym für Langeweile ist." Auf dem Nürburgring war die Vollgasbranche in Hochstimmung.

Vier Fahrer haben ernsthafte Titelambitionen

"Ich feiere mehr als einen Sieg", jubelte der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso nach "dem schwersten Kampf" seiner Karriere. "Ich habe zehn Punkte gegenüber Lewis und Kimi gut gemacht und zwei gegenüber Massa." Nach zehn Rennen gibt es der Spitze der WM-Wertung nur ein kleines Gefälle: 1. Lewis Hamilton zwei Siege, 70 Punkte; 2. Titelverteidiger Fernando Alonso drei Siege, 68 Punkte; 3. Felipe Massa zwei Siege, 59 Punkte; 4. Kimi Räikkönen drei Siege, 52 Punkte. Vier Fahrer mit ernsthaften Titelambitionen sieben Rennen vor Saisonende, das hat es in der jüngeren Geschichte nicht gegeben. Ferrari hat zurzeit das schnellere Auto, zumindest im Trockenen, weshalb Teamchef Jean Todt gelassen blieb: "Wir haben das Potenzial, alle Rennen zu gewinnen."

McLaren-Mercedes ist hingegen zuverlässiger. Ferrari-Pilot Räikkönen fiel auf dem Nürburgring bereits zum zweiten Mal aus, die beiden Silberpfeile erreichten dieses Jahr in jedem Rennen den Zielstrich – in immer anderen Konstellationen. Die Zuschauer registrieren das abwechslungsreiche Treiben mit wachsendem Interesse. Durchschnittlich 8,01 Millionen Zuschauer verfolgten den Großen Preis von Europa – diese bedeutet Saisonrekord für RTL. Auch ohne die Attraktion Michael Schumacher halten sich die Marktanteile für den Kölner Privatsender erstaunlich stabil; eine Entwicklung, die bei den derzeitigen Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone eine Rolle spielen wird.

"Wir haben in dieser Saison mit deutlich schlechteren Quoten gerechnet", verrät ein RTL-Manager. Kimi Räikkönen und Felipe Massa sorgen nun bei Ferrari für eine gelungene Show, seit sie gleichberechtigt um Siege fahren dürfen. Schumachers Teamkollegen nahmen bestenfalls den Platz hinter dem Heckflügel des Rekordweltmeisters ein. "Das hat eine gewisse Monotonie auf der Strecke begünstigt", räumt Lauda ein. Ähnlich unangefochten wie Schumacher drehte im Vorjahr Fernando Alonso bei Renault neben dem harmlosen Giancarlo Fisichella seine Runden. Nun hat der Doppelweltmeister in Lewis Hamilton bei McLaren-Mercedes einen Teamgefährten, der das Visier hinunter geklappt hat. Der Debütant bekam am Wochenende einen Crashkurs im Chaos. Er verfehlte als Neunter zum ersten Mal einen Platz auf dem Siegerpodest. Sein Auftritt war dennoch bemerkenswert. Er verdaute einen schweren Unfall und brachte 24 Stunden später das Kunststück fertig, seinen Silberpfeil trotz eines kapitalen Drehers nicht abzuwürgen, sondern nach einer kurzen Pannenhilfe weiterzufahren. "Das war ein Geniestreich", schwärmte Lauda. "Er geht gestärkt aus dem Wochenende hervor."

Einheitsreifen haben zur Belebung beigetragen

Auch die Einheitsreifen, die seit dieser Saison über den Asphalt rollen, haben zur Belebung beigetragen. Das Wettrüsten zwischen Bridgestone und Michelin im Vorjahr riss nur hartgesottene Technikfreaks vom Hocker. Wenn sich die Kräfteverhältnisse unter den Spitzenteams von einem Rennen zum anderen eklatant änderten, hieß es, der "Reifenkrieg" würde die WM entscheiden. Mit den standardisierten Walzen vollziehen sich Leistungssprünge in nachvollziehbaren Zyklen. Auch abseits der Spitze tut sich etwas: Das Spyker-Team, das alle Konkurrenten mit einer exakten Wetterprognose auf dem Nürburgring düpierte, will in der Türkei ein völlig neues Auto präsentieren und das Abonnement auf den letzten Tabellenplatz beenden. Der Toro-Rosso-Rennstall, dem Spykers Angriff gilt, wird offenbar schon nervös. Nachdem Vitantonio Liuzzi und Scott Speed auf dem Nürburgring tölpelig ausgeschieden waren, kritisiert Teamchef Franz Tost: "Es sind nur die guten Fahrer ins Ziel gekommen."

Eigner Gerhard Berger bemüht sich um Ersatz am Steuer. Sein Wunschkandidat ist Sebastian Vettel von BMW. "Er ist eine sinnvolle Alternative für uns", sagt Berger. Die Würze aber verleiht der Formel 1 natürlich das Titelrennen, Feinheiten werden diese WM entscheiden. Alonso ist der erfahrenste und beste Fahrer im Regen, Hamilton der konstanteste und klügste. Massa wird noch immer unterschätzt. Und Räikkönen halten viele für den schnellsten, aber auch am wenigsten engagierten Piloten, dem oft die Technik einen Streich spielt. Alonso hat jedenfalls begriffen: "Es wird verdammt eng zwischen uns vieren."

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