Neue Regeln für 2006

Frischer Wind für die Formel 1 Frischer Wind für die Formel 1

Neue Regeln für 2006

— 26.10.2005

Frischer Wind für die Formel 1

Die FIA beschließt: K.o.-Qualifikation und neue Spoiler sollen die Spannung erhöhen. Reifenwechsel sind wieder erlaubt.

Qualifying als "Event mit Renncharakter"

Wenn es allzu dröge wird, besinnt sich die PS-Gemeinde auf ihre hedonistische Gesinnung. Die 22 ausschließlich männlichen Köpfe der Formel-1-Kommission hatten Chefpromoter Bernie Ecclestone ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk überbracht, besser: überbringen lassen. Zehn Bunnys in Rennoveralls der zehn Formel-1-Teams brachten eine Schokoladentorte in den Konferenzsaal des Londoner Hotels "Knightsbridge". Die zehn Models huldigten Ecclestone, der am Freitag 75 Jahre alt wird.

Auf seine alten Tage ist das Kerngeschäft des Briten böse unter die Räder gekommen. Endloses Gerangel mit den Herstellern über das technische Reglement und die Geldverteilung. Stöhnende Fernsehsenderchefs, die in der abgelaufenen Saison einen Quotenrückgang von bis zu 20 Prozent verzeichneten (RTL und RAI). Unzufriedene Streckenbetreiber, die über leere Tribünen klagen, wie in Monza oder Spa.

Die illustre Londoner Runde - zehn Teamchefs, sieben Grand-Prix-Promoter, zwei Sponsorenvertreter, je ein Vertreter der Reifenhersteller (Bridgestone) und Motorfabrikanten (Cosworth) sowie Weltverbandspräsident Max Mosley und Ecclestone - hat einen neuen Kniff zur Konjunkturbelebung ausbaldowert. Ab 2006 wird die Qualifikation für einen Grand Prix am Samstag zum "Event mit Renncharakter" (Ecclestone) aufgewertet. Das Spiel geht so: Nach den ersten 15 Minuten der Qualifikation werden die fünf langsamsten Autos aussortiert, in den folgenden 15 Minuten fallen noch einmal fünf durch. Danach fahren die zehn verbleibenden Autos 20 Minuten lang um die Pole-Position.

Reifenwechsel im Rennen wieder erlaubt

Seit fünf Jahren fahnden die Formel-1-Manager nach einem ansprechenden Format. Der Weltverband FIA änderte den Modus insgesamt viermal. Die Reformwut führte die Kommission nun zurück zu den Wurzeln. Die Piloten werden statt einer "fliegenden Runde" wieder mehrere Anläufe unternehmen, Rundenzeiten zu unterbieten. Reifenwechsel und Auftanken sind bis vor dem letzten Teil der Qualifikation erlaubt. Ebenso werden auch Reifenwechsel im Rennen zugelassen, was Michael Schumacher, der einst mit der Sprintrennentaktik reüssierte, entgegenkommen dürfte.

Im letzten Teil der Qualifikation muß mit derselben Abstimmung gefahren werden wie am Sonntag vor die Startampel. Damit auch im letzten Durchgang am Samstag die Teams nicht auf die Idee kommen, mit nur einer Umrundung Kraftstoff zu sparen, können sie die verbrauchten Liter nachtanken. Inwieweit die Hinterbänkler der Startaufstellung Sprit nachfüllen dürfen, ist noch unklar.

Das K.o.-System klinge komplizierter als es ist, beschwichtigte Regelhüter Mosley. "Alle wollten mehr Entertainment, ich glaube, wir haben einen eindrucksvollen Plan präsentiert." Fernsehmanager dürfen sich über zwei fünfminütige Werbepausen freuen.

Halber Heckspoiler, halbe Einnahmen?

Damit nicht genug der Vorschläge für mehr Pep auf der Rennstrecke. Ein neuer Heckflügel soll dem Hintermann das Überholen erleichtern. Der Effekt des Einheitsspoilers ist einfacher, als der gestelzte Name "Centreline Downwash Generating Wing" (CDG) vermuten läßt. Der von der FIA vorgestellte Flügel wird in zwei Hälften geteilt. Durch die Lücke wird der Luftstrom am Ende des Autos nicht mehr so abrupt nach unten abgelenkt. Denn zuletzt konnte vom Überholen aus dem Windschatten nicht mehr die Rede sein. Durch die ausgeklügelte Aerodynamik zogen die Boliden große Luftverwirbelungen nach sich.

Der CDG-Flügel soll mit einem weiteren Regelpaket vom FIA-Weltrat, der morgen und Mittwoch in Rom tagt, abgesegnet werden. Die FIA strebt neben der Wiedereinführung von Slickeinheitsreifen eine umfassende Standardisierung von Motor, Getriebe, Chassis und Elektronik spätestens ab 2008 an.

Wenn die Teams zustimmen, könnte der halbierte Spoiler bereits ab 2007 eingeführt werden. Er hat allerdings nicht nur einen Schönheitsfehler: Er verkleinert die attraktivste Werbefläche am Auto. Der Heckflügel ist besonders beliebt, weil die Wahrnehmung im Fernsehen am größten ist. "Die Preise, die die Teams bei den Sponsoren bisher erzielen, können wir dann sicher nicht mehr halten", ahnt Teamchef Frank Williams. Die Automobilhersteller testen einen Spoiler, der dieselben Abwindeffekte hat, aber werbekompatibler ist.

Derweil betrachtet Mosley den Spoiler als technischen Meilenstein, ähnlich wie die Erfindung des Moncoque-Chassis vor über 40 Jahren durch Colin Chapman. "Mit dem neuen Flügel bieten wir den Fans genau das, was sie sich wünschen: Rad-an-Rad-Duelle und viele Überholmanöver." Mit Ausnahme der Einheitsreifen wurden die Änderungen von der Formel-1-Kommission einstimmig abgenickt, was auf ein reibungsloses Durchwinken im FIA-Weltrat hindeutet. Und auf einen Erfolg Mosleys bei einer erneuten Präsidentschaftskandidatur.

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