Neue Lichttechnik

Neue Lichttechnik

— 01.11.2002

Lichtblick in die Zukunft

BMW prsentiert das Pixel-Licht: 480.000 Spiegel erlauben Vollgas im Nebel und Fernlicht auch bei Gegenverkehr.

480.000 Spiegel auf einem Chip

Geht es nach den Vorstellungen von BMW, fahren wir in Zukunft alle wie die Henker: Mit Vollgas durch dichten Nebel, Fernlicht auch bei Gegenverkehr und whrend der Fahrt werfen wir mit Symbolen und Zeichen um uns. Doch die durchaus fr einen sportlichen Auftritt bekannten Bayern haben dabei vor allem die Sicherheit des Verkehrs im Auge genau genommen im Lichtkegel.

Anlsslich des neunten IST-Weltkongress (Intelligent Transport Systems) in Chicago prsentiert BMW eine vllig neue Scheinwerfer-Technik: das so genannte Pixel-Licht. Und im Gegensatz zu Xenon oder Kurvenlicht stellt es die automobile Lichttechnik tatschlich auf den Kopf: Statt einem erhellen nun insgesamt 480.000 Spiegel pro Scheinwerfer das Sichtfeld des Fahrers. Allesamt untergebracht auf der Flche des DMD-Chip (Digital Micromirror Device) gerade mal so gro wie ein Daumennagel. Dabei ist jeder einzelne Minireflektor frei programmierbar und lsst sich ber die Chip-Schaltkreise des DMD steuern. Komplett elektronisch, ohne jede Mechanik. Auf diese Weise kann das Licht nicht nur punktgenau verteilt, sondern auch in der Helligkeit stufenlos variiert werden.

Fr die Lichtingenieure erffnet das ungeahnte Spielwiesen. Vor allem in Kombination mit anderen technischen Systemen. Beispielsweise zusammen mit dem Navigationssystem: Je nach Routenverlauf knnte Pixel-Licht Richtungspfeile oder Entfernungsangaben auf die Strae vor dem Fahrzeug werfen. Das schafft zwar die nette Dame aus dem Lautsprecher ab, erhht aber die Sicherheit ungemein. Wenn nmlich Informationen wie Geschwindigkeit oder Tankinhalt auf der Strae liegen, muss der Pilot seinen Blick kaum noch eine Sekunde von selbiger wenden.

Mit Vollgas in die Nebelwand

Vielversprechend auch die Kopplung mit einem radargesttzten Vorfeld-berwachungssystem: Whrend dessen Radarsensoren den Gegenverkehr erfassen und die Position der Fahrer berechnen, produziert der DMD-Chip fr diesen Bereich "Lichtlcher" Dauerfernlicht ohne den Gegenverkehr zu blenden.

Eine feine Kombination auch fr Nebelfahrten: So kann das Radar weit durch die unsichtbaren Schwaden sphen. Wird ein vorausfahrendes Fahrzeug erkannt, projiziert die neue Technik eine Warnung auf die graue Nebelwand vor dem Fahrer und bremst die Geschwindigkeit. Blindflug mit Topspeed kein Problem. Aber nicht nur im Nebel, das Pixel-Licht wird sich whrend der Fahrt immer auf alle augenblicklichen Gegebenheiten einstellen je nach Geschwindigkeit, rtlichkeit oder Wetterbedingungen. Von breiter Ausleuchtung etwa in Ortschaften bis hin zu langen, schmalen Lichtstrahlen auf Autobahnen oder Landstrassen.

Bislang sind die Ingenieure an der Isar noch in der Entwicklungsphase. Erst im Laufe der nchsten Jahren wird die neue Technik auch in die Serie gelangen. Vorausgesetzt der Gesetzgeber spielt mit. Denn die bestehenden Regelungen schreiben die Art des Lichtes vor Pixel-Licht wre verboten. Um solch innovative Systeme dennoch zuzulassen, msste das Recht liberaler werden; nur noch die Lichtverteilung und intensitt drften geregelt sein. Sptestens in fnf Jahren, glaubt man in Mnchen, sei es soweit.

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