Neue Filter-Diesel

Weiße Weste für die Diesel? Weiße Weste für die Diesel?

Neue Filter-Diesel

— 03.09.2003

Weiße Weste für die Diesel?

Die hitzige Ruß-Diskussion hat gewirkt: Zur IAA kommen zahlreiche Diesel mit Rußfilter. AUTO BILD fuhr bereits den ersten Mercedes-Benz, der auch Euro 4 schafft, und klärt zehn wichtige Fragen. Damit Sie beim Ruß durchblicken.

Taschentuch macht den Fortschritt sichtbar

Nichts. Kein Typenschild, keine Warnleuchte. Nichts unterscheidet diesen E 220 CDI von jedem anderen Mercedes Diesel. Trotzdem ist die blaue E-Klasse etwas Besonderes: der erste Mercedes-Benz, der mit Diesel-Rußfilter Euro 4 erfüllt. Ein Vorbote der nächsten Diesel-Generation und die Reaktion der Hersteller auf die Diskussion um die "Rußschleudern". AUTO BILD hat den Saubermann gefahren. Und was spürt sein Fahrer davon? Nichts.

"Die Technik ist so ausgelegt, dass der Kunde nichts mitbekommt", sagt Dr. Joachim Schommers, bei DaimlerChrysler Entwicklungsleiter für Pkw-Dieselmotoren. Der E 220 CDI leistet 150 PS wie sein filterloses Pendant (das bis 2004 weiter angeboten wird), raucht nicht beim Gasgeben und zeigt auch keine Rußwolke, wenn der Partikelfilter alle 200 bis 1000 Kilometer frei gebrannt wird. Automatisch, ohne Additive wie bei Peugeot.

Um den Fortschritt überhaupt sichtbar zu machen, halten wir bei laufendem Motor ein Taschentuch unter den Auspuff, zuerst beim alten E 220 CDI mit Euro 3. Eine Minute, zwei Minuten – kaum etwas zu sehen. Erst nach fünf Minuten hat sich das Weiß grau gefärbt. Dreckschleuder? Auch ein Euro-3-Diesel ist sauberer als erwartet. Dann der neue CDI. Schon das Endrohr ist sauber, das Tuch bleibt es auch. Dieser Mercedes-Benz hat eine weiße Weste, was auch seine zertifizierten Abgaswerte bestätigen.

Die Rußfilter-Starttermine der Hersteller

Rußpartikel sind fast völlig verschwunden, die Werte liegen weit unter Euro-4-Norm. Warum nicht gleich so, Dr. Schommers? "Wir wollten ein System ohne Additiv und mussten ein umfangreiches Testprogramm fahren." Drei Millionen Kilometer, damit der Filter reibungslos funktioniert, egal ob beim Taxifahrer in Rom oder beim Nokia-Vertreter im kalten Finnland.

Das gibt es nicht zum Nulltarif: 580 Euro kassiert Mercedes-Benz für das Extra "Dieselpartikelfilter", bis 31.12. 2004 kommen 600 Euro als Steuerersparnis wieder herein. Da werden viele zugreifen, weil sie an den Wiederverkauf denken. Mercedes-Sprecher Norbert Giesen: "Wir beobachten den Markt." Und die Konkurrenz: BMW führt den Filter ab 2004 im 530d serienmäßig ein und erhöht die Preise, Audi beim neuen A6 auch. Dafür bieten die Stuttgarter den Filter ab nächsten Sommer auch in der A-Klasse, ebenfalls als Extra. Mal sehen, wie VW dann beim Golf reagiert.

Filter oder nicht? Zehn wichtige Antworten

Welchen soll ich kaufen? Zuschlagen oder warten? Ist der Diesel noch attraktiv? Kaum ein Thema beschäftigt unsere Leser derzeit so stark wie der Rußfilter. Und kaum jemand blickt durch. Wir liefern Antworten auf die zehn brennendsten Fragen:

1. Was ist ein Rußfilter? Ein zusätzliches Teil im Abgasstrang, der in Aussehen und Aufbau einem Katalysator ähnelt. Der Filter sammelt Rußpartikel aus dem Abgas, speichert sie, um sie alle 200 bis 1000 Kilometer zu verbrennen. Dazu wird die Abgastemperatur erhöht, bei Peugeot und VW zusätzlich ein Additiv eingespritzt.

