NAIAS 2008, Teil 4

— 15.01.2008

Fernost trifft Wildwest

Noch werden sie eher belächelt als beachtet, die chinesischen Hersteller auf der Detroit Auto Show. Doch Tempo und Lernvermögen der Autobauer aus Fernost lassen ahnen: Das Lachen wird der Konkurrenz noch vergehen.



Noch präsentieren die Chinesen ihre Autos im Keller der Cobo Hall von Detroit. Abseits der großen Publikumsströme, eher belächelt statt beachtet. Der wichtigste Manager jeder Marke spricht ausschließlich Chinesisch, das mühsam übersetzt wird. Und die Präsentationen kommen vom Laptop und haken bisweilen. Doch was die fernöstlichen Newcomer verkünden, verrät eine Menge über Tempo und Lernvermögen der Autobauer. Allen voran Geely, der größte private Autohersteller Chinas. "In spätestens fünf Jahren haben wir ein Auto für 4000 Dollar", so Vizepräsident Dr. Frank Zhao. Der eloquente Manager rattert die – in der Tat beeindruckenden – Eckdaten seiner Firma herunter: neuen Fabriken zum Jahresende, 1400 Ingenieure, Motoren von 1,0 bis 3,5 Liter Hubraum, selbst entwickelte Automatikgetriebe und, ganz wichtig: "Wir sind unabhängig beim Bau des Antriebsstrangs", verkündet Shao stolz. Bis 2013 sollen 15 neue Modelle kommen, die von 4000 bis 70.000 Dollar kosten. Ein Ritterschlag, denn andere Chinesen verbauen nur fremde Motoren. Der Geely-Vize: "Wir entwickeln sogar Mild- und Vollhybriden!"

"In drei bis fünf Jahren kommen wir auf den US-Markt"

Der Changfeng CS6 Liebao kostet in China rund 20.000 US-Dollar. Auf dem westlichen Markt hätte das SUV keine Chance.

Schön, aber nach Detroit bringt Geely bodenständigere Autos, vom 4,00 Meter langen Fünftürer MK, einem Kompakten im Golf-Look, bis zum FC. Die 4,60 Meter lange Stufenheck-Limosuine (1,8-Liter-Benziner, 140 PS 185 km/ Spitze) hat etwa Vectra-Größe. Sogar von neuen Fabriken in Europa und Mexiko spricht Manager Shao, doch auf konkrete Zahlen angesprochen, wird er prosaisch. "Wann wir in die USA kommen? Wenn wir willkommen geheißen werden." Weit offener gibt sich Zhang Huaping. "Wir haben noch viel zu lernen. Bei Emissionen, Homologation und Abstimmung erreichen wir nicht westliches Niveau", sagt der Entwickler von Changfeng. Die Marke tritt allerdings auch eine Nummer kleiner an als Geely und zeigt in Detroit den Liebao CS6, der in China rund 20.000 US-Dollar kostet. Ein SUV, das in Stil und Finish keine Chance auf dem westlichen Markt hätte und nur als Aushängschild dient. "In drei bis fünf Jahren kommen wir auf den US-Markt", so Zhang Huaping. Neben dem hausbackenen SUV steht der Liebao CS7, der ab August gebaut wird. Die 4,21 Meter lange Kreuzung zwischen SUV und Van zeigt, wie schnell Changfeng lernt. Der Allradler hat einen 2,0 Liter großen Benziner und geht zumindest vom Design kratzfrei durch die Augenkontrolle.

Der BYD F8 gleicht auffällig stark dem VW Eos

VW Eos-Design gepaart mit CLK-Scheinwerfern und Mitsubishi-Motor: Heraus kommt der BYD F8.

Als dritte chinesische Marke stürzt sich BYD in das Abenteuer einer westlichen Pressekonferenz. Doch was Chairman Wang Chuanfu verkündet, lässt aufhorchen. BYD (Markenslogan: Build your dream, übersetzt: Verfolge Deinen Traum) ist weltweit führender Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus und hält 30 Prozent Marktanteil bei Handybatterien. Erst seit fünf Jahren baut BYD Autos, präsentiert aber bereits eine Palette von fünf Modellen. Die reicht vom F3, einem gesichtslosen Stufenheck im Polo-Format, bis zum F8, einem Cabrio mit versenkbarem Hardtop, "das wir selbst entwickelt haben", so Mr. Wang. Die Vierzylinder-Benziner stammen von Mitsubishi. Dass der offene Viersitzer im Design verräterisch einem VW Eos gleicht, der das Vier-Augen-Gesicht eines Mercedes CLK aufgesetzt bekam, könnte ein Gericht beschäftigen. Aber an einen Import ist nicht gedacht, "frühestens in drei bis fünf Jahren". Diese Zahl taucht inzwischen verdächtig oft auf.

Viel mehr Eigenständigkeit beweist der F6. Die 4,86 Meter lange Limousine im E-Klasse-Format muss als Benziner mit einem 140 PS starken 1,8-Liter-Benziner auskommen, soll jedoch bald moderne Unterstützung bekommen. Die BYD-Manager enthüllen unter erstauntem Applaus die Studie F6 DM, was für Dual Mode steht. Der Hybrid fährt mit einem 75 Kilowatt starken E-Motor 60 Meilen rein elektrisch, spätestens dann schaltet sich der kleine 68 PS-Benziner zu. "Wir glauben, dass ein Voll-Hybrid auf absehbare Zeit das attraktivste System sein wird", so Chairman Wong. Eine Ansicht, die er mit dem Hybrid-Vorreiter Toyota teilt. Bedeutung bekommt seine Aussage, weil BYD als Experte in Lithium-Ionen-Batterien gilt. Eine echte Schlüsseltechnik, an der Spitzenforscher in der ganzen Welt unter Hochdruck forschen. Durchaus möglich, dass die Chinesen eigene Elektro-Antriebe früher bauen werden als eigene Benziner. Dann stellen Chinas Marken nicht mehr im automobilen Untergeschoss aus.

Hier geht es zur Sonderseite der NAIAS 2008!

Autor: Joachim Staat



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