Neue Betrugsmasche

Dieser Köder stinkt

Neue Betrugsmasche

— 27.03.2003

Dieser Köder stinkt

Einen neuen Volvo S60 (fast) zum Nulltarif – das verspricht eine Firma aus Holland. Was wie ein Gewinn wirkt, hat einen dicken Haken.

Statt Volvo gibt es Billigschmuck

Zu Autos hat Erika Kendziora (74) ein, sagen wir mal, eher getrübtes Verhältnis: Zehn Jahre musste die Berlinerin zu DDR-Zeiten auf ihren Trabant warten. Kurz bevor der Zweitakter endlich ausgeliefert werden sollte, erlitt ihr Mann bei einem Unfall einen Schädelbruch. Da hatte Frau Kendziora keine Lust mehr auf den Trabi. Auf andere Autos auch nicht. Umso erstaunter war die Rentnerin, als sie kürzlich Post aus Aalsmeer (Niederlande) bekam.

"Hinweis über nicht abgeholtes Motorfahrzeug oder andere kommerzielle Waren", stand auf dem amtlich wirkenden Schreiben. Die Firma "Transglobal Commercial Services" wies Frau Kendziora darauf hin, dass sie für einen "sofortigen Anspruch" zugelassen sei. Es gehe, so vermittelte es der Brief, um einen Volvo S60 2.4 T im Wert von 33.545 Euro. Doch um es gleich zu sagen: Der Volvo ist ein Köder, der gewaltig stinkt. Denn bevor irgendwas geliefert wird, soll der Empfänger das Formular "P 181 (2)" ausfüllen – und 29,90 Euro Gebühr mitschicken. Eine beliebte Masche unter Betrügern, auf die vor allem ältere Leute leider sehr leicht reinfallen.

Erika Kendziora witterte dagegen sofort den Haken: "Warum sollte in Holland jemand wollen, dass ich umsonst ein Auto bekomme?" Sie behielt ihr Geld und brachte den Brief zur Bürgerberatung. Zum Glück. Denn erst im (sehr kompliziert formulierten) Kleingedruckten erfährt man, dass unter allen, die die Bearbeitungsgebühr bezahlen, verschiedene Waren verteilt werden. Und dass zu diesen verschiedenen Waren unter anderem fünf Millionen "Marquesa-Schmucksets" gehören – vermutlich eine arge Übertreibung für wertlose Plastik-Kettchen oder billige Blechringe. Wenn überhaupt was kommt.

Rechtlich leider kaum anfechtbar

"Schicken Sie um Gottes willen kein Geld", warnt Corinna Loevenich von der Hamburger Verbraucherzentrale, "hier handelt es sich um eine neue Form von Betrug, die Leute sollen nur abgezockt werden." Und das weltweit: Im Internet finden sich unter anderem Warnungen aus Oklahoma City und den Cayman-Inseln vor der dubiosen "Transglobal"- Firma.

Gegen diese Art von Abzocke juristisch vorzugehen, ist aber kaum möglich. Das Anschreiben erweckt zwar den Eindruck, dass man einen Volvo gewonnen habe – ausdrücklich behauptet wird das aber nicht. "So, wie Transglobal es formuliert, handelt es sich rechtlich gesehen eher um einen Kaufvertrag für eine der verschiedenen Waren", sagt Loevenich.

Daher greift die neue Rechtsprechung nicht, nach der Unternehmen, die den Eindruck einer Gewinnzusage geben, diesen Gewinn wirklich auszahlen müssen (§ 661a BGB). Für Erika Kendziora ist das alles sowieso kein Thema: Sie fährt weiter mit der S-Bahn zu ihrer Datscha auf dem Land. Denn mit Autos hat sie es ja eh nicht so ...

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