NAIAS-Rundgang 2009, Teil 2 — 12.01.2009
Amerika hat das Siegen verlernt
Große Depression in Detroit: Die erste Autoshow des Jahres zeigt die dramatischen Veränderungen in der PS-Branche – und viele alte Schwächen. Die großen Drei sind gerade erst aufgewacht.
Krise? Welche Krise? Hört man den Bossen der großen US-Autobauer auf der
NAIAS 2009 zu, so gibt es keine Probleme. Mit markigen Superlativen feiern sie sich selbst und damit die Friedhofsstimmung einfach weg. Schließlich sei man prächtig aufgestellt für die Zukunft, die Verkäufe zögen an, und überhaupt sei man technologisch doch ganz weit vorne. Meilenweit. Und damit die frohen Botschaften den gewohnten Applaus erhalten, haben GM und Co Arbeiter, Rentner und Freiwillige mobilisiert, die als bestellte Claqueure in diesen dunklen Tagen für gute Stimmung auf der Messe sorgen sollen. Echt peinlich.
Immerhin gibt es tatsächlich Licht am Ende des Tunnels. Erstmalig stehen nicht nur riesige Pick-up-Monster und Musclecars im Rampenlicht, sondern
Elektro-Mobile und Hybrid-Modelle.
Chryslers Vision vom grünen Auto heißt 200C EV, eine durchaus stimmige Elektro-Limousine mit 268
PS, die allerdings frühestens 2012 kommen könnte – so es
Chrysler dann noch gibt. Bei GM wird die Parade der Neuheiten angeführt vom
Chevy Volt (in Rüsselsheim entwickelt, kommt 2010), gefolgt vom koreanischen
Chevrolet Aveo und dem deutschen
Opel Insignia. So richtig amerikanisch mag GM offenbar nicht mehr rüberkommen. Dass der neue
Buick LaCrosse die Insignia-Plattform verwendet, passt da gut ins Bild. Schließlich muss GM-Boss Rick Wagoner dem US-Senat beweisen, dass der Konzern die vielen Milliarden Dollar Staatshilfe in die Entwicklung sparsamerer Autos steckt.
Show muss sein bei den verschlafenen Drein
Luxus-Coupé: Converj heißt die Elektro-Studie, die Cadillac zur NAIAS aus dem Hut zauberte.
Ein Ausblick darauf ist die Studie
Cadillac Converj, die GMs Entwicklungschef Bob Lutz gewohnt vollmundig als "weiteren Meilenstein bei der Neuerfindung des Automobils" preist. Das Luxus-Coupé soll 65 Kilometer rein elektrisch fahren können. Ist die Batterie leer, springt ein Benzinmotor an, lädt die Akkus und schafft so eine Reichweite von mehreren Hundert Kilometern. So funktioniert ja auch der
Volt, und da GM es mit seiner Elektrostrategie ernst meint, firmiert diese Technik ab sofort unter dem Titel "Voltec". Bestellter Applaus auch bei
Ford. Besonders als der alte Oktan-Onkel Caroll Shelby eine neue Hochleistungsversion des
Mustang Shelby GT 500 mit 540 Kompressor-PS mit quietschenden Reifen auf die Bühne fährt. Ganz ohne Show geht es eben doch nicht. Schon gar nicht bei den verschlafenen Drei aus Detroit.