Neuer Helm für Schumi III

Neuer Helm für Schumi III Neuer Helm für Schumi III

Neuer Helm für Schumi III

— 27.03.2002

Das Mass der Helme

Neuer Hut für Schumi III: Wie seine "Stiefbrüder" Michael und Ralf fährt jetzt auch Sebastian Stahl unterm Schutz von Schuberth.

Leicht, sicher, maßgeschneidert

Wieder einmal schreitet Carola Loske zur Tat. Mit einer großen Schiebelehre nimmt die rothaarige Frau im weißen Kittel zielgenau Maß am Kopf: Höhe, Breite, Tiefe. Die Werte notiert sie akribisch in einem Formular. Nein, wir sind hier nicht in der Gerichtsmedizin. Auch nicht im Wachsfigurenkabinett. Carola Loske ist Polsterspezialistin beim Braunschweiger Helmhersteller Schuberth (400 Mitarbeiter). Knapp 1,8 Millionen knitterfreie Schädelschützer wurden hier schon gebaut. Aber gerade mal 70 davon für den Motorsport. Jetzt wird so einer maßgeschneidert für den neuen AUTO BILD motorsport-Piloten Sebastian Stahl (23).

Nick Heidfeld war der erste Rennfahrer, der 2000 mit einem Schuberth-Helm auf die Piste ging. Mittlerweile schwören auch Schumi und Schumi II auf den leichtesten Helm der Szene. Und nun also obendrein ihr "Stiefbruder": Sebastian Stahl, der Sohn der Freundin von Schumi-Papa Rolf. 2001 glänzte der smarte Bürokaufmann aus Königswinter im VW-Beetle-Cup. Jetzt will er aufsteigen. Sein Ziel: Porsche fahren im Carrera-Cup. Bei 380 PS im Rücken kann ein Helm nicht sicher genug sein.

Carola Loske legt ein Maßband um Stahls Schläfen, greift dann zielsicher in das Regal mit den Musterhelmen. "Größe 58 nehmen wir als Basis, dann machen wir die Feinanpassung", sagt sie. Ganz genau wie bei der Maßkonfektion beim Herrenausstatter. "Kein Kopf ist wie der andere. Sebastian hat einen recht schmalen, dafür aber sehr tiefen Schädel", erklärt Loske. Und: "Die größten Anpassungsarbeiten sind meist im Bereich der Ohrpolster fällig." So auch bei Stahl.

Feinabstimmung im Windkanal

Der Musterhelm sitzt auf Anhieb. "Nur an den Ohren kneift es noch etwas", beschreibt Sebastian das Tragegefühl. Also Helm wieder runter. Frau Loske löst die Seitenteile heraus, stülpt den Bezugsstoff um und entfernt sechs Millimeter Schaumstoff. "Optimal", strahlt Schumi III. Zumindest an den Ohren. Im Nacken sitzt der Helm vom Typ QF1 der Expertin noch etwas zu locker. "Hier werde ich zusätzliche Polster einarbeiten", beschließt Carola Loske.

Letzter Schritt beim Bau eines Schuberth-Helms nach Maß ist die Sitzprobe im Rennauto. In einem Audi R8 Le Mans, der das ganze Jahr über im Schuberth-Windkanal steht. "Das ist wichtig, damit der Fahrer noch einmal aus Cockpitperspektive überprüfen kann, ob der Helm auch hundertprozentig sitzt", erläutert Entwicklungschef Oliver Schimpf. Was hier wenige Stunden in Anspruch nimmt, dauerte bei Nick Heidfelds Helm von November 1999 bis März 2000. Denn: Das Erstlingswerk konstruierte Schuberth vom Zeichenblock und Computermonitor auf den Kopf des Mönchengladbachers.

Noch aufwendiger sind die neuen Helme von Ralf und Michael Schumacher namens RF1.1. "Wir haben jeden Millimeter von Michaels und Ralfs Kopf abgescannt und in unser CAD-Programm im Computer übertragen", erklärt Schimpf. "Und da beide recht kleine Köpfe haben, konnten wir die Helmschale sehr kompakt halten." Vorteil: geringes Gewicht - mit 1090 Gramm knapp 400 Gramm leichter als die Konkurrenz - und weniger Luftwiderstand.

Die Helmschale bringt wichtige PS

Ferrari hat die Aerodynamik des 2002er Autos exakt auf Schumis Kopfbedeckung abgestimmt. Was dem Weltmeister gegenüber Teamkollege Barrichello, der eine größere Helmschale trägt, einen Zehn-PS-Vorteil bringt. Bis jemand Sebastian Stahls Auto auf seinen Helm abstimmt, wird es wohl noch etwas dauern.

Obwohl Schuberth seinen im Vergleich zum RF1 etwas voluminöseren QF1 mittlerweile fast 50 Mal pro Jahr - unter anderem auch für Audis Le-Mans-Piloten - fertigt, kann von Serienproduktion nicht die Rede sein. Die Herstellungskosten von 6000 Euro pro Stück sind kein Pappenstiel. "Im Laufe des Jahres wollen wir aber mit einer Serienversion an den Markt", verrät Schimpf. Der soll dann knapp 1750 Euro kosten.

Bis dahin wird Sebastian Stahl mit seinem Helm schon einige Rennen gefahren sein. Und sich dabei ganz sicher fühlen. "Denn Schuberth hat bei der Entwicklung bisher schon 1150 Rennhelme im Labor gecrasht", weiß Schumi III seit dem Besuch in Braunschweig. Und hofft, dass er in der Praxis nicht den 1151. wird. Nein, auch dieser Schumi will mit "Schubi" lieber glänzen.

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