2. Was kann der Filter? Der Filter eliminiert fast alle Rußpartikel aus dem Abgas. Allerdings bekämpft der Filter nicht die übrigen Schadstoffe Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoff und Stickoxid.

3. Wer braucht den Filter? Streng nach Gesetz braucht ihn jetzt kein Diesel, denn alle erfüllen die aktuelle Abgasnorm Euro 3. Erst Motoren, die ab 1.1. 2005 den Partikelwert der Euro 4 nicht schaffen, benötigen die Reinigungstechnik. Dazu gehören meist Hubräume ab 2,5 Litern aufwärts. Kleinere Motoren (wie im Golf) nehmen die Hürde ohne Filter. Dann ist der Filter keine Vorschrift, sondern eine Gewissensfrage.

4. Was kostet der Filter? a) Kauf: Die Hersteller rechnen mit 500 bis 800 Euro, die unterschiedlich an Kunden weitergegeben werden. Mercedes-Benz bietet seinen Filter zunächst als Extra für 580 Euro an. Andere Hersteller bringen neue Motoren, die mehr kosten als bekannte Versionen. b) Verbrauch: Mit Filter steigt der Diesel-Verbrauch um geschätzte zwei bis vier Prozent. Grund: Der Motor muss stärker arbeiten, um gegen den Filter zu pusten. Zudem wird während der Abbrennphase mehr Kraftstoff eingespritzt, damit verliert der Diesel etwas von seinem Verbrauchsvorteil. c) Wartung: Die Peugeot der ersten Filter-Generation mussten alle 80.000 Kilometer zum Filtertausch in die Werkstatt, später alle 120.000 km. Mercedes-Benz gibt 150.000 Kilometer an.

5. Wer bietet Filter an? Peugeot verkauft seit zwei Jahren Dieselmodelle mit Rußfilter, die Euro 3 erfüllen. Jetzt kommen von Mercedes-Benz, Peugeot und Toyota erste Filter-Diesel nach Euro 4. Die anderen Hersteller wollen schrittweise folgen. Kleinere Motoren folgen deutlich später.

6. Kann man Rußfilter nachrüsten? Grundsätzlich ja, allerdings kostet das nach Angaben der Hersteller rund 1000 Euro. Auf der IAA wollen erste Firmen günstigere Nachrüstsätze vorstellen. Allerdings bleibt die Steuereinstufung unverändert, es gibt also keinen Geldvorteil. Die Leistung soll nicht sinken, das System wartungsfrei sein.

7. Arbeiten Rußfilter problemlos? Beim Fahren ist vom Filter nichts zu spüren. Dass sie in der Abbrennphase unsauber arbeiten, könnte künftig ein Kritikpunkt werden. Toyota will beim Filter drei Jahre Garantie geben.

8. Gibt es Steuervorteile? Bis zum 31.12. 2004 bekommen alle Fahrzeuge, die Euro 4 erfüllen, 600 Euro Steuernachlass – egal ob sie einen Filter haben oder nicht (wie die neuen Diesel in Golf und Astra). Danach ist kein weiterer Bonus geplant.

9. Wird der Filter Vorschrift? Darum streiten Umweltminister Trittin und die Hersteller, die lieber Grenzwerte als eine Einbauvorschrift wollen. Knackpunkt sind die Partikelwerte für Euro 5 ab frühestens 2008.

10. Was soll man jetzt kaufen? Bei Mercedes-Benz scheint der Fall klar zu sein – pro Filter. Vor allem kleinere Dieselmodelle sind jedoch preissensibel. Hier stehen höherer Preis und Mehrverbrauch gegen den wahrscheinlich besseren Wiederverkaufswert.

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