Jean Todt

Neuer FIA-Präsident

— 23.10.2009

Todt beerbt Mosley

Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt wird Max Mosleys Nachfolger als neuer FIA-Präsident. Der Franzose will keine radikale Neuordnung der FIA. Er wird den Kurs seines Vorgängers fortsetzen.

Es war Ende der 90er Jahre: Ferrari-Teamchef Jean Todt vergisst in der Air-France-Maschine von Buenos Aires nach Paris seinen Nintendo-Gameboy. Fast zwei Wochen nörgelt der Computerspiel-Junkie vor sich hin. Bis es seiner damaligen Freundin zuviel wird. Sie fahndet nach der Uralt-Mini-Spielekonsole, treibt sie tatsächlich auf und gibt sie dem kleinen Franzosen liebevoll verpackt zurück. Der Tag war gerettet. Nun sind es die nächsten vier Jahre, auf die sich Todt freuen darf. Denn wieder hat er ein sdhönes Geschenk bekommen. Jean Todt ist Max Mosleys Nachfolger als FIA-Präsident. Mit 135 zu 49 Stimmen haben sich 221 Delegierte aus 132 Ländern für den 63-jährigen Franzosen und damit gegen den ehemaligen Rallye-Weltmeister Ari Vatanen (57) entschieden.

Mosleys Wunschkandidat hat gewonnen

Ferraris Dream-Team: Mit Michael Schumacher holte Todt von 1996 bis 2006 elf WM-Titel.

Die Wahl zum neuen FIA-Präsidenten ging endete, wie es sich der alte Präsident gewünscht hatte. Jean Todt wird Max Mosleys Kurs fortsetzen. Als Wahlkämpfer konzentrierte er sich auf allgemeine Fragen der individuellen Mobilität: "Rund um den Globus werden sich neue Generationen an der Bewegungsfreiheit erfreuen können, die das Automobil bietet. Es liegt in der Verantwortung der FIA, dieses Recht auf sichere, nachhaltige und preiswerte Mobilität zu verteidigen." Die FIA reformieren und demokratisieren, wie Vatanen das wollte, wird er nicht. Gleiches gilt für die Formel 1. Der Franzose wird die beschlossenen Kostensenkungen durchsetzen und die Zahl der Motoren langfristig senken. Statt zwischen 100 und 400 Millionen Euro sollen die Budgets schon 2010 zwischen 100 und 150 Millionen Euro liegen, danach weiter sinken. Zudem plädiert Todt für umweltfreundlichere Antriebstechnologien und geringeren Spritverbrauch. Diese Forderungen will er, anders als zuletzt Max Mosley, nicht als Diktator in die Tat umsetzen. Todt ist ein Mann der Kompromisse. Doch auch er kündigt jetzt schon an: "Meine Philosophie ist: Die Teams sollen Vorschläge machen. Erst wenn sie dazu nicht in der Lage sind, muss die FIA eingreifen."

Todt will verstärkt Aufgaben an Experten deligieren

Todt als Rallye-Beifahrer: 1980 mit Timo Mäkinen bei der Rallye Akropolis im Peugeot 504 Coupe.

In einem Punkt soll sich die Amtszeit von Jean Todt allerdings von der Max Mosleys unterscheiden. Todt: "Ich bin der Ansicht, dass der Präsident nicht jedes kleine Problem selbst lösen muss. Dafür habe ich Experten, an die ich Aufgaben abgeben kann." Für die einzelnen Rennserien will er Kommissare benennen, die ihn vor Ort vertreten. Verantwortlich für die Belange des Straßenverkehrs ist ab sofort Brian Gibbons vom neuseeländischen Automobilclub. Vizepräsident für Sport wird der Engländer Graham Stoker und neuer Senatspräsident ist der ehemalige FIA-Vize Nick Craw, der zugleich dem mächtigen amerikanischen Verbandes ACCUS vorsteht.

Elf WM-Titel mit Schumi

Der Motorsport wird Todt dennoch besonders am Herzen liegen. In den 80er und 90er-Jahren begann der Franzose seine Karriere als Beifahrer in der Rallye-Weltmeisterschaft, avancierte dort später zum Peugeot-Teamchef. 1993 wurde er Teamchef der Scuderia Ferrari und holte zusammen mit Michael Schumacher fünf Fahrer- und sechs Konstrukteurs-Titel. Doch die meisten Formel-1-Teams dürften über Todts Wahl nicht gerade glücklich sein. Zu groß ist ihre Angst, der Ex-Ferrari-Teamchef könne nun alte Rechnungen begleichen. McLaren, Toyota und Williams hatten zu Todts aktiver F1-Zeit Streit mit dem Franzosen. Und auch Luca di Montezemolo und Ferrari müssen auf der Hut sein. Denn die Trennung von Ferrari ist bei weitem nicht so harmonisch abgelaufen, wie beide Seiten stets Glauben machen wollen. Vielmehr war es so, dass die Italiener Todt vor die Tür gesetzt hatten, als der ihnen zu populär wurde. Eins wird die FIA also ganz sicher nicht wieder werden. Eine "Ferrari International Assistance"!

Verliert der ADAC international an Bedeutung?

Neues FIA-Dream-Team: Todt und Lebensgefährtin Michelle Yeoh, die als Sicherheitsbotschafterin auftritt.

Keine große Begeisterung hat dieses klare Votum sicher auch in München am Stammsitz des ADAC ausgelöst. Der größte und einflussreichste deutsche Automobilklub hatte schon 2008 in der Sex-Affäre um Max Mosley Front gegen den FIA-Präsidenten gemacht. ADAC-Sportpräsident Herman Tomczyk war zudem im Wahlkampfteam von Ari Vatanen Kandidat für den Posten eines Vize-Präsidenten. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass der einst durchaus gewichtige Einfluss des ADAC im Automobil-Weltverband künftig eher sinken wird.

Autor: Bianca Garloff

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