Neue Formel-1-Teams 2010

Neue Formel-1-Teams 2010

— 15.10.2009

Wer macht Platz für Sauber?

Vier neue Teams drängen 2010 in die Formel 1. Doch eins muss noch Platz machen für die BMW-Sauber-Nachfolgemannschaft. AUTO BILD MOTORSPORT analysiert die Neuzugänge.

Der Verkauf des BMW-Sauber-Teams an die Quadback-Investorengruppe ist noch immer nicht in trockenen Tüchern. Erst wenn das Team eine Startplatzgarantie für 2010 bekommt, fließt das Geld. Doch noch verweigern Williams und Red Bull ihre Zustimmung für ein 14. Team. Sauber muss deshalb hoffen, dass eine Mannschaft nicht startet. ABMS analysiert die vier Neuzugänge:
Lotus: Als letzte der vier neuen Mannschaften erhielt Lotus die Startplatzgarantie. Hauptinvestoren des Teams mit dem berühmten Namen sind der malaysische Autohersteller Proton, die Fluglinie Air Asia und der malaysische Regierung. Entsprechend gut ist der finanzielle Background. Jetzt präsentierte Technikchef Mike Gascoyne, der schon bei Jordan, Renault, Toyota und Force India F1-Renner konstruierte, das erste 60-Prozent-Windkanalmodell des neuen Autos (siehe Foto).

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Der neue Lotus: Dieses 60-Prozent-Modell wird derzeit im Windkanal getestet.

Gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT bestätigte Mike Gascoyne: "Wir wollen im Februar das erste Mal mit dem neuen Auto auf die Strecke gehen. Bis dahin wird die Zeit zwar ziemlich knapp, aber wir haben die ersten Teile tatsächlich schon fertig." Schon seit fast vier Monaten arbeite man gemeinsam mit dem italienischen Rennwagenbauer Fondtech an der Aerodynamik. Die Motoren kommen von Cosworth, das Getriebe von Xtrac. Außerdem aquiriere man derzeit intensiv technisches Personal. Ziel: 250 Mitarbeiter im kommenden Jahr. 2011 wolle man den Hauptsitz dann von England (Norfolk) nach Sepang in die Nähe der F1-Rennstrecke von Malaysia verlegen. Mit Noch-Toyota-Pilot Jarno Trulli ist man sich angeblich schon einig. Der zweite Fahrer soll möglichst aus Malaysia kommen. Heißester Kandidat: Fairuz Fauzy.

Campos mit Geldproblemen

Hat angeblich Geldprobleme: Adrian Campos lässt sein Auto von Dallara bauen.

Campos Meta: Zuletzt klaffte ein riesiges Loch im Etat von Adrian Campos. Gleich wurden Stimmen laut, das spanische Team könne 2010 nicht starten. Umso merkwürdiger, dass der Russe Vitali Petrov, immerhin stolzer Besitzer einer Mitgift von 15 Millionen Euro, nicht mehr die Nummer eins ist auf Campos' Fahrerliste. Dafür wurden die Gespräche mit Bruno Senna wieder intensiviert. Der Neffe des legendären F1-Stars Ayrton Senna bringt zwar ebenfalls Gelder des brasilianischen Mineralölkonzerns Petrobras mit. Doch die liegen im einstelligen Millionenbereich. Campos betont, er habe andere Geldquellen aufgetan. Dagegen spricht, dass auch die Gespräche mit dem eigentlich längst als fix geltenden McLaren-Tester Pedro de la Rosa stocken. Hauptsitz des Teams ist in Valencia. Ex-Super-Aguri-Teamchef Daniele Audetto leitet dort die Geschäfte. Das Auto entsteht bei Dallara. Schon seit Juli arbeiten 40 Ingenieure, darunter Ex-Red-Bull-Aerodynamiker Ben Agathangelou, in der italienischen Rennwagenschmiede am Windkanalmodell. Motor und Getriebe kommen wie bei Lotus von Cosworth und Xtrac.

