Neue Modelle von Land Rover

Neue Modelle von Land Rover

— 18.11.2009

Volles Programm bei Land Rover

Die Land-Rover-Planung bis 2015 steht fest. Die Briten wollen nicht nur im Hochpreissegment ihr Glück suchen. Der Spagat, den sie schaffen müssen: mehr Modelle, günstigere Produktion.

Schlechte Zeiten für Geländewagen – zumindest für solche, die nach klassischer Machart gestrickt sind. Das spürt auch Jaguar Land Rover (JLR), wo man in den ersten drei Quartalen allein in Europa einen Absatzeinbruch bei den Allradmodellen von 34 Prozent auf nur mehr 41.000 Fahrzeuge hinnehmen musste. Entsprechend drastisch haben die Briten die Monatsproduktion zurückgefahren – beim Freelander von über 2500 Stück im vergangenen Jahr auf nur noch 900 Autos im Sommer 2009. Die Kennzahlen für den Range Rover Sport brachen im Vorfeld der Modellpflege sogar von 2500 auf 600 Einheiten weg. Kein Wunder, dass die zum indischen Tata-Konzern gehörende JLR-Gruppe längst tiefrote Zahlen schreibt. Deshalb wird Mitte 2010 eine englische Fertigungsstätte dichtgemacht – Insider tippen auf das Land-Rover-Stammwerk in Solihull. Obwohl der Absatz 2009 sogar unter die 200.000-Stück-Marke fallen könnte, plant JLR-Chef David Smith mittelfristig schon wieder mit "mindestens 300.000 Fahrzeugen".

Die Zukunft des Discovery hängt am seidenen Faden

Discovery 5: Der große Land Rover kann nur als deutlich leichteres und kompakteres Auto überleben.

Wie soll das klappen? "Mit Hilfe von neuen Produkten wie dem Range Rover LRX und mit überzeugenden Nachfolgemodellen wie dem Projekt Icon, dem nächsten Defender. Der wird übrigens nicht in Indien produziert, sondern wieder in Europa." Land Rover ist derzeit die größte Baustelle im Reich der Herren Smith, Kant (technischer Direktor), Popham (Markenchef Land Rover) und Tata. Die Daseinsberechtigung des Freelander wird durch den neuen Range Rover LRX in Frage gestellt, der vielseitige, aber zu schwere Discovery ist kein Verkaufsschlager, und der so charismatische wie veraltete Defender braucht dringend einen Nachfolger, der sich günstiger produzieren lässt. Land Rover muss sich neu finden, um die Zukunft zu gewinnen – mit einer ganz neuen, zeitgemäßen Modellpalette.

Der Freelander wird durch den neuen LRX in Frage gestellt

Mit dem LRX bringt Range Rover seinen ersten Crossover – eine Mischung aus Coupé, Shooting Brake und Geländewagen.

Nach Informationen aus dem Entwicklungszentrum bei Gaydon trifft der erste Bannstrahl die fünfte Generation des Discovery – an ihr wird nicht mehr weitergearbeitet. Warum? Weil die T5-Plattform, die auch im Range Rover Sport zum Einsatz kommt, 2014 ausgedient hat und beim Range Rover durch eine moderne Spaceframe-Architektur ersetzt wird. Diese gemeinsam mit Jaguar konzipierte Matrix kann sich JLR zwar für den nächsten Range (L405, kommt 2013) und für den neuen RR Sport (L494, kommt 2014) leisten, nicht aber für den Disco 5. Auch der Plan, den neuen Defender vom T5 abzuleiten, ist inzwischen vom Tisch. Stattdessen mehren sich die Stimmen, die für ein Zusammenlegen von Freelander und Discovery plädieren.

Das Resultat wären drei verschiedene Karosserievarianten: Freelander Dreitürer/Viersitzer als Hardtop und Softtop, Freelander Fünftürer/Fünfsitzer und Discovery Fünftürer/Siebensitzer. Dieses Konzept nimmt den Gedanken eines siebensitzigen Freelander wieder auf (Projekt L486), der ursprünglich für 2010 avisiert war, dann aber zugunsten des Range Rover LRX (Projekt L538) gestoppt wurde. Damit die Neuauflage von Freelander/Discovery am Markt überhaupt eine Chance hat, soll der als Drei- und Fünftürer konzipierte LRX in Bezug auf Preis, Leistung und Ausstattung ein echtes Premiumprodukt werden. Darunter wäre dann genug Platz für ein breit gefächertes Land-Rover-Angebot, das preislich wohl schon bei etwa 22.500 Euro beginnen soll (Freelander dreitürig) und erst jenseits von 45.000 Euro (Discovery V6 SE) enden würde.

Hier geht es zur Land Rover-Markenseite

Range Rover Sport 2: Der Wechsel zum Spaceframe-Layout reduziert das Gewicht des großen Luxus-SUV um 500 Kilo.

Ähnlich radikal sollen die Änderungen beim Defender ausfallen. Das Arbeitspferd im Land-Rover-Stall soll sich in der nächsten Generation an ebenso preiswerten wie unverwüstlichen Wettbewerbern wie Toyota Hilux/4Runner, Mitsubishi L200 oder VW Amarok orientieren. Das heißt zwar, dass Land Rover am Leiterrahmen festhalten wird, doch damit ist nicht für alle Varianten zwingend das Überleben der Starrachsen garantiert. Das Geheimnis der nächsten Defender-Familie liegt im modularen Aufbau von Chassis, Antrieb und Karosserie, der sich in puncto Sicherheit und Komfort keine Blößen mehr geben darf. In der einfachsten Variante ist ein kurzer Pickup mit Vierzylinder und Fünfgang-Schaltgetriebe darstellbar. Doch es geht auch deutlich komplexer, zum Beispiel in Form eines Siebensitzers mit langem Radstand, V6-Diesel und Sechsstufenautomatik. Weil der Defender wie gehabt im Geschäft mit Militärs, Behörden und gewerblichen Kunden mitspielen will, muß der Modulbaukasten sehr flexibel sein, um selbst extreme Lösungen anbieten zu können.

500 Kilo leichter: Der nächste Range Rover kommt mit Alu-Spaceframe

Die fünftürige Version des LRX kommt als Range Rover Ventura und zielt auf BMW X1/X3, Audi Q3/Q5 und Mercedes GLK.

Auch der nächste Range Rover wird nach dem Modulprinzip gebaut, denn die kleineren Stückzahlen und der hohe Grad der Individualisierung erfordern eine vielfältig variierbare Leichtbaustruktur. Das Alu-Kompetenzzentrum für die künftig vernetzten Modelle Range Rover und RR Sport sitzt in der Jaguar-Fabrik Castle Bromwich; das Zuhause des eher konventionell gestrickten LRX (Dreitürer kommt Oktober 2010, Fünftürer folgt Ende 2011) ist das frühere Jaguar- und Ford-Werk in Halewood bei Liverpool. Der Wechsel zum Spaceframe-Layout reduziert auf einen Schlag das Gewicht der großen Luxus-SUV um mindestens 500 Kilo. In Verbindung mit sparsameren Motoren (Vierzylinder!) und dem angekündigten Hybridantrieb verspricht Leichtbau damit die Trendwende in diesem ebenso exklusiven wie unruhigen Marktsegment, in dem die Kunden zur Beruhigung ihres grünen Gewissens gern ein paar Tausender extra auf den Tisch des Hauses blättern.

Autor: Georg Kacher

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