Navigieren mit Radarwarnern

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Navigieren mit Radarwarnern

— 13.02.2006

Wir haben Sie gewarnt

Radarwarner für Navi-Systeme sind bei uns in Deutschland verboten. Deshalb hat sie AUTO BILD in Holland getestet.

Sieben mal gewarnt, nix passiert

Die Frau nervt. "Sie nähern sich einem Überwachungspunkt", meldet sie uns aus dem Navigationsgerät. Zum siebten Mal warnt sie vor einer Blitzkamera. Und wieder ist der Seitenstreifen leer. Kein Flitzer-Blitzer weit und breit.

Wir sind mit einem der Lieblingsprogramme deutscher Autofahrer unterwegs. In Holland. Denn bei uns sind sie strikt verboten: Die sogenannten POI-Warner. POI heißt Points of Interest, interessante Stellen also. Das können, ganz unverfänglich, Krankenhäuser oder Tankstellen sein. In unserem Fall aber informiert die Software über Radarfallen auf Europas Straßen.

Solche Programme fürs Navi gibt es im Internet ab etwa 50 Euro (www.pocketnavigation.de und www.radarfalle.de). Besonderer Zusatzservice: Abos für 15 bis 20 Euro, mit denen Autofahrer den Pfadfinder über die Homepage mit den neuesten Blitzer-Standorten aufrüsten können. Wie gesagt – auch für Deutschland. Und wer möchte, der kann neue Blitzer sogar an die Hersteller via www melden. Bestätigen mehrere Nutzer die neuen Standorte, werden sie in die Updates dauerhaft eingearbeitet.

Die Gefahr lauert immer und überall

Auf keiner der Homepages fehlt natürlich – ganz pflichtgemäß – der Hinweis, daß der Fahrer seinen Helfer in Deutschland nicht während der Fahrt einsetzen darf. "Das Anzeigen der Standorte vor der Fahrt im Simulationsmodus ist jedoch rechtlich unbedenklich", schreibt ein Anbieter. Ironie des Gesetzes: Wer will, kann sich die Blitzer an seiner Route auf einem Zettel notieren und ans Armaturenbrett kleben. Na dann viel Spaß. Uns jedenfalls war das zu kitzelig. Um die Software legal auszuprobieren, fuhren wir deshalb zu unseren Nachbarn nach Holland (Fotos nur gestellt).

Schon nach wenigen Kilometern Fahrt war klar: Die Gefahr lauert immer und überall. Denn der Lotse weiß dank fleißiger Mithilfe der User auch, an welchen Stellen die Polizei Temposünder mit mobilen Stationen jagt oder häufiger hinterherfährt, und meldete deshalb an einigen Stellen alle 200, 300 Meter eine Blitzanlage. Nur stand auf keinem der angesagten Plätze eine Meßstation. Schicksal.

Auffällig auch: Der Radarwarner kennt längst nicht alle festinstallierten Anlagen. Unser Fazit – und es kann auch gar nicht anders lauten: Die 50 Euro fürs Programm sparen und sich lieber an die vorgeschriebenen Tempolimits halten. Dann gibt es keinen Ärger mit der Polizei, keine Punkte in Flensburg und keine Bußgelder. Das schont Nerven und Kasse.

So arbeitet der POI-Warner

Die POI-Warner (POI: Points of Interest) ergänzen die Navigationssoftware, müssen deshalb meist gesondert gestartet werden. Während der Navigation läuft dieses Programm im Hintergrund, meldet sich nur kurz vor den Meßpunkten mit Ansagen und einem Verkehrsschild in der Navigationskarte. Die Standorte werden von Nutzern oder Herstellern ins POI-Programm geschrieben. Problem: Hängt der PDA nicht an der Autosteckdose, schaltet sich der Warner immer wieder ohne Vorwarnung zum Energiesparen ab.

Spürhunde und Störer Herkömmliche Radarwarner arbeiten entweder als Spürhunde oder Störer. Die Spürhunde sind reine Empfänger, die in der Umgebung der Fahrbahn ausgestrahlte Meßsignale aufnehmen und prüfen, ob es sich um normale Funkwellen oder Signale von Tempomeßgeräten handelt. Dann wird ein Warnsignal gegeben.

Die Störer senden gegen die Meßsignale der Radargeräte oder Laserpistolen, sollen so deren Funktion behindern. Außerdem im Angebot: Sprays und Folien, die Fotografien der Nummernschilder angeblich unleserlich machen. Dabei darf bezweifelt werden, ob diese Hilfen oder die bis zu 450 Euro teuren Anti-Blitzer funktionieren.

So kommt der POI-Warner auf den PDA



Eines vorweg: Es ist nicht leicht, den von uns gewählten Radarwarner auf dem Mini-PC zu installieren. Zwar zieht sich das Programm auf Knopfdruck selbst in den Speicher, doch bis zur Nutzung der Software ist es ein komplizierter Weg. Zum Schutz des Programms muß sich der Kunde mit drei Geheimzahlen und Codes ausweisen. Die bekommt er per Mail, oder sie werden auf der Homepage erstellt, müssen ausgedruckt oder aufgeschrieben werden.

Weitere Hürde: Nach erfolgreicher Installation ist der Blitzerwarner scheinbar aktiv. Das ist falsch. Erst wenn in einem Untermenü die unterschiedlichen Kameras und Tempolimits angeklickt sind (zum Beispiel Tempo 50, 70 oder 110, festinstallierte oder mobile Geräte), arbeitet die Software.

Einmal installiert, ist das Programm jedoch kinderleicht zu nutzen. Das Einschalten ist einfach, die Updates – im Abo für rund 20 Euro – kommen bei jedem Besuch der Anbieter-Homepage automatisch auf den PDA.

Das sagt der Anwalt



Dr. Rocke, Rechtsanwalt: "Nach Paragraph 23 Abs. 1b StVO ist es verboten, Radarwarner im Auto zu benutzen oder betriebsbereit mitzuführen. Diese Ordnungswidrigkeit wird mit 75 Euro Bußgeld und vier Punkten in Flensburg geahndet. Das gilt laut Bundesverkehrsministerium auch für Programme, mit denen Navigationssysteme stationäre und mobile Blitzanlagen anzeigen.

Die Software gilt auch dann als betriebsbereit, wenn sie auf ein Navigationsgerät aufgespielt ist, aber nicht arbeitet. Grund: Die POI-Warner werden mit wenigen Klicks im Untermenü eingeschaltet. Die Folgen: Die CDs mit den POI-Warnern dürfen ebenso wie die elektronischen Radarwarner beschlagnahmt und zerstört werden. Unklar ist, ob auch die Navigationsgeräte zerstört werden dürfen.

Blitzerwarnungen im Radio indes sind erlaubt. Laut Verwaltungsgericht Saarbrücken gelten die Durchsagen trotz Nennung einer konkreten Meßstelle wegen der vielen Hörer als Hinweis, daß jederzeit und überall Tempokontrollen möglich sind (Az. 6 F 6/04)."

Autor: Stefan Szych

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