NASCAR 2008

Nascar Sprint-Cup 2008 Fontana/Kalifornien Nascar Sprint-Cup 2008 Fontana/Kalifornien

NASCAR 2008

— 07.03.2008

Das organisierte Chaos

Volle Tribünen, Action auf der Rennstrecke - die erste US-Tourenwagen-Liga sorgt für Stimmung bei den Fans. Bei den häufigen "Feind-Berührungen" wird viel Schrott produziert – wenn es nicht gerade regnet.

Jeder kennt dieses Lied: "It never rains in Southern California" – Es regnet nie in Südkalifornien. Es war die meistgesummte Melodie des Wochenendes beim zweiten Saisonlauf der NASCAR-Serie in Fontana. Denn irgendwie konnte es keiner glauben. Es regnet doch in Kalifornien. Und zwar nicht zu knapp. Das Problem: Regen und NASCAR passen nicht zusammen. Sobald der erste Tropfen fällt, wird gestoppt. Es ist zu gefährlich mit 300 km/h im Oval durch die Gischt zu fahren. So wurde das Event auf dem California Speedway zur Geduldsprobe für Fans, Fahrer und Verantwortliche. Rennsonntag, 10.30 Uhr. Lori Jauch filmt mit ihrer Kamera das Fahrerlager. Grauer Himmel, frische 15 Grad. Es gießt wie aus Kübeln. Unter ihrem roten Regenumhang schimmert die Fanjacke mit dem prägnanten DuPont-Logo, auf dem Kopf sitzt die passende Kappe mit der Nr. 24 von Jeff Gordon. "Regen, das stört mich nicht. Es ist besser hier zu sein, als zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen. Es könnte ja doch noch jemand vorbeikommen", die grünen Augen funkeln.

NASCAR in Amerika ist wie Bundesliga in Deutschland 

Die NASCAR ist ein riesen Geschäft. Zwei Milliarden Dollar generieren alleine die Fanshops an den Strecken.

Draußen auf dem Parkplatz steht ihr Auto: ein Chevrolet, genau die gleiche Marke wie ihr Liebling Gordon fährt. Lori Jauch aus Bakersfield/Kalifornien ist der Prototyp eines typischen amerikanischen NASCAR-Fans. Genügsam, ausdauernd, begeisterungsfähig. "NASCAR-Fans sind so loyal. Die Fahrer sind ihre Helden. Sie werden verehrt wie Rockstars. Deswegen entscheiden sich die Fans auch für die Produkte, die ihre Helden fahren", sagt Lee White, Manager der Toyota Motorsport Entwicklung. Das ist genau der Grund, warum die Japaner 2007 als erster ausländischer Hersteller im Sprint Cup, der NASCAR-Topliga, die US-Hersteller Chevrolet, Dodge und Ford herausfordern. "Wir haben schon die Amerikanisierung von Toyota. Unsere Autos für die Serie und Motorsport werden in den USA gebaut. Das Modell Camry war in den letzten neun Jahren das am meisten verkaufte Auto hier", unterstreicht White beim Toyota-Heimspiel in Kalifornien.

Feuer und Flamme: Jeff Gordon (36) hat schon vier Titel eingesammelt. Er ist einer der Superstars in der NASCAR.

Hier ist der Stammsitz der US-Motorsport-Abteilung der Japaner angesiedelt. Rund 90.000 Zuschauer sind beim Rennen in Fontana. Dabei ist Kalifornien nicht mal die Hochburg des NASCAR-Sports. Das sind die Südstaaten. Insgesamt ist NASCAR nach American Football die zweit beliebteste Sportart in den USA. Einer von vier Amis kennt die Serie. Über 75 Millionen Amerikaner sind Fans. Sie geben jedes Jahr rund zwei Milliarden US-Dollar für Fanartikel aus. Aber warum? "Ich bin damit aufgewachsen. So wie ihr Europäer mit Fußball. In den Südstaaten ist es wie eine Religion. Es gibt einem Hoffnung und Freude", sagt Whitney Urschel aus Indianapolis/Indiana. Die Marketing-Lady strahlt über das ganze Gesicht während ihr ein Regentropfen über die Wange läuft und fügt an: "Wir warten hier solange, bis es weitergeht."

Die Fans werden belohnt. Mit 35 Minuten Training im Trockenen am Samstag. Und dem Rennstart am Sonntag um 15.00 Uhr. Doch es soll noch ein langer Tag werden. Donnergrollen. Diesmal ist es nicht das Wetter, sondern 43 NASCAR-Autos, die gleichzeitig den 5,8-Liter-V8-Motor anlassen. Unglaublich diese dröhnende Lautstärke und das Vibrieren unter den Füßen. Das Johlen der Fans ist nur noch ganz dünn zu hören. Auf geht's zu Amerikas großem Speed-Spektakel. Doch es läuft nicht flott: erst sechs Gelbphasen. Dann 67 Minuten Rennunterbrechung, weil an der Streckendrainage gearbeitet werden muss. Um 18.12 Uhr der nächste Regenschauer – Pause. Abends um 22.00 Uhr die Entscheidung: Abbruch nach 87 von 250 Runden. Neustart Montag. Für solche Fälle habe ich den Montag nach einem Rennen, das ich besuche, immer frei, hat Lori Jauch weitsichtig geplant.

"NASCAR ist eben ein organisiertes Chaos und schwer mit Europa zu vergleichen", analysiert Günter Steiner, Technikchef des Red Bull-Toyota-Teams und früher für Jaguar-F1 und Opel in der DTM tätig. "Hier werden 38 Rennen gefahren. Wenn man die auf einem Niveau wie in Europa machen würde, wären die Kosten unbezahlbar", so Steiner.

Auch Autos ohne viel Schnickschnack sind sehr teuer

Das Budget für ein Auto liegt jetzt schon zwischen 15 und 30 Millionen US-Dollar pro Saison. Dabei sind die Fahrzeuge technologisch gar nicht der neueste Stand. "Das Auto hat hinten eine Starrachse und einen Motor mit unten liegender Nockenwelle. So was gibt es eigentlich gar nicht mehr. Trotzdem hat man noch viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Auf den Ovalen wird Action geboten. Bei den häufigen "Feind-Berührungen" wird viel Schrott produziert.

Wir machen hier mehr Windkanalarbeit und Fahrdynamikentwicklung als in der DTM", erklärt Steiner. Und sein Fahrer Brian Vickers fügt an: "Wenn wir beim Testen sind, haben wir genauso viele Telemetriedaten und technische Hilfsmittel wie die Formel 1. Nur am Rennwochenende dürfen wir das nicht nutzen." Den Fans ist's recht. Schließlich haben sie diesen Schnickschnack an ihren Autos auch nicht. Gewonnen hat am Montag schließlich Carl Edwards mit seinem Ford von Roush-Racing und eine Woche später im sonnigen Las Vegas hat er gleich noch einen drauf gesetzt. Nach seinem zweiten Sieg im dritten Rennen hat er auch die Führung in der Gesamtwertung übernommen vor Kyle Busch und Daytona-Sieger Ryan Newman. Das vierte Rennen findet am 9. März 2008 auf dem 1,5 Meilen Highspeed-Oval in Atlanta/Georgia statt.

Autor: Katrin Wolff

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