Virgin sichert Manors Zukunft

Manor Grand Prix: In Fachkreisen ist bei dem britischen Team schon längst nicht mehr von Manor die Rede, sondern nur noch von Virgin. Hintergrund: Wenn der Sponsorvertrag mit BrawnGP Ende der Saison ausläuft, will Richard Bransons Multi-Konzern bei Manor als Titelsponsor einsteigen. Teambesitzer John Boothe bringt seine F3-Fabrik in Sheffield gerade auf Vordermann. Das Auto wird bei Ex-Benetton-Chefdesigner Nick Wirth in Bicester konstruiert. Mitte Februar 2010 soll es sein Streckendebüt geben. Als Fahrer sind Bruno Senna, Anthony Davidson, Jacques Villeneuve und Christian Klien im Gespräch.

Fragwürdige Inspektion beim US-Team

Autoklav in Charlotte: Hier soll der USF1-Renner gebacken werden.

Team USF1: Hinter diesem Team steht immer noch das größte Fragezeichen. Zwar zeigten sich die Inspektoren der FIA nach ihrem Besuch in der vergangenen Woche positiv überrascht von den Anlagen der US-Nationalmannschaft. Doch mit Nick Craw und Tony Purnell schickte der Weltverband ausgerechnet zwei Vertreter nach North Carolina, denen der Einstieg eines US-Billig-Teams ohnehin am Herzen liegt: Craw ist Präsident des US-amerikanischen Automobil-Rennsport-Kommitees. Tony Purnell Vater der Budgetobergrenze und Intimus von Noch-FIA-Präsident Max Mosley. Deren Expertise ist auch deshalb fragwürdig, weil einige Indizien gegen einen Start des Teams sprechen. So läuft Co-Teamchef Peter Windsor noch immer als Journalist für den amerikanischen TV-Sender SpeedTV durchs Fahrerlager.

Während alle anderen neuen Teams um einen regen Informationsaustausch mit Motorlieferant Cosworth bemüht sind, kamen von US F1 bisher kaum Anfragen bezüglich Größe und Konstruktion des Motors. Und eine Fahrersichtung (Indy-Lights-Vizemeister Jonathan Summerton gilt als Top-Favorit) fand bisher ausschließlich in Serien-Vauxhalls statt Formel-Rennern statt. Dabei sind die Voraussetzungen eigentlich bestens: YouToube-Gründer Chad Hurley sichert die Finanzierung. Im Werk in Charlotte stehen zwei Autoklaven und mehrere computergesteuerte Fräsmaschinen bereit. Und laut Teamchef Ken Anderson soll das Auto schon im Januar 2010 fertig sein.

Ecclestone will Sauber helfen

Designbüro: Am Computer wird das Auto von USF1 konstruiert.

Doch selbst wenn Sauber als 14. Team nachrücken dürfte, ist die Zukunft noch unsicher. Grund: Laut der Münchner Tageszeitung tz nannte die Schweizer Stiftung Quadback bei den Verhandlungen Namen von Investoren, die schon seit zwei Jahrzehnten tot sind. Deshalb schaltet sich nach AUTO BILD MOTORSPORT-Informationen jetzt sogar Bernie Ecclestone ein. Der F1-Promoter soll am vergangenen Freitag in München gewesen sein, um mit BMW-Boss Reithofer über die Zukunft des Teams zu verhandeln. Ecclestone überlegt, die Mannschaft zunächst selbst oder mit Partnern wie dem malaysischen Mineralölkonzern Petronas zu übernehmen und Sauber so einen Startplatz für 2010 zu garantieren. Möglich wäre ein Verkauf an Ecclestone auch deshalb, weil BMW Ex-Teamchef Peter Sauber am 1. Oktober die restlichen 20 Prozent Anteile abkaufte, die der Schweizer noch am Team hatte. Durchgesickert ist mittlerweile auch, dass BMW-Motorsportchef Theissen nicht als Teamchef nach Hinwil geht. Mit Geoff Willis wechselt dagegen ein Aerodynamikfachmann von Red Bull in die Schweiz.

Ob Sauber-Technikchef Willy Rampf bleibt, ist dagegen noch offen. Auch die Fahrerfrage ist weiter ungeklärt. Peter Sauber führt kommissarisch die Verhandlungen und favorisiert derzeit Noch-Toyota-Pilot Timo Glock. Wie AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr, hat auch Ralf Schumacher Interesse an einer Rückkehr in die F1 mit Sauber. Auf ABMS-Nachfrage wollte er das aber nicht bestätigen. Schumacher: "Ich gehe jetzt erst einmal Ski fahren. Über meine Zukunft entscheide ich im Januar oder Februar."

Autor: Bianca Garloff

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