Rost frisst an jedem Auto, auch an diesem schönen, alten Käfer.

Nano statt Chrom

— 02.12.2008

Nie wieder Rost?

Wissenschaftler haben ein Material entwickelt, das Autos hervorragend vor Verrottung schützt. Es wird wie Lack auf Metallteile aufgetragen und bleibt selbst dann intakt, wenn diese bei einem Unfall verformt werden.

Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft haben ein Material entwickelt, das Eisen wie ein Panzer umhüllt und so wirksam vor Rost schützt. Dabei ist es derart hauchdünn, dass selbst bei Verformung der Teile – zum Beispiel durch einen Unfall – die Schutzschicht nicht beschädigt wird. Möglich macht das eine chemische Substanz auf Silizium-Basis, die wie Lack aufgetragen wird. Die Sol genannte Substanz erhält eine Pulverbeschichtung und wird anschließend in einem Ofen bei 150 bis 200 Grad Celsius ausgehärtet. Die Nano-Substanz ist nur wenige Moleküle dick – schmaler als ein tausendstel Millimeter – und reagiert daher sehr elastisch auf Krafteinwirkung. Ähnlich der kratzfesten Schutzschicht auf einer Brille wird sie äußerst hart. "Die Eigenschaften des Materials ähneln sowohl Glas als auch Kunststoff", sagt die Projektleiterin Dr. Johanna Kron vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg.

Ausgangspunkt war die Suche nach Ersatz: Bis 2007 war es üblich, Autokarosserien mit einer dünnen Schicht aus chromhaltigem Material gegen Korrosion zu schützen. Doch seit einem Jahr ist die Verwendung des stark giftigen und krebserregenden Stoffs in der Europäischen Union verboten. Nach zweieinhalb Jahren Forschung glauben die Fraunhofer-Wissenschaftler nun einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. "Die neu entwickelten Nanomaterialien, die im Sol-Gel-Verfahren hergestellt werden, haften gut auf den meisten der untersuchten Verzinkungsvarianten", sagt die Projektleiterin. Selbst brutale Härtestest widerstand der Nano-Lack: So wurden mit ihm überzogenen Eisenteile für 15 Tage in eine Kammer, in der bei 35 Grad Lufttemperatur eine Salzlösung kontinuierlich vernebelt wurde. Trotz idealer "Brutbedingungen" für Rost blieben die Bleche völlig unversehrt. Auch zehn Tage in einer Klimakammer mit 100 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit überstand das Eisen ohne Korrosion.

Prinzipiell auch Restaurierung

Bevor das neue Material zugelassen werden kann, sollen noch weitere Tests hinsichtlich der Haftfähigkeit auf anderen Metallen durchgeführt. werden. In fünf Jahren, schätzt Dr. Kron, könnte der unsichtbare Panzer auf den Markt kommen. Allerdings nicht in der Sprühdose für den Hobbyschrauber – diese Dosierungsform ist ungeeignet, weil die Aushärtung bei hohen Temperaturen nicht in kleinem Rahmen bewerkstelligt werden kann Daher eignet sich das Material vornehmlich für Neuwagen, da entsprechend große Anlagen zum Behandeln ganzer Karossen angeschafft werden müssen. Doch es sei nicht auszuschließen, dass der neue Rostschutz später einmal auch in kleinen Betrieben und zur Restaurierung von Altfahrzeugen eingesetzt werden könnte. Allerdings wäre zuvor deren komplette Entlackung und -rostung notwendig.

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