Neue Kfz-Ausbildung

Kfz-Mechaniker – das war einmal Kfz-Mechaniker – das war einmal

Neue Kfz-Ausbildung

— 12.09.2002

Kfz-Mechaniker – das war einmal

Ein Beruf stirbt aus: Statt Schraubern gehört die Werkstatt künftig den Computer-Könnern.

Computer statt Öllappen

Wie so eine anständige Kfz-Werkstatt ausgestattet sein muss, darüber hatte der Gesetzgeber genaue Vorstellungen: unter anderem mit Bohrmaschinen, Schweißgeräten, Schmirgelscheiben – und wenigstens einem Schmiedefeuer plus Amboss. Steht so in der Lehrlingsverordnung von 1938. Das mit dem Schmiedefeuer hat sich längst erledigt, jetzt folgt ihm gleich der ganze Berufsstand. Ab 2003 heißt es: Kfz-Mechaniker – das war einmal.

Mit der neuen Ausbildungsverordnung, die gerade erarbeitet wird und schon für das nächste Lehrjahr gelten soll, wird der bei Jungen beliebteste Beruf nicht mehr gelehrt. Die Schrauber mit den verölten Kitteln und dem Dreck unter den Fingernägeln treten von der Bühne, die Zukunft gehört den Computer-Könnern. Und die heißen fortan Kfz-Mechatroniker. Mechawas? "Kfz-Mechatroniker, ein Kunstwort aus Mechaniker und Elektroniker", sagt Ingo Meyer, Geschäftsführer beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

Dabei geht es um viel mehr als nur um eine Namensänderung. Meyer: "Wir folgen der technischen Entwicklung, haben alles Alte über Bord geschmissen und gnadenlos neue Inhalte eingeführt." Lernten die Kfz-Azubis bisher im ersten Jahr vor allem das Feilen und Blechebiegen, stehen nun Internetrecherche, Diagnosecomputer und technisches Englisch auf dem Stundenplan. "Das ist eine Revolution, die vom Auto ausgeht", meint Meyer. "Im Kern werden moderne Autos kaum noch instand gesetzt, Motor und Getriebe halten heute locker 150.000 bis 200.000 Kilometer. Stattdessen müssen wir uns mit der Elektronik beschäftigen. Ein Software-Update wird künftig häufiger vorkommen als ein Ölwechsel."

So wird man Mechatroniker

In schwierigen Fällen läuft das so: Der Kfz-Mechatroniker sucht sich im Internet die nötigen Informationen zusammen, vernetzt Auto und Werkstatt-Computer mit dem des Herstellers und ist per Standleitung mit einem Experten verbunden. Dann werden die Daten überspielt. Die älteren Mechaniker haben da nur zwei Alternativen: Entweder bilden sie sich ebenfalls weiter – oder sie müssen gehen. "Wer an der Praxis dranbleibt, der ist der neuen Technik gewachsen. Wer sie aber für Teufelszeug hält, dem droht die Arbeitslosigkeit", sagt Meyer.

Aber auch für Kunden wird vieles anders. Zwar muss auch ein Kfz-Mechatroniker die Mechanik beherrschen. Aber wer eine Beule im Blech hat, der braucht ihn gar nicht erst zu fragen – kennt er nicht, kann er nicht. Zumal auch Karosseriereparaturen durch neue Herstellungsverfahren komplizierter werden. Für solche Fälle muss ein ebenfalls neu geschaffener Beruf her, der Kfz-Mechaniker für Karosserietechnik. Und wer dann doch mal ein Getriebe repariert bekommen möchte, der muss schon einen Spezialisten finden. Oder einen altgedienten Meister. Muss ja nicht gleich einer sein, der noch selbst am Schmiedefeuer gestanden hat ...

So wird man Kfz-Mechatroniker "Beseelt zu sein von Formel 1, breiten Reifen und satten Motoren – das reicht nicht mehr", sagt Ingo Meyer vom ZDK. Ein Kfz-Mechatroniker muss Lust haben, immer weiterzulernen, in Zusammenhängen denken können und mit dem Computer arbeiten wollen. Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit braucht er aber auch. Ob der Beruf das Richtige ist, zeigt ein Betriebspraktikum (Infos ab Oktober unter www.autoberufe.de). Das neue Ausbildungsjahr beginnt am 1. August 2003.

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