Nachhaltigkeitsvertrag für VW-Angestellte

VW will Lohnstruktur vereinfachen VW will Lohnstruktur vereinfachen

Nachhaltigkeitsvertrag für VW-Angestellte

— 24.08.2004

VW will Lohnstruktur vereinfachen

Konzern sieht keinen Spielraum für Gehaltserhöhungen. Konter der IG Metall: "Unrealistisch und überzogen."

Hartz fordert Nullrunde für zwei Jahre

Die Volkswagen AG und die Gewerkschaft IG Metall steuern auf einen harten Tarifkonflikt zu. "Es besteht Null Spielraum für Einkommenserhöhungen", sagt VW-Personalvorstand Peter Hartz, als er das Konzept für die Tarifrunde 2004 vorlegt. Eine Nullrunde für die nächsten 24 Monate ist nur ein Teil des sieben Punkte umfassenden "Nachhaltigkeitsvertrags", den VW der Gewerkschaft vorschlägt, um allen 176.544 Beschäftigten im Inland den Arbeitsplatz zu erhalten.

Die IG Metall bezeichnet die Forderungen von Hartz als unrealistisch und überzogen. Der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine, Verhandlungsführer der VW-Arbeitnehmer sagt, der VW-Personalchef habe nur allgemeine Sprechblasen von sich gegeben. Die Gewerkschaft fordert vier Prozent mehr Lohn und eine Arbeitsplatzgarantie. Die Tarifrunde beginnt am 15. September.

Hartz rechnet mit schwierigen Gesprächen. "Die Verhandlungen in dieser Runde werden sicher intensiver verlaufen als es sonst üblich war", sagt er. "Wir werden sehr konsequent verhandeln müssen." Die schwierige Lage auf den Automobilmärkten weltweit, die Preiskämpfe und Wechselkursschwankungen ließen dem Konzern keine Wahl.

Mit dem vorgelegten Vertrag soll die Wettbewerbsfähigkeit des größten europäischen Autobauers gestärkt werden. Hartz erklärt, daß VW bei den Personalkosten einen Nachteil gegenüber den deutschen Wettbewerbern von elf Prozent habe. Den gelte es zu verringern. Denn wenn die Arbeitsplätze in Deutschland sicher sein sollten, brauche Volkswagen deutlich bessere Kostenstrukturen. Bis 2011 rechnet der VW-Personalvorstand mit Einsparungen bei den Personalkosten von insgesamt rund zwei Milliarden Euro, sollte der Vertrag zustande kommen. "Das bedeutet nicht, daß die heutigen Mitarbeiter weniger in der Tasche haben", so Hartz. Insgesamt sollen die Arbeitskosten bis 2011 um 30 Prozent sinken.

Den vorgeschlagenen Vertrag sieht der VW-Personalvorstand als "klares Bekenntnis für die Arbeitsplätze an unseren deutschen Standorten". Der Vertrag funktioniere nur, wenn die Entgeltpolitik mit der Ertrags- und Ergebnissituation des Unternehmens atme. Dazu benötige der Konzern ein neues, radikal vereinfachtes Vergütungssystem mit hohen variablen Gehaltsbestandteilen.

Entgeltpolitik und Flexibiltät

Entgeltpolitik: In der Vergangenheit verdienten die VW-Beschäftigten deutlich mehr als die Konkurrenz, weil Wettbewerber tarifliche Gehaltserhöhungen mit übertariflichen Bestandteilen verrechnet haben, VW aber nicht. Hartz sagt: "Diese Kostenschere zu Gunsten des Wettbewerbs müssen wir schließen." Neben den beiden vorgesehenen Nullrunden sieht der Hartz-Vertrag auch vor, die Bestandteile des Entgelts variabler zu gestalten. So soll der im November fällige Mindestbonus von 1200 Euro künftig vom Erfolg des Unternehmens abhängig sein. Langfristig denkt VW an einen variablen Anteil von rund 30 Prozent des Gesamteinkommens der Mitarbeiter.

Job-Families: In den sogenannten Job-Families sollen verwandte Tätigkeiten und Funktionen über bestehende Hierarchiegrenzen hinweg zusammengefaßt werden. VW hat derzeit 22 Entgeltstufen und mehr als 4000 Tätigkeitsbeschreibungen. "Diese Komplexität müssen wir radikal vereinfachen, prozeß- und leistungsorientiert umbauen und mit variablen Bestandteilen versehen", so der VW-Personalvorstand. VW stellt sich dabei zwölf Entgeltstufen vor. Ab dem 1. Januar 2005 sollen sich die Entlohnung für alle neuen Mitarbeiter am Modell Auto 5000 orientieren. Dabei werden die Beschäftigten nicht nach Stunden, sondern nach Zahl der hergestellten Autos entlohnt. Sie bekommen dann 2550 Euro pro Monat. Für die heutigen Mitarbeiter wolle man einen Besitzstand verhandeln. Dieser Punkt erfülle auch die Vorstellung der IG Metall über eine einheitliche Vergütung von Arbeitern und Angestellten, sagt Hartz. Mit den Job-Families werde der "Nukleus für einen europäischen Tarifvertrag in 25 Ländern" gelegt.

Flexibilität: Das System der Arbeitszeitkonten soll von 200 auf 400 Stunden ausgeweitet werden. Entstehende Personalüberhänge bis zu mehreren Tausend Personen könnten so kostenneutral gesteuert werden. Mehrarbeitszuschläge sollen erst bei einem Überschreiten der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 40 (bisher 35) Stunden fällig werden.

Arbeistzeit und Ausbildung

Arbeitszeit: Die Arbeitszeit soll künftig vom Alter abhängen. Jüngere haben nach den Plänen des VW-Personalvorstands eine höhere, ältere eine niedrige Arbeitszeit. Zusätzlich zum Zeit-Wertpapier, mit dem Mitarbeiter bereits heute systematisch Zeit ansparen, soll es weitere Zeit-Wertguthaben geben. Die Gutschriften kann der Mitarbeiter dazu verwenden, früher bei vollem Gehalt in Rente zu gehen. Darüber hinaus will Peter Hartz die Anwesenheitszeit im Unternehmen neu definieren. Neben der Wert schöpfenden Zeit gebe es zum Beispiel auch Kommunikationszeit, Qualifizierungszeit und Pausenzeit. Bei der Auto 5000 GmbH sind etwa Qualifizierungszeiten mit 50 Prozent bewertet. Das bedeutet, Unternehmen und Mitarbeiter teilen sich die Kosten.

Gesundheit: Der Volkswagen-Konzern will den Beschäftigten künftig bestimmte Leistungen wie Zusatzversicherungen etwa für Zahnersatz, Brille oder Krankenhaus sowie medizinische Angebote bieten. Im Gegenzug gleicht die Belegschaft die Kosten, die dem Konzern durch krankheitsbedingten Ausfall entstehen, pauschal durch zusätzliche Arbeit oder Verrechnung von Tarifleistungen aus.

Co-Investment: Mit dem so genannten Co-Investment will Hartz den Wettbewerb unter den Standorten anheizen. Jedes Werk soll die Chance haben, bei internen Ausschreibungen besser bieten zu können. Das einzelne Werk kann etwa zeitlich befristet längere Arbeitszeiten planen und so den Zuschlag etwa für die Produktion eines neuen Modells erhalten.

Ausbildung: VW bietet der IG Metall an, die Zahl der Ausbildungsplätze um 20 Prozent zu erhöhen. Allerdings will das Unternehmen die Ausgebildeten künftig nach Bedarf übernehmen und sich bei der Auswahl noch stärker an der Leistung orientieren. Die Ausbildungsvergütungen, die zur Zeit gut 20 Prozent über dem Niveau der Metallindustrie liegen, sollen sinken. Mit dem Geld will Volkswagen 250 zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen.

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