Nachtsichtgeräte sind nur so gut wie der Fahrer, fanden Unfallforscher heraus.

Nachtsicht-Assistenten

— 02.12.2008

Keine große Hilfe

Unfallforscher haben die viel gepriesenen Radaraugen untersucht und ziehen ernüchtert Bilanz: Die Geräte bringen nachts zwar Licht ins Dunkel, unterstützen den Fahrer jedoch zu wenig. Schlimmstenfalls lenken sie ihn sogar ab.

Die Aussicht klingt erst einmal begeisternd: Wo bisher hinter dem Scheinwerferkegel schwärzeste Finsternis begann, in die man nachts ahnungslos hineinsauste, tastet jetzt bei vielen Luxusautos – und irgendwann vielleicht in jedem Typ – ein Nachtsichtgerät per Radar und Infrarot-Sensor alles ab. Hindernisse auf der Fahrbahn wie Menschen, Tiere oder unbeleuchtete Gegenstände werden auf diese Weise kenntlich gemacht. Doch die Assistenten, die Licht ins Dunkel bringen sollen, haben auch ihre Tücken. Wie die Unfallforschung der Versicherer bei der Untersuchung herausfand, steht die Effizienz der Systeme in hoher Abhängigkeit zu den Fähigkeiten des Fahrers, die dargebotenen Informationen auszuwerten und darauf optimal zu reagieren. Kann er das nicht, geht die Wirkung des Assistenten gegen Null – oder kann schlimmstenfalls sogar schaden, wenn er den Fahrer vom Geschehen auf der Straße ablenkt.

Bis zu acht Prozent Wirkpotenzial

Für die Untersuchung wurden 191 Unfälle ausgewertet, die sich bei Dunkelheit zwischen Auto und Fußgänger ereignet hatten. "Die Systeme sind in der Lage, gerade Unfälle außerhalb geschlossener Ortschaften, die sich bei hohem Tempo ereignen, positiv zu beeinflussen", folgerten die Unfallforscher. Insgesamt wurde ein Wirkpotenzial von bis zu acht Prozent, bezogen auf alle Unfälle, ermittelt. Dies könne allerdings sogar ins Gegenteil umkehren. Auch habe sich gezeigt, dass eine Verbesserung der Lichtsysteme die Effizienz des Nachtsichtassistenten stark herabsetzt. Wird die Lichtleistung von 38 auf 50 Meter gesteigert, wird das Potenzial des Radarauges um die Hälfte reduziert. Aus der Studie folgern die Unfallforscher, dass heutige Nachtsichtsysteme die in sie gesteckten Erwartungen noch nicht erfüllen. Erst eine zweite Generation von Assistenten könne spürbare Verbesserung bewirken, da sie ein Objekt auf der Fahrbahn nicht nur orten, sondern auch den Fahrer davor aktiv warnen. 

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