Neuer Mazda RX-8

Neuer Mazda RX-8 Neuer Mazda RX-8

Neuer Mazda RX-8

— 15.08.2002

Nächste Runde für den Wankel

Nach fünf Jahren Stillstand dreht er sich bald wieder: Im RX-8 wankelt ein völlig neuer Motor, dem seine Ingenieure endlich das Saufen abgewöhnt haben (wollen).

Der dritte Streich heißt Renesis

Fädeln wir uns mal elegant ans Steuer: Linken Fuß bis hinter die Kupplung vorstrecken, dann mit dem Hintern zur Hälfte auf den karierten Stoff plumpsen, zur Mitte rutschen, vooorsichtig das rechte Bein nachziehen und die Füße sortieren. Das Nadelöhr heißt Mazda Cosmo, ist Baujahr 1968 und hat, wie in Japan üblich, Rechtslenkung.

Der erste Serienwagen der Welt mit Zweischeiben-Wankelmotor scheint auch innen nach japanischer Norm konzipiert: Mitteleuropäern schleift das hölzerne Lenkrad am Oberschenkel, die beiden Einzelsitze sind völlig konturlos. An mögliche Sicherheitsgurte erinnern nur zwei Gewindebuchsen. Wenn der Motor lautstark seine zwei Rotoren hochjubeln lässt, ein schlabbriges Vierganggetriebe die 110 PS zu der hinteren De-Dion-Achse weiterleitet, dann klopfen wir uns gedanklich wieder auf die Schultern: Solch eine Technik kann nur aus dem Land der Auto-Erfinder kommen, freuten wir uns selbstgefällig in den sechziger Jahren.

Damals schien die Zukunft der nahezu vibrationsfrei kreisenden Kolben grenzenlos. Heute sind wir klüger. Und können stolz darauf sein, dass Mazda als weltweit einziger Großserien-Hersteller immer noch geduldig am Wankel-Prinzip feilt. Renesis heißt die neueste Entwicklung, setzt sich zusammen aus Rotary Engine (RE) und Genesis (griechisch Ursprung; biblisch Schöpfungsgeschichte). Renesis treibt ab dem nächsten Jahr den neuen RX-8, eine im wahrsten Sinne gelbe Gefahr. Der Prototyp wankelt zwar noch nicht richtig, wird derzeit in Hiroshima abgestimmt.

Vier Türen, aber keine B-Säule

Erste Eckdaten: 240 bis 250 PS aus zweimal 654 Kubikzentimeter Kammervolumen sollen Tempo 250 schaffen. Und – schnallen Sie sich an – als Basispreis sind 35.000 Euro angepeilt. Das liegt auf dem Niveau des BMW Z3 3.0, der aber deutlich filigraner gebaut ist, eben nur für zwei.

In den RX-8 passen dagegen vier Personen, die zudem einen Einstieg von der Größe einer Kleinwagen-Garage genießen können. Hier muss sich keiner falten, hier kann man eintreten. Okay, den Kopf müssen Sie schon etwas auf die flunderflachen 1,33 Meter einziehen. Aber die B-Säule fehlt eben völlig, wie das die Amerikaner teilweise noch bis in die Siebziger gemacht haben oder Lancia früher mal beim Appia Berlina. Eine fehlende Säule verringert aber die Stabilität. Das soll im Mazda-Fall durch Verstärkungen ausgeglichen sein, auch den Seitenaufprall halten die zwei Türen sehr gut aus: Sie stützen sich einfach oben und unten im Rahmen ab.

Doch erst mal wächst die Neugier. Gelb-Schwarz dominiert innen, auf den angegossen-bequemen Schalensitzen ebenso wie am Lenkrad. Der Drehzahlmesser lässt die aus früheren Wankel bekannten Rotations-Orgien ahnen: gestrichelter Warnbereich ab 9000, volles Rot erst ab 9500 Touren, darüber klingelt wieder ein Warnwecker. Im selben Instrument versteckt sich auch der Digital-Tacho. Der kurze Knüppel des Sechsgangschalters liegt griffig auf dem Kardantunnel, unter dem eine aus Kohlenstoff-Komposit-Werkstoff gefertigte Welle die Kraft an die Hinterachse bringt

Leistung ohne Luftaufladung

Der Rest ist aktuelle Technik: Einzelradaufhängung rundum, vorn 225, hinten 245 mm breite 18-Zöller, Leichtbau-Karosserieteile aus Kunststoff und Aluminium, in der vorn flach der Motor in der Größe eines herkömmlichen Vierzylinders seine Ansaugluft schnüffelt. Im Gegensatz zum bei uns seit fünf Jahren nicht mehr verkauften RX-7, den zwei Turbolader auf durstige (Testverbrauch 16 Liter Super) 239 PS trieben, schafft Renesis die Leistung ohne Luftaufladung. Grund: Die Ein- und Auslassöffnungen sind nicht mehr radial angeordnet, sondern enden seitlich im Gehäuse.

Die Vorteile dieses Prinzips (bessere Füllung, weniger Frischgasverluste, kein Schieberuckeln mehr) hatte NSU in den Sechzigern auch schon erkannt, scheiterte aber an der schwierigen Abdichtung. Zauberwerkstoff heute: Keramik. Dadurch soll Renesis nur halb so viel Öl verbrauchen, der Spritkonsum um 40 Prozent unter dem des Turbo-Vorgängers liegen. Auch die Abluft soll Euro-4-sauber sein.

Alles Werte, die richtig neugierig machen und dem Wankel in seinem 38. Rotationsjahr neue Lebenskraft geben (64 kam der NSU Wankel Spider). Hoffen wir mit der großen Kreiskolben-Fangemeinde, dass Mazda endgültig auf den richtigen Dreh gekommen ist.

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