Nachbesserungen an Neuwagen

Nachbesserungen an Neuwagen

Nachbesserungen an Neuwagen

— 26.08.2002

Rückrufe auf Rekordniveau

Die Autoindustrie steckt in einem Dilemma. Der Wettbewerb verlangt schnelle Fahrzeug-Entwicklung. Doch darunter leidet die Qualität.

Rückruf-Rekord in Deutschland 2001

Ford ruft 120.000 Fahrzeuge zurück – nur eine von vielen Meldung, die letzte Woche für schlechte Stimmung sorgten. Immer häufiger müssen Neuwagen, wie etwa der BMW 7er, zur Nachbesserung. Die Autoindustrie steckt im Dilemma. Fahrzeughersteller müssen mit dem hohen Wettbewerbstempo Schritt halten. Der Markt verlangt Variantenreichtum bei immer schnelleren Modellwechseln. Kunden fordern hohe Qualität und Sicherheit bei möglichst niedrigen Preisen. Ein Spagat, der den Herstellern immer seltener gelingt. Meldungen über mangelhafte Autos gibt's fast täglich. Seit 1997 hat sich die Zahl der Rückrufaktionen in Deutschland mehr als verdoppelt. Vor fünf Jahren waren es noch 58, letztes Jahr 113 – Rückruf-Rekord!

Vergangenen Montag (19. August) gab Autoriese General Motors (GM) den Rückruf von 720.000 Fahrzeugen in den USA bekannt. Grund: Airbag-Probleme. Störung in den Sensoren, die für die Airbag-Auslösung verantwortlich sind. Noch größere Schwierigkeiten musste der oben erwähnte Ford-Konzern zugeben. Betroffen: der Geländewagen Lincoln "Navigator". Bei den Reifen des deutschen Herstellers Continental können sich Teile der Laufflächen lösen. In Amerika wurden deshalb 120.000 Autos in die Werkstätten geholt. Ähnliches gab's schon vor zwei Jahren. Der Pneu-Partner im damaligen Reifen-Desaster hieß Firestone. Bilanz einer schlimmen Unfallserie von Ford-Explorer-Modellen nach geplatzen Gummis: insgesamt 62 Tote und mehr als hundert Verletzte.

Vergangenen Dienstag meldeten Honda und Mitsubishi Rückrufe in Japan. Und wie sieht's hierzulande aus? Leider auch nicht besser: Der Bayerische Autobauer BMW ruft schon seit Beginn des Jahres zurück. Immer wieder. Erst holten die Münchner 39.000 Mini, 56.000 X5-Geländewagen und 15.000 Siebener in die Werkstätten. Vorigen Mittwoch (21. August) traf es auch noch die erfolgreiche Dreier-Baureihe. Bei den US-Autos des Baujahres 1999 könne der Seitenairbag ohne Aufprall auslösen. Ein fataler Fehler.

Alle internationalen Hersteller betroffen

Jeder Rückruf ist eine teuere Angelegenheit und stellt den Hersteller vor finanzielle Schwierigkeiten. Ganz zu Schweigen vom Imageschaden. Für den Reifen-Rückruf rechnet Continental mit 20 Millionen Euro Kosten. Der Pneu-Produzent tauscht die fehlerhaften Gummis gratis. In den USA schlägt BMW's Dreier-Rückruf mit einer Million Euro zu Buche. Hierzulande kosten die Nachbesserungen am Siebener etwa 3,4 Millionen Euro, Mini und X5 zusammen 6,3 Milionen Euro. Mangel-Beseitigungs-Maßnahmen treffen fast alle internationalen Hersteller.

Warum? Die Antwort darauf hat Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) in Bamberg: "Die Produktentwicklung wird in einen immer unrealistischeren und unseriöseren Zeitplan gepresst. Da müssen bei Herstellern und Zulieferern Fehler passieren". Eine Lösung für das Problem ist schwierig. "Die Wettbewerber werden bei der Entwicklung nicht vom Gas gehen." Ein möglicher Weg ist laut Meinig die strengere Behandlung der Konzerne durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). "Das KBA muss Instrumente entwickeln, damit Rückrufaktionen auch wehtun." Zwar kosten die Rückrufe die Hersteller schon jetzt Milliarden. Doch, so Meinig weiter, müsste es Sanktionen geben, die weiter gehen.

Eine Hauptursache für die Häufung von Rückrufaktionen ist die Bordelektronik. "Sie wird noch nicht völlig beherrscht", erklärt Meinig. Auch Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IAW) glaubt: "Mit neuen Technologien sind immer Risiken verbunden." Daher wird die Zahl der Rückrufe auch künftig nicht sinken. Doch eine mögliche Lösung für das Dilemma zwischen Wettbewerbsdruck und Pkw-Anfälligkeit sieht Diez: "Die Hersteller sollten die Qualitätskontrolle nicht den Lieferanten überlassen. Sonst werden Fehler erst entdeckt, wenn die Serienproduktion schon angelaufen ist."

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