Nachspiel für Schumi

Nachspiel für Schumi

— 08.06.2006

Ab auf die Anklagebank

Michael Schumacher muß am 9. Juni vor ein Formel-1-Gericht. Er soll sich vor seinen Kollegen erneut zur Parkaffäre in Monaco äußern.

Was würde Michael Schumacher bloß ohne seine Homepage tun? Die persönliche Internetseite ist für den siebenmaligen Formel-1-Weltmeister in den Tagen zwischen zwei Rennen das wichtigste Instrument zur Außendarstellung. "Wir müssen Boden gutmachen und wollen damit in England beginnen. Unser Ziel jedenfalls steht außer Frage: Wir fahren nach Silverstone, um zu gewinnen", ließ der Ferrari-Pilot wissen. Die Tests vorige Woche in Barcelona "stimmen zuversichtlich".

Als ob es nur darum ginge, am Sonntag beim Großen Preis von England (ab Sonntag, 13 Uhr, live im Ticker bei autobild.de) den Abstand von 21 Punkten auf den Weltmeisterschaftsführenden Fernando Alonso zu verkürzen. Denn schon das Vorgeplänkel verspricht Brisanz. Michael Schumacher wird sich noch einmal wegen der Parkaffäre von Monte Carlo einem Formel-1-Gericht stellen müssen. Seine Fahrerkollegen wollen den Ferrari-Piloten zur Rede stellen.

Für die Inquisition ist der Freitagnachmittag reserviert, wenn die Fahrerinteressengemeinschaft GPDA gewöhnlich über Sicherheitsfragen berät. Der Kurs nordwestlich von London gilt wegen der hohen Kurvengeschwindigkeiten als extrem gefährlich, aber oberste Priorität soll die Akte Schumacher haben. Der Fehlgriff im Fürstentum wird von vielen Kollegen nicht nur als unfair gewertet, sondern auch als Gefährdung des Rennverkehrs. "Man wird Michael zur Rede stellen", posaunte Toyota-Pilot Jarno Trulli. "Er kann vielleicht den Medien erzählen, was er will, aber bei den Fahrern kann er das bestimmt nicht tun."

Schumacher soll den Männern vom Fach erklären, warum er beim umstrittenen Manöver in der Rascasse-Kurve um 45 Prozent heftiger auf die Bremse trat als in den Runden zuvor; warum er bei etwas über 20 Kilometern pro Stunde ein weiteres Mal nach links lenkte. Und warum er beim Einlegen des Rückwärtsgangs den Motor abwürgte.

Der Beschuldigte will sich offenbar auf keine Diskussionen einlassen. Schumacher beharrt darauf, einen Fahrfehler begangen zu haben. "Ich glaube nicht, daß die Fahrer mich ansprechen müssen. Wenn sie Erklärungsbedarf haben, werden sie mit den Stewards reden." Es wird mit einer frostigen Atmosphäre gerechnet, denn auch Williams-Pilot Mark Webber will Schumacher an den Pranger stellen. "Für Ferrari und Michael mag die Sache erledigt sein, für uns nicht."

Die Grand Prix Drivers' Association (GPDA), die 1961 gegründet wurde, tagt vor fast jedem Rennen und tritt für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz ein. Im Vorjahr drohte das Gremium mit Streik, als nach der Reifenaffäre von Indianapolis der Automobilweltverband Fia von der geforderten Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bei Testfahrten absah. Schon damals verlor Schumacher bei vielen Piloten an Kredit, weil er sich weigerte, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der die Kollegen aus "Gründen der Sicherheit" ihren Startverzicht in Indianapolis erläutert hatten. Bei den letzten GPDA-Gesprächen stand das faire Miteinander auf der Piste im Vordergrund.

Die Mitgliedschaft ist nicht verpflichtend, dennoch nehmen alle renommierten Piloten bis auf Kimi Räikkönen an den Beratungen regelmäßig teil. Und selbst der finnische Vizeweltmeister zahlt den Jahresbeitrag von 1000 Euro, zu dem noch einmal 100 Euro für jeden WM-Punkt hinzukommen.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.