Neue Sicherheitstechnik im Zwielicht

Neue Sicherheitstechnik im Zwielicht

— 25.03.2003

Lebensretter HANS wird zum Killer

Labortests beweisen: Der neue Kopf-und-Nacken-Schutz namens HANS birgt tdliche Gefahren. Experten forschen fieberhaft nach Lsungen.

Unsichere Sicherheitstechnik

Na ja, der Herr Villeneuve, der lehnt sich immer gern weiter aus dem Fenster als die anderen Formel-1-Fahrer. Das dachten viele, als der Ex-Weltmeister vorm Saisonstart den ab 2003 vorgeschriebenen Kopf-und-Nacken-Schutz HANS (Head And Neck Support) heftig attackierte: "Das Ding ist lebensgefhrlich, es kann einem Piloten das Rckgrat brechen." Doch das HANS-Problem ist viel dramatischer als bisher ffentlich bekannt. Labortests in den USA haben mindestens zwei tdliche Gefahren des neuen Sicherheitssystems entlarvt:

1. Die derzeit verwendeten beiden Bnder aus Kevlar, die ber zwei eiserne sen den Helm des Fahrers mit einem auf seinen Schultern liegenden U-frmigen Kragen aus Kohlefaser verbinden und mit ihm bei Unfllen das Vorschleudern des Fahrerkopfes reduzieren sollen, reien bei einer Belastung von knapp einer halben Tonne. Obwohl der Automobil-Weltverband (FIA) einen maximalen Belastungswert von 1,4 Tonnen empfiehlt.

2. Der HANS-Kragen selbst bricht ebenfalls, wenn ihn mehr als eine halbe Tonne Zug treffen. Und zwar hufig auch an der hinter dem Helm aufragenden Nackensttze. In beiden Fllen hat der Fahrer keine berlebenschance! Wenn nur eines der beiden Bnder reit, wird dem Fahrer durch den Rckschlag des zweiten, nicht gerissenen Bandes im wahrsten Sinne des Wortes der Hals umgedreht. Noch erschreckender sind die mglichen Folgen beim Zerbersten des Kragens an der Nackensttze. Klappt die nmlich beim Unfall nach vorn, wirken ihre scharfen Bruchkanten beim Zurckschleudern des Kopfes wie ein Fallbeil.

Bei Schden keine Haftung

Auer Jacques Villeneuve redet keiner offen ber diese Gefahren. Doch hinter den vielen Beschwerden der Fahrer ber Muskel- und Knochenschmerzen durch HANS - Barrichello erwirkte in Malaysia so eine Starterlaubnis ohne - steckt wohl vielmehr die Angst vor dem Killercharakter des neuen Systems.

Aber auch alle Sicherheitsexperten halten sich bedeckt. Auf Anfrage von AUTO BILD motorsport besttigt zum Beispiel Oliver Schimpf, der Chefentwickler von Schuberth-Helme, nur: "Ja, bei unseren internen Tests sind Haltebnder und -haken gerissen." Schimpf gibt auerdem zu, dass er in seiner Braunschweiger Hightech-Helmfabrik inzwischen intensiv nach besseren Lsungen forscht.

Denn Schuberth sitzt eine Riesensorge im Nacken: Michael und Ralf Schumacher, Rubens Barrichello und Nick Heidfeld und seinen anderen Topkunden auerhalb der Formel 1 soll blo nichts passieren, was ihren Helmlieferanten schlecht aussehen lsst. "Was ntzt es, wenn ich an unseren Helm ein Auto hngen kann, ohne dass er auseinander reit, wenn das hintendran der Rckhaltemechanismus nicht aushlt?!", sagt Oliver Schimpf.

Deshalb kommt bald ein verbessertes HANS-System komplett made by Schuberth. Derzeit werden Kragen, Bnder und sen fr HANS von verschiedenen Herstellern geliefert, die bei Schden keine Haftung bernehmen wollen.

Kommentar von Leopold Wieland

"HANS soll neuerdings auch der Formel 1 mehr Glck im Unglck bringen. Wie vielen Rennfahrern, seitdem dieser Kopf-und-Nacken-Schutz 1990 erfunden wurde. Doch der vermeintliche Lebensretter ist momentan noch eine tdliche Gefahr. Dann nmlich, wenn ein Pilot mit mehr als Tempo 150 unglcklich gegen einen festen Widerstand prallt. Das beweisen Tests in den USA.

Das besonders Erschreckende daran: Die Grenzwerte der Mindestbelastbarkeit von HANS, die der Automobil-Weltverband - man lese und staune - empfiehlt, also nicht vorschreibt, werden derzeit von keinem der von verschiedenen Firmen gebauten Modelle erfllt. Nicht mal halb so viel Zuglast wie empfohlen halten die auf die Schultern aufgesetzten Kragen und ihre am Helm befestigten Bnder aus.

Aufwachen, werte Regelmacher! Sicher machen, dieses im Grunde ja so sinnvolle Schutzmittel! Also auch bei HANS: Her mit festen Belastungsstandards und -kontrollen!" Leopold Wieland, Chefredakteur AUTO BILD motorsport

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung