Naturkatastrophe in Japan

Nach der Naturkatastrophe in Japan

— 16.03.2011

Japans Autobauer kämpfen gegen die Zeit

Noch gibt es keinen Engpass bei japanischen Autos. Doch mit jedem Tag, an dem die Bänder in den Werken im Heimatland stillstehen, schrumpfen die Lager.

(dpa) Die wahre Katastrophe droht der japanischen Autoindustrie erst noch. Das Erbeben und der Tsunami haben zwar die Produktion weitgehend zum Stillstand gebracht. Doch noch gibt es genügend Autos, die fix und fertig auf Halde stehen und auf Kundschaft warten. Es gibt auch noch genügend Teile, um neue Autos zu bauen. Erst wenn dieser Puffer aufgebraucht ist, kommen die wahren Schwierigkeiten. "Auch in der Autoindustrie gibt es Lager", sagt Christoph Stürmer von der Beratungsfirma IHS Global Insight. "Die Zeit läuft aber gegen die japanischen Hersteller." Bis zu vier Wochen Produktionsausfall könnten die Konzerne im restlichen Jahr noch ausgleichen, vor allem durch zusätzliche Schichten. Das zeigten die Erfahrungen aus Streiks in der Vergangenheit. "Danach wird's kritisch."

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In den meisten Autofabriken in Japan herrscht derzeit gespenstische Ruhe. Die Bänder stehen still, die Mitarbeiter kümmern sich um ihre Familien. Die verbliebenen Mannschaften reparieren die Schäden, die das Erdbeben und der Tsunami angerichtet haben. Die Fabriken von Honda, Suzuki und Mazda nehmen die Arbeit frühestens Anfang kommender Woche wieder auf; Toyota will seine Endmontagewerke Mitte der Woche wieder öffnen. Mitsubishi hat den Produktionsstart schon am Mittwoch gewagt, doch ob Freitag noch gearbeitet wird, das ließ der Konzern offen. "Es braucht seine Zeit, die Belieferung mit Zulieferteilen wieder ans Laufen zu bekommen", erklärte der Konkurrent Nissan. Er will einzelne seiner Werke ab diesem Donnerstag wieder hochfahren. "Solange unsere Vorräte im Lager reichen", schränkte Nissan aber gleich ein.

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Nach Ansicht von Experte Stürmer hapert es vor allem an der Verfügbarkeit von elektronischen Bauteilen, ohne die ein modernes Auto keinen Pieps tut. Die Produktionsanlagen für die empfindlichen Chips hatten sich beim Beben automatisch abgeschaltet und drohende Stromausfälle erschweren den Neustart. "Es ist sehr schwierig, die Bauteile anderswo auf der Welt zu beschaffen", erläutert Stürmer, "dafür sind sie zu speziell." Für zwei Wochen, so seine Schätzung, reichen die Bestände noch. Der Mangel an Zulieferteilen ist das Horrorszenario für die japanischen Autobauer. Als einer der ersten hat der Reifenhersteller Bridgestone die Produktion am Mittwoch wieder aufgenommen. Toyota wollte seine eigenen Komponentenwerke ab diesem Donnerstag nach und nach wieder in Betrieb nehmen.

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Von diesen Teilen sind auch die Werke der japanischen Autokonzerne in Übersee abhängig. In Japan sitzen große Zulieferer wie Denso (Motorteile, Steuerungen) oder Panasonic (Batterien). Toyota und Subaru haben in den Vereinigten Staaten bereits vorsorglich ihre Produktion gedrosselt, um mit den Lagerbeständen länger auszukommen. Nach Angaben des Branchendienstes Ward's importieren die japanischen Autobauer überdies pro Jahr 1,7 Millionen Autos in die USA, knapp 940.000 nach Europa und gut 580.000 in den Nahen Osten. Selbst heute kommen noch täglich riesige Transportschiffe mit frischer Ware in den Häfen an - sie hatten noch vor der Katastrophe abgelegt. "Schwimmendes Lager" nennen das die Fachleute. Die Lücke tut sich damit erst in ein paar Wochen auf. Die deutschen oder amerikanischen Autobauer sollten sich aber nicht zu früh freuen, dass die Kunden der Japaner dann zu ihnen überlaufen, sagt Experte Stürmer. Dafür sei die ganze Industrie viel zu verzahnt. "Schauen wir uns mal Porsche an", erläutert Stürmer beispielhaft, "die kriegen ganze Getriebe aus Japan geliefert." 